Sicherheitsgipfel

Die Stehplätze sollen bleiben, Störenfriede gehen

Sicherheitsgipfel am Dienstag in Berlin ohne Fan-Vertreter

- Beim Sicherheitsgipfel am Dienstag in Berlin planen Profiklubs und Verbandsvertreter mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) konkrete Maßnahmen gegen die Gewalt in Fußballstadien. Ein äußerst emotional diskutiertes Thema ist schon vor der Konferenz vom Tisch: Die Stehplätze bleiben der Bundesliga erhalten, eine Abschaffung ist derzeit kein Thema mehr.

"Keiner aus dem Fußballlager hat die Abschaffung der Stehplätze gefordert, auch ich nicht - ganz im Gegenteil. Auch deshalb, weil wir das vor der WM 2006 versprochen haben. Das ist unverändert unser Standpunkt", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Er reagierte erleichtert auf Signale vom Innenminister, der die Stehplätze als Teil der Fußballkultur bezeichnet hatte und keine Abschaffung vorsieht - zumindest aktuell nicht.

Anfang Juli hatte sich das noch ganz anders angehört. Friedrich hatte die Zukunft der Stehplätze öffentlich infrage gestellt. "Wenn bei uns das Chaos ausbricht und Spiele abgebrochen werden müssen und ich weiß, es gibt Möglichkeiten, dann bleibt uns doch gar nichts mehr anderes übrig, als die Abschaffung der Stehplätze in Erwägung zu ziehen", hatte der Sportminister gesagt. Die Abschaffung der "Steher" ist die Horrorvorstellung vieler Fans, auch der DFB ist weiter besorgt, obwohl sich der Diskussionspunkt nun am Dienstag nicht auf der Agenda befindet.

"Es könnte aber der Moment kommen", sagte Niersbach, "die Engländer sind damals auch nicht gefragt worden. Das Verbot kam dort als staatliches Gesetz. Wir wollen keine Panik machen, aber die Situation ist ernst. Ich hoffe, wir bekommen es gemeinsam in den Griff."

Vereine wollen härter durchgreifen

Die Vereine planen dazu eine Reihe von Maßnahmen: Stadionverbote sollen häufiger ausgesprochen und konsequent durchgesetzt werden, Strafzahlungen vor Gericht vom Verursacher einklagt werden. Der verstärkte Einsatz von Überwachungskameras und personalisierten Eintrittskarten könnte zudem der Aufklärung von Straftaten dienen. Damit unerlaubte Gegenstände nicht ins Stadion gelangen, sollen Mitarbeiter von Ordnungsdiensten besser geschult werden. Bundesligist Hannover 96 ging bereits voran und verkündete die Gründung eines eigenen Sicherheitsunternehmens.

56 deutsche Profi-Vereine, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schicken ihre Vertreter zum Gipfel mit dem Innenminister. Fanvertreter finden allerdings keinen Platz bei der Veranstaltung unter dem Motto "Für Fußball. Gegen Gewalt." Die Anhänger befürchten daher "eine weitere Distanzierung" und "noch drastischere Maßnahmen", wie die Initiative "Unsere Kurve" in einer Pressemitteilung schrieb.

Und tatsächlich drängt Friedrich auf einen harten Kurs und will einen verbindlichen Plan auf den Tisch bekommen, wie die Verbände und Klubs Ausschreitungen wirksam bekämpfen. Fanvertreter kritisieren die Vielzahl der Vorhaben, befürchten eine pauschale Kriminalisierung.