Tommy Haas

"Ich will nicht, dass meine Tochter Tennisprofi wird"

Routinier Tommy Haas startet ab heute in Hamburg

- Tommy Haas erlebt im Alter von 34 Jahren gerade seine "dritte Karriere", wie er selbst sagt. Der gebürtige Hamburger hat sich von Platz 896 der Tennis-Weltrangliste wieder auf Position 49 vorgearbeitet. In dieser Woche schlägt er beim ATP-Turnier in seiner Geburtsstadt auf. Vor dem Turnierstart sprach Morgenpost-Mitarbeiter Klaus Schlütter mit dem jungen Familienvater.

Berliner Morgenpost:

Was motiviert Sie, mit 34 Jahren und nach fünf Operationen noch einmal voll anzugreifen?

Tommy Haas:

Ich fühle mich fit und bin keiner, der ruhig auf der Couch sitzt. Es kribbelt noch. Tennis wird immer schneller und besser. Da noch mithalten zu können, das macht mich stolz.

Gehen Sie heute mit der Erfahrung von 17 Profijahren mit einer anderen Einstellung auf den Platz als früher, als Sie vor Wut schon mal den Schläger zertrümmert haben?

Die Prioritäten haben sich verschoben. Nach so vielen schweren Verletzungen und der Geburt eines Kindes merke ich einfach, was mir im Leben wirklich am wichtigsten ist.

Ihre Tochter Valentina ist 20 Monate alt. Werden Sie sie zum Tennisprofi drillen, wie es einst Ihr Vater mit Ihnen gemacht hat?

Ich will nicht, dass sie Tennisprofi wird. Der Weg dorthin ist hart, zu hart. Nur wenige können am Ende von ihrem Sport leben. Außerdem glaube ich nicht, dass ich ein typischer Tennisvater sein könnte.

Sie sind nun einer der ältesten Spieler auf der Tour. Wie lange wollen Sie noch durch die Welt tingeln?

Natürlich gibt es Momente, an denen du zweifelst, ob du dir diese Tortur noch antun sollst. Aber solange der Körper mitmacht, will ich auch spielen.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre "dritte Karriere" gesetzt?

Einmal möchte ich, dass meine Tochter ihren Vater bei einem großen Turnier bewusst live spielen sieht. Also muss ich noch eineinhalb bis zwei Jahre als Profi durchhalten. Mein zweites Ziel ist der 500. Einzelsieg.

483 sind es bisher in Ihrer Profilaufbahn. Eine Möglichkeit, Ihrem Ziel näher zu kommen, wurde Ihnen verwehrt: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat Ihren Namen nicht auf die Meldeliste für die Olympischen Spiele gesetzt, während die Leichtathleten Ariane Friedrich und Matthias de Zordo ihre London-Tickets ohne Normerfüllung bekamen. Wie tief sitzt der Frust darüber?

Ich wäre in London gern dabei gewesen. Ein drittes Mal bei Olympia spielen zu dürfen, das wäre ein echtes Highlight gewesen. Ich bin tierisch enttäuscht und finde es ehrlich gesagt auch peinlich, dass mich der DOSB nicht einmal auf die Nominierungsliste gesetzt hat, mich und manch anderen nicht. Das ist eine Schande, aber ich muss damit leben. Ich werde in der Zeit Turniere in Amerika spielen.