Dopingverdacht

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen in Erfurt ein

Keine leistungssteigernde Wirkung durch Bestrahlung

- Manche hielten es bereits für einen der größten Dopingskandale der deutschen Geschichte, eine Leistungssteigerung sei mit der Methode des Erfurter Sportmediziner Andreas Franke jedoch nicht zu erzielen. Deshalb wird es auch kein Strafverfahren gegen Franke geben. Am Mittwoch beendete die Staatsanwaltschaft Erfurt die monatelangen Ermittlungen gegen den früheren Honorararzt des Olympiastützpunktes Erfurt wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Ein hinreichender Tatverdacht bestehe nicht, teilte die Behörde mit.

Franke war vorgeworfen worden, 30 Sportlern Blut entnommen, dieses mit UV-Licht behandelt und anschließend reinjiziert zu haben. Zwar sieht die Staatsanwaltschaft in der vorgenommenen Behandlung einen objektiven Verstoß gegen den Buchstaben M1.1 der Anlage zum Übereinkommen gegen Doping im Sport und damit eine verbotene Methode, "ein zielgerichteter Einsatz zu Dopingzwecken im Sport ist aber nicht nachweisbar. Vielmehr ist die Einlassung des Beschuldigten, er habe die Methode zur Verbesserung der Immunabwehr angewandt, nicht zu widerlegen".

Sportgerichtsverfahren laufen

Einen Einfluss auf laufende Sportgerichtsverfahren haben die Erkenntnisse vorerst nicht. "Wie bekannt, ist das sportrechtliche beziehungsweise disziplinarrechtliche Instrumentarium vom Strafrecht unabhängig und weitergehend. Deshalb wird sich das DOSB-Präsidium mit den Vorgängen um den Arzt beschäftigen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen", sagte Christian Klaue, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die Nationale Antidopingagentur (Nada) hat bezüglich der Vorgänge in Erfurt in zwei Fällen Verfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) angestrengt, eines davon soll noch vor den Olympischen Spielen, die am 27. Juli in London beginnen, zu einer Entscheidung gebracht werden. "Ungeachtet der Einstellung der staatsanwaltlichen Ermittlungen betreiben wir die von uns bereits eingeleiteten sportrechtlichen Verfahren zügig und konsequent weiter", sagte Nada-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer.

Ein Verfahren des DIS gegen die von Franke behandelte Erfurter Eisschnellläuferin Judith Hesse hatte vor einem Monat einen Freispruch ergeben. Der Sportlerin, die sich selbst angezeigt hatte, konnte kein persönliches Verschulden nachgewiesen werden.

In dem Fall geht es grundsätzlich auch um Formulierungen in der Verbotsliste der Wada. Eine Seite argumentiert, die Methode sei generell verboten und damit als Dopingvergehen zu betrachten. Zum anderen heißt es, erst eine Präzisierung der Liste 2011 würde die Behandlungsweise von Franke konkret einschließen und sie als Dopingfall klassifizieren. Vor dem DIS will die Nada, die die Methode grundsätzlich als Vergehen betrachtet, Rechtssicherheit erlangen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte nun, die Frankeschen Behandlungsmethoden hätten keine wissenschaftlich belastbaren leistungsfördernden Wirkungen und legte zu seinen Gunsten aus, dass er nichts verschleierte, diese Methode seit Jahren auf seiner Internetseite benennt und auch bei "Nicht-Sportlern" anwendet. Die Sportler gaben zudem als Zeugen an, den Arzt lediglich bei aktuellen Erkrankungen aufgesucht zu haben.