Leichtathletik

Schnellster Marathonläufer am Start

Mutai nicht für Olympia nominiert, jetzt peilt er in Berlin den Weltrekord an

- Auf den ersten Blick ist die Sache widersprüchlich: Geoffrey Mutai ist zwar der bisher schnellste Läufer über die Marathondistanz, dennoch hält der Mann aus Kenia nicht den Weltrekord über die klassische Strecke von 42,195 Kilometer. Im April 2011 hatte er den Boston-Marathon in der sensationellen Zeit von 2:03:02 Stunden gewonnen - und war damit 57 Sekunden schneller als der damalige Rekordinhaber Haile Gebrselassie aus Äthiopien. Doch weil die Strecke in Boston nicht den vom Weltverband IAAF geforderten Kriterien entsprach (unter anderem war das Gefälle zu stark), wurde der Rekord nicht anerkannt.

Jetzt kann Mutai Verpasstes nachholen. Der 30-Jährige wurde als Topathlet für den Berlin-Marathon am 30. September verpflichtet. "Wir freuen uns, dass es geklappt hat", sagt Renndirektor Mark Milde von der veranstaltenden SCC Events GmbH. "Er zählt zu den besten Marathonläufern der Welt und will dies auf der schnellen Berliner Strecke einmal mehr beweisen."

Der 30-Jährige wird versuchen, den bestehenden Weltrekord seines Landsmannes Patrick Makau anzugreifen, der 2011 in Berlin 2:03:38 Stunden lief. Für Mutai ist Berlin kein unbekanntes Terrain, bei Dauerregen kam er 2010 knapp geschlagen als Zweiter ins Ziel. "Ich kenne ja bereits die Berliner Strecke und weiß, dass man hier sehr schnell laufen kann", sagt Mutai. "Wenn dann noch das Wetter stimmt, steht einer schnellen Zeit nichts im Wege."

Die Verpflichtung der Spitzenläufer ist im Olympiajahr recht schwierig, weil viele Asse für ihr Land in London an den Start gehen. Immer wieder umstritten ist allerdings in Kenia die Nominierung. So auch diesmal: Überraschenderweise bekamen sowohl Mutai als auch Makau kein Olympia-Ticket.

Beide Spitzenläufer reagierten sauer - und nehmen nun an Herbst-Klassikern teil. Mutai eben in Berlin, wo alle Startplätze für die "normalen" Läufer bereits seit Anfang Dezember 2011 - so früh wie nie zuvor - vergeben sind. Der Boom beim Berlin-Marathon ist ungebrochen.