Golfwetter

Dauerregen ärgert auch Tiger Woods

Golfstar will bei British Open wieder Nummer eins werden

- Manchmal ist es ja ganz gut zu hören, dass andere Menschen auch leiden. In England zum Beispiel regnet es. Seit Wochen. Immerzu. Schlimmer noch als hierzulande. Und das macht nicht nur den leidgeprüften Bewohnern zu schaffen, sondern auch den besten Golfspielern der Welt, die von Donnerstag an im Westküstenstädtchen Lytham St. Annes um den Sieg bei den 141. British Open spielen (10.00 Uhr, Sky).

Die Profis sorgen sich dabei jedoch weniger um die Wetteraussichten. Sondern darum, was das viele Wasser bereits angerichtet hat. Abseits der Spielbahnen ist das hohe Gras, Rough genannt, nämlich derart in die Höhe geschossen, dass selbst die Besten in diesem Dschungel verzweifeln. "Das Rough ist so dick und dicht, so etwas habe ich noch nicht gesehen", staunte Tiger Woods nach einer seiner Proberunden auf dem Par-70-Kurs: "An manchen Stellen ist es nicht spielbar, du bekommst den Ball einfach nicht raus." Was Darren Clarke, der nordirische Titelverteidiger, vor dem Kampf um die 6,3 Millionen Euro Preisgeld nur bestätigen konnte: "Wer in dieser Woche die Bälle vom Abschlag nicht gerade hält, dürfte schnell wieder nach Hause fahren." Was wiederum nicht gerade für Woods spricht, der den Ball zwar weit, aber auch gern mal aus der Richtung bugsiert. Dies hält die Buchmacher jedoch nicht davon ab, ihn mit einer Quote von 10:1 als Favoriten auf den Turniersieg zu bestimmen. Die Deutschen Martin Kaymer (41:1) und Marcel Siem (81:1) sind Außenseiter.

Woods' Favoritenrolle resultiert aus der ansteigenden Form des Ausnahmeathleten. Der 36-Jährige scheint das sportliche Tief nach seiner Ende 2009 bekannt gewordenen Ehekrise inklusive Scheidung und Geständnis der Sexsucht überwunden zu haben. Zwei lange Jahre hatte er in der Folge kein Turnier mehr gewonnen. 2010 wurde er nach fünf Jahren an der Spitze als Nummer eins der Welt abgelöst.

Jetzt ist Woods wieder da. "Noch vor kurzem gab es Leute, die gesagt haben, dass ich keine Turnier mehr gewinnen könne", spöttelte er in seiner Pressekonferenz vor den British Open, "ich glaube, das ist gerade mal sechs Monate her." Seither hat sich viel getan. Dreimal setzte sich Woods in diesem Jahr bereits gegen die die Konkurrenz durch. Mit jetzt 74 Turniersiegen als Profi hat er in der ewigen Bestenliste Jack Nicklaus hinter sich gelassen. Nur Sam Snead steht mit 82 Erfolgen noch vor dem Tiger, der in der Weltrangliste wieder zurück an Spitze drängt. Gewinnt Woods die British Open, wird er Montag von Rang vier auf Platz eins springen - 629 Tage nach seiner Ablösung durch den Engländer Lee Westwood.

Es wäre ein historischer Triumph für Woods. Zum einen, weil er seit den US Open 2008 keines der vier Major-Turniere gewinnen konnte. Zum anderen, weil derlei Erfolge offenbar immer schwieriger zu erreichen sind. Die vergangen 15 Major-Turniere wurden von 15 verschiedenen Spielern gewonnen. "Die Starterfelder haben mittlerweile mehr Tiefe, da gibt es keinen Zweifel", sagt Woods, ergänzt aber: "Ich weiß, wie Majors gewonnen werden. Ich habe das jahrelang gemacht. Seit 2008 hat es leider nicht geklappt, aber solche Phasen müssen wir alle durchlaufen."

Für Woods ist es der dritte Besuch im Royal Lytham & St. Annes Golfclub. Seinen ersten absolvierte er 1996. Zu seinen zweiten British Open war der Amerikaner noch als Amateur angereist. Woods hatte damals dennoch schon einen Namen und galt als kommender Siegspieler. Seinen internationalen Durchbruch aber feierte er in der Grafschaft Lancashire. Der damals 20-Jährige landete mit 281 Schlägen auf dem geteilten 22. Platz. Weniger Schläge hat bis heute kein Amateur beim ältesten Golfturnier der Welt benötigt. "Der Erfolg hat mir damals sehr viel Selbstvertrauen gegeben", erinnert sich Woods, der die British Open sein Lieblingsturnier nennt.

So etwas hören die Briten natürlich gern und schenken dem Amerikaner dafür ihre Zuneigung. Beim Training erschienen drei Fans sogar in kompletter Tigermontur. Dies ist selbst für den weit gereisten Woods nicht alltäglich.