Füchse Berlin

Schuften in der Keks-Fabrik

In Island starten Handball-Füchse ungewöhnliche Saisonvorbereitung

- Der Fitnessraum im Kex-Hotel in Reykjavik mutet an wie ein Relikt aus den 70er-Jahren. Der Sandsack, der von der Decke baumelt, erinnert stark an jenen, auf den Sylvester Stallone im ersten Rocky-Film eingeschlagen hat. Es ist der Ort, an dem auch die Spieler der Füchse Berlin in den kommenden Tagen ihre Fitness schulen und sich für die neue Saison in der Handball-Bundesliga in Form bringen werden. "In der Vorbereitung legst du die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison", sagt denn auch Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, dem das Kex-Hotel gehört, "deshalb werden wird in den nächsten Wochen sehr intensiv und konzentriert arbeiten."

Sechs Wochen sind vergangen, seit die Füchse ihre bislang erfolgreichste Saison abgeschlossen haben. Mit dem Erreichen des Final Four in der Champions League sowie der erneuten direkten Qualifikation für die Königsklasse hat sich der Hauptstadtklub als Spitzenkraft in der Bundesliga und auf internationalem Parkett etabliert. Zudem brillierte der Nachwuchs als Deutscher Meister in der A-Jugend. Jetzt schicken sich die Füchse an, an die erfolgreiche Spielzeit anzuknüpfen.

Die Trauben hängen freilich hoch, dafür haben Berlins Handballer selbst gesorgt. Das weiß auch der Trainer. "Die Erwartungen sind überall gestiegen, aber das macht uns auch sehr stolz", sagt der 39 Jahre alte Isländer, der die Füchse seit Sommer 2009 anleitet, "und wir nehmen das auch gerne positiv an." Ein großes Ziel des Vereins in der Champions League ist das Erreichen des Achtelfinales, in der Liga darf es gern wieder ein Platz unter den Top drei sein. Dafür rief der Coach am Montag seine Spieler zum Fitnesstest. Die Ergebnisse stehen noch aus. "Wir wollen sehen, wie die Spieler ihren individuellen Trainingsplan im Urlaub umgesetzt haben", sagt Sigurdsson, "aber ich bin guter Dinge." Er lacht: "Es kam kein Spieler mit Übergewicht an." Nach einer lockeren Übungseinheit am Morgen reist die Mannschaft dann heute Mittag nach Island, wo sie am Abend im Kex-Hotel eincheckt. In der Vorbereitung kann Sigurdsson aktuell bis auf Ivan Nincevic auf den kompletten Kader zurückgreifen. Der Kroate wurde von seinem Auswahlcoach als einziger Füchse-Spieler für die Olympischen Spiele nominiert.

Allzu kompliziert wird sich heute die Verteilung der Zimmer nicht gestalten, denn im Kex-Hotel, einer alten Keks-Fabrik, erwartet die Berliner nicht der gewohnte Luxus. Die Spieler sind in Sechsbettzimmern untergebracht, schlafen in Doppelstockbetten. Toiletten und Duschen befinden sich auf dem Gang. Darben aber müssen die Füchse nicht, die Ausstattung ist schlicht - aber edel. So werden die beiden neuen Spieler, der Russe Konstantin Igropulo, der vom FC Barcelona an die Spree wechselte, sowie der Norweger Börge Lund, der von Liga-Konkurrent Rhein Neckar Löwen kam, ihre neuen Kollegen gleich intensiv kennenlernen können. Ebenfalls frisch im Team ist der in den Profi-Kader aufgerückte Kreisläufer Jonas Thümmler. Zu dem Wohnen auf engstem Raum wird es verschiedene Maßnahmen zum Teambuilding geben. "Aber das machen wir vom Wetter abhängig", erklärt Sigurdsson. Die Bundesligasaison startet dann Ende August.