Sommerspiele

McCartney, Bond und die Queen zum Olympia-Auftakt

Bei der Eröffnung der Spiele in London wird's ländlich

- Diesmal ist alles anders. Fast. Im Gegensatz zu den meisten Eröffnungsfeiern Olympischer Spiele in der Vergangenheit macht die Organisation von "London 2012" kein Geheimnis daraus, wie die Sommerspiele am 27. Juli eröffnet werden. Keine Geheimniskrämerei, wenige Gerüchte - viele Details sind bekannt. Die Vorab-Reaktionen reichen von Kopfschütteln bis zustimmendem Nicken. Gespannt ist dennoch jeder.

Fest steht, dass Queen Elisabeth II die Spiele eröffnen wird. Klar ist auch, dass aus dem Innenraum der Arena im Londoner Osten eine ländliche britische Idylle mit Wiesen, Feldern, Flüsschen, echten Kühen, Schafen und Pferden wird, wenn um 21 Uhr Ortszeit eine 27 Tonnen schwere Glocke den Olympia-Auftakt einläutet. Angefertigt in der 442 Jahre alten "Whitechapel" Glockengießerei, aus der auch das Geläut für Londons Big Ben und die amerikanische Freiheitsglocke stammen, steht die Eröffnungsfeier damit vom Start weg unter der Maxime, das traditionelle und das aktuelle Großbritannien zu zeigen. Da darf Shakespeare natürlich auch nicht fehlen: Die Glocke ziert eine Inschrift aus seinem Stück "Der Sturm".

"Es ist wunderbar, dass wir unsere Spiele mit einem Symbol des Friedens eröffnen können, dem Läuten einer Glocke", sagt Danny Boyle. Der künstlerische Direktor der Eröffnungsfeier probt seit Monaten mit 10.000 Freiwilligen. Schließlich soll vor den 60.000 Zuschauern im Olympiastadion und dem auf eine Milliarde Menschen geschätzten Fernsehpublikum auch ja nichts schief gehen.

Rocker, Schöne und Reiche

Die heimelige englische Hügellandschaft ist dem Landstrich Glastonbury im Südwesten nachempfunden. Boyle will an der einen Seite des Innenraumes einen sogenannten Moshpit anlegen und in diesem bühnennahen Freiraum, frei übersetzt die "Rockergrube", Musikfans abrocken lassen. Gegenüber gibt es einen "Poshpit", die Grube für die Schönen und Reichen, die sich zu den Klängen der "Last Night of the Proms" hin und her wiegen.

Rund um die Wiesenszene werden sich beim Einmarsch der Nationen die 10.500 Athleten positionieren. Eine "Reflektion eines Teil unseres Erbes" solle die Eröffnungsfeier werden, erklärt der Regisseur. Die Show mit ihren 3.000 Requisiten und 23.000 Kostümen soll zurückblicken und zugleich die Aussicht auf ein modernes Großbritannien präsentieren.

Durchgesickert ist zudem, dass Ex-Beatle Paul McCartney die Eröffnung beenden wird. Und auch James Bond wird keineswegs durch Abwesenheit glänzen: Im Buckingham Palast durfte eigens für Olympia eine Filmszene mit Schauspieler Daniel Craig gedreht werden.

Wie zuletzt vor gut zwei Jahren in Vancouver bleibt das Rätsel, wer das Olympische Feuer entzünden darf, ungelöst. Weil sich die Olympia-Planer ganz traditionell, mithin "very british", in Schweigen hüllen, schießen die Spekulationen ins Kraut. Wird Fußballstar David Beckham, Ruder-Ikone Steve Redgrave oder Prince William die Ehre zuteil? Macht gar ein gewisser Roger Bannister das Rennen, der heute 83-jährige Leichtathletik-Veteran, der 1954 als erster die Meile (1,6 Kilometer) unter vier Minuten lief?

Wer auch immer - und vor allem wie - das Olympische Feuer entfacht: Um kurz vor Mitternacht muss das Geheimnis spätestens gelüftet sein. Länger als drei Stunden darf die Eröffnungsfeier auch in London nicht dauern. Das Internationale Olympische Komitee will es so. Auch das steht fest.