Beachvolleyball

Verpatzte Generalprobe macht Mut für London

Beachvolleyball-Duo Holtwick/Semmler erreicht beim Grand Slam in der Waldbühne Rang vier

- Der Regenmarathon in der Waldbühne, der die besten Beachvolleyball-Teams der Welt knapp eine Woche lang auf die Probe stellte, ging am Sonntag versöhnlich zu Ende. Endlich, nach unglaublichen Wassermengen, die seit Dienstag auf das Amphitheater niedergegangen waren, schien beim Damen-Finale sogar hier und da die Sonne. Wie das Herren-Finale am Abend zuvor fand das Endspiel ohne deutsche Beteiligung. Katrin Holtwick und Ilka Semmler waren am Vormittag - natürlich in strömendem Regen - an den Weltranglistenersten Chen Xue und Xi Zhang aus China mit 1:2 (17:21, 21:19, 11:15) gescheitert. Die Chinesinnen unterlagen dann im Endspiel vor nicht ganz 1000 Zuschauern den Brasilianerinnen Franca Larissa und Juliana Felisberta da Silva überraschend klar 0:2 (16:21, 18:21). Auch bei Holtwick/Semmler war die Luft raus, sie verloren das Spiel um Platz drei gegen Greta Cicolari und Marta Menegetti aus Italien 0:2 (13:21, 19:21).

Trotz Platz vier fiel das Fazit der beiden Deutschen "grundsätzlich positiv aus. Wir haben viele Spiele auf hohem Niveau gespielt, dann aber in den letzten beiden einiges liegen lassen, weil wir zu spät unseren Rhythmus gefunden haben", erklärte Katrin Holtwick. Ab jetzt stünden die Olympischen Spiele, die in weniger als zwei Wochen beginnen, "voll im Fokus", ergänzte Ilka Semmler. "Das schwirrt schon seit Wochen durch unsere Köpfe. Erst gab es die offizielle Nominierung, dann die Einkleidung und jetzt wird es immer konkreter." Selbstvertrauen sei da, jetzt gelte es, "Kräfte zu sammeln und noch ein paar gute Spiele abzuliefern".

Das Resümee des Turnier-Direktors fiel naturgemäß gemischt aus. "Vom Männer-Ergebnis bin ich enttäuscht", sagte Siegbert Brutschin, der hinnehmen musste, dass seine Lokalmatadoren Julius Brink und Jonas Reckermann bereits im Achtelfinale ausschieden und sich lediglich Jonathan Erdmann/Kay Matysik und Eric Koreng/David Klemperer ins Viertelfinale vorkämpfen konnten. Auf das Wetter angesprochen rollte der Turnier-Direktor nur mit den Augen. "Dennoch sind alle Athleten zu mir gekommen und haben uns für das Turnier gelobt", sagte er weiter. Es fänden "sowieso alle, dass so ein Turnier nach Berlin gehöre". Fraglich sei "halt nur immer, ob man die nötigen Sponsoren zusammen bekommt".

Angesichts der Großwetterlage hatte auch der ohnehin ambitionierte Weltrekordversuch, am Sonnabend über 18.000 Zuschauer zum Männerfinale in die Waldbühne zu locken, keine Chance. Rund ein Drittel der Einwegponchos konnten verteilt werden, als die Brasilianer Alison Cerutti und Emanuel Rego die beiden US-Amerikaner Jacob Gibb und Sean Rosenthal 2:1 (21:17, 15:21, 15:11) bezwangen. Ob sich daran etwas geändert hätte, wenn Brink/Reckermann nicht gegen Koreng/Klemperer verloren hätten und im Endspiel als Zugpferd dabei gewesen wären, ist eher unwahrscheinlich.

Während sich Brink und Reckermann vornahmen, bis zu den Olympischen Spielen aus dem frühen Ausscheiden die "richtigen Schlüsse zu ziehen", war Brasiliens Oldie Emanuel Rego (39), der Olympiasieger von 2004, nach seinem Erfolg hochzufrieden. Kein Wunder, denn Alison/Emanuel und Gibb/Rosenthal waren bereits in den letzten beiden Turnieren aufeinander getroffen, dabei hatten jeweils die Amerikaner gewonnen. "Dadurch wussten wir, dass sie ein großartiges Team sind. Sie spielen sehr gut und sehr konstant. Und wir wollten ihre Konzentration, ihre Konstanz brechen", erklärte Emanuel, der bei Olympia dabei ist, seit es Beachvolleyball bei den Spielen gibt. "Das hier war ein wichtiger Schritt, um selbstbewusst nach London zu gehen", sagte der Routinier vor seinen fünften Olympischen Spielen. Auch "der Regen und das kalte Wetter waren eine gute Vorbereitung. Einige Engländer haben uns erzählt, dass der Sommer dort genauso ist. Das war hier also eine gute Gelegenheit, die Kälte schon mal anzutesten." Der Sieger von Berlin flog mit seinem Partner "nach Brasilien, um Energie zu tanken". Der Rest der Karawane zieht zum letzten vorolympischen Turnier nach Klagenfurt weiter.