Interview

Für Bremens Arnautovic ist Italiens EM-Star Balotelli ein Engel

Werders Skandalprofi über seinen ehemaligen Teamkollegen, seinen alten und neuen Mitspieler Elia und seine Läuterung

- Kaum jemand polarisiert beim Fußball-Bundesligaklub Werder Bremen so sehr wie Angreifer Marko Arnautovic. Der Österreicher gilt als begabt, hat sein Talent in seiner Zeit in Bremen aber viel zu selten aufblitzen lassen. Der 23-Jährige ist ein Exzentriker, ein ähnlicher Typ, wie Bremens Zugang Eljero Elia, mit dem er schon bei Twente Enschede zusammen gespielt hat. Mit Arnautovic sprach Morgenpost-Mitarbeiter Kai Niels Bogena.

Berliner Morgenpost:

Herr Arnautovic, Sie sind im dritten Jahr bei Werder und warten immer noch auf Ihren Durchbruch. Wird er Ihnen in dieser Saison gelingen?

Marko Arnautovic:

Bitte nicht wieder schreiben 'Der neue Arnautovic'. Das habe ich in den vergangenen 18 Monaten schon so oft gelesen.

Auch weil Sie es mehrmals angekündigt haben?

Ich probiere, wie in jeder Saison, alles zu geben und arbeite in den Trainingslagern sehr hart. Ich will die Vorbereitung nutzen, um auf mein Top-Niveau zu kommen. Und das soll sich dann in der Saison mit guten Leistungen auszahlen.

Haben Sie es in dieser Spielzeit leichter als in den vergangenen Jahren, eine Teamgröße zu werden, weil den Klub mit Stürmer Claudio Pizarro ein Top-Angreifer verließ?

Erst mal es schade, dass Claudio weg ist, denn er war ein außergewöhnlicher Fußballer. Aber wir haben mit Nils Petersen einen guten Angreifer bekommen, auf den ich mich sehr freue und der seine Aufgabe gut erfüllen wird. Ich hoffe, ich kann ihm im Sturm dabei helfen.

Am besten mit dem linken niederländischen Außenstürmer Eljero Elia von Juventus Turin, den Werder verpflichtet hat. Sie haben mit ihm bei Twente Enschede zusammengespielt. Arnautovic/Elia, wird das ein erfolgreiches Gespann?

Die zwei Jahre, die wir bei Twente zusammen gespielt haben, waren gelungen. Unser Zusammenspiel auf den Flügeln hat gut geklappt, obwohl wir ja jeweils auf den gegenüberliegenden Seiten aufliefen. Er ist eine Verstärkung für den Verein, und ich werde ihm am Anfang helfen, sich schnell bei Werder zurecht zu finden.

Weil sie sich als Fußballer sowie als Mensch ähnlich sind?

Wir waren nicht nur befreundet, sondern haben auch gleiche fußballerische Fähigkeiten. Außerdem ist er wie ich ein Familien-Mensch. Er hat gern seine Cousins um sich herum.

Durch die Verpflichtung von Elia deutet sich an, dass Thomas Schaaf mit zwei Außenstürmern spielen lässt. Ist das eine Position für Sie?

Ich kenne diese Position gut, und sie liegt mir. Als zentraler Angreifer hat man meist zwei direkte Verteidiger gegen sich, aber auf der Außenbahn herrscht ein Eins-zu-Eins-Duell. Deshalb hat man als Außenspieler oft mehr Freiheiten - auch, weil es in der zentralen Spitze meist eng ist.

Sie wären als Außenstürmer kreativer?

Es ist dort einfacher, meine Fähigkeiten auszuprobieren, die in mir stecken: Schnelligkeit, direkte Duelle und Flanken. Ich hoffe, das kann ich in dieser Saison oft zeigen.

Beim Hamburger SV, wo Elia von 2009 bis 2011 spielte, hatte er im zweiten Jahr Probleme. Was muss bei Werder anders laufen?

Er muss natürlich alles für uns geben, dann kann er dazu beitragen, dass wir eine bessere Saison als die vergangene spielen. Wenn er das tut, ist er eine Bereicherung für den Verein.

Mit diesem Anspruch kamen auch Sie vor drei Jahren von Inter Mailand an die Weser. Auf dem Rasen lief es insgesamt durchwachsen, und parallel gerieten Sie neben dem Platz in die Schlagzeilen. Zuletzt beleidigten Sie in Österreich bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten. Nehmen Sie sich vor dieser Spielzeit mehr in die Verantwortung, um vernünftiger zu sein?

Jeder Mensch macht Fehler, niemand ist perfekt. Natürlich muss ich mich unter Kontrolle bekommen, was mittlerweile schon sehr gut klappt. Ich werde jetzt Vater und da hat man eine große Verantwortung. Die hilft mir dabei, vernünftiger zu werden.

Macht Sie das ausgeglichener?

Ich bin ruhiger geworden, und langsam wird mir bewusst, dass ich auf dem Platz zeigen muss, was ich kann und nicht draußen. Neben dem Platz sollte ich am besten meinen Mund halten, still sein und auf dem Rasen die Füße spielen lassen.

Ihr italienscher Angriffs-Kollege Mario Balotelli hat dies befolgt und wurde so ein Star der vergangenen Europameisterschaft.

Ich war bei Inter gut mit ihm befreundet, Mario ist nicht so, wie viele sagen. Natürlich bombardieren ihn die Journalisten, um Geschichten zu haben, aber er ist nicht so. Er wurde adoptiert, und natürlich war das schwierig für ihn. Aber wenn man Mario privat kennt, ist er wie ein Engel. Ich freue mich deshalb, dass er allen bei der EM seine Leistung gezeigt hat.