Radsport

Armstrong kämpft um seinen Ruf

- Lance Armstrong versucht mit allen juristischen Winkelzügen, sein Lebenswerk noch zu retten. Doch nachdem die drei mitangeklagten Ex-Teammitglieder des früheren US-Postal-Rennstalls - es handelt sich um die Mediziner Michele Ferrari und Luis Garcia del Moral sowie Trainer Jose Marti - auf einen Einspruch gegen die Anklage der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada verzichteten und sich eine lebenslange Sperre einhandelten, steht Armstrong immer mehr als Einzelkämpfer da.

Und viele Argumente hat der einst allmächtige Texaner nicht mehr. Die Beweislast mit den Aussagen von zehn Zeugen ist ohnehin erdrückend. Und dass Ferrari und Co. weder Einspruch einlegten noch einen fünftägigen Aufschub beantragten, kommt einem Schuldeingeständnis gleich. Dabei waren die Vorwürfe gravierend. Besitz, Handel und Verabreichung von verbotenen Substanzen sowie Komplizenschaft beim Verstoß gegen Anti-Doping-Richtlinien wurde dem Trio vorgeworfen. Sie waren Schlüsselfiguren in einer Mannschaft, die systematisches Doping betrieb.

Diese Gewissheit dürfte nach all den Geständnissen der Vergangenheit wie von Floyd Landis oder Tyler Hamilton die Radsport-Welt kaum mehr überraschen, eine sportjuristische Aufarbeitung findet aber erst jetzt durch die Usada statt. Und genau das will Armstrong vor einem ordentlichen Gericht verhindern. Am Dienstag reichte er beim Bezirksgericht in Austin eine nüchterne 25-seitige Klage gegen die Anti-Doping-Agentur ein, nachdem einen Tag zuvor Amtsrichter Sam Sparks eine 80-seitige Beschwerdeschrift abgewiesen hatte, weil Armstrongs Anwälte darin zu dick aufgetragen hatten.

Die Argumentation bleibt die gleiche. Die Usada verstoße gegen eigene Regeln und gegen den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Sie mache Deals mit Zeugen und ignoriere die achtjährige Verjährungsfrist. Als eine quasi staatliche Agentur habe sie sich der Entscheidung der US-Staatsanwaltschaft zu beugen, die im Februar dieses Jahres ein Verfahren gegen das US-Postal-Team und Armstrong eingestellt habe. Armstrongs Anwälte kommen zu dem Schluss, dass ihr Mandant keinen fairen Prozess erhalten werde. Es sei sicher, dass Armstrong lebenslang für Wettkämpfe gesperrt werde, dass seine sieben Toursiege aberkannt würden und dass er einen irreparablen Imageschaden davontragen werde.