Stadionkapazität

Union lässt sich in die Ecke drängen

Sollte der Run auf Tickets anhalten, ist eine Erweiterung der Stadionkapazität möglich. Alle 8000 Dauerkarten verkauft

- Wer sich derzeit das Stadion an der Alten Försterei anschauen will, der wird enttäuscht werden. Beim Zugang von der Straße an der Wuhlheide wird man von zwei freundlichen Bauhelfern gestoppt. Und wer den Weg über die Hämmerlingstraße gewählt hat, kommt auch nur bis zu den Trainingsplätzen hinter dem Stadion, auf denen Coach Uwe Neuhaus gerade seine Mannschaft für den Start der Zweiten Liga am ersten August-Wochenende kräftig auf Vordermann bringt. Die Bauarbeiten am Fundament der neuen Haupttribüne lassen momentan aus Sicherheitsgründen keinen Besucher näher an die Spielstätte des Köpenicker Klubs heran.

Bis zum Winter soll das vierstöckige Gebäude fertig sein. Auf einer Länge von 100,5 Metern und einer Höhe von 23,50 Metern wird sich dann bereits jeder ein erstes Bild davon machen können, wie die fertige Alte Försterei mit Beginn der Spielzeit 2013/14 aussehen wird. An einen Verzug denkt bei Union jedenfalls momentan niemand. "Ich glaube sogar, dass wir eher fertig werden, wenn wir uns auf uns selbst verlassen", ist sich Union-Präsident Dirk Zingler sicher. Da in der Tat nur Union nahe stehende Unternehmen mit dem Bau beschäftigt sind und dadurch jeder ein gesteigertes Interesse hat, dass die Tribüne rechtzeitig fertig wird, kann der ehrgeizige Plan auch durchaus Realität werden.

Zu sehen sein wird dann ein Bau, der an den Seiten nicht mit den Stehplatztraversen durch Kurvenblöcke verbunden ist. Wie bei seinen Vorgängern wird der Tribünenneubau völlig eigenständig stehen. "Unser Stadion hat immer so ausgesehen", hatte Dirk Thieme, der Vorstandsvorsitzende der Stadionbetriebs AG, erklärt: "Wir wollten den ursprünglichen Charakter bewahren."

Dies ist zumindest der Plan, der derzeit in die Tat umgesetzt wird. Doch die Planung geht schon viel weiter. Es ist mitnichten so, dass Union die Ecken auch in Zukunft auf Biegen und Brechen offen lassen will. Oder wie es Dirk Thieme zuletzt formulierte: "Wenn wir das Gefühl bekommen, dass wir dort etwas tun müssten, werden wir überlegen."

Klubchef Zingler wurde auf die Frage, ob sich Union also einen weiteren Ausbau nicht doch vorstellen könnte, ein wenig konkreter. "Nach Fertigstellung werden wir eine Stadionkapazität von knapp 22.000 Plätzen haben. Diese immer zu füllen, müssen wir erst einmal schaffen. Aber wenn wir zwei, drei Jahre lang immer wieder ausverkauft sein sollten, werden wir die Pläne herausholen, die Herr Thieme in seiner Schublade hat." Mit anderen Worten: Die Überlegungen, das Stadion - nennen wir es - zu komplettieren, sind folglich schon jetzt mehr als nur vorhanden. Vielleicht auch deshalb spricht Zingler dabei von einem "angenehmen Problem", das es dann zu lösen gilt.

Geht die Entwicklung der Zuschauerzahlen weiter so rasant voran, dann wird dieses Problem sehr schnell auf die Verantwortlichen zukommen. Schon in der vergangenen Saison begrüßte Union im Durchschnitt über 16.100 Zuschauer zu jedem Heimspiel, die Stadionauslastung betrug 88 Prozent, fünfmal war das Stadion ausverkauft. Und mit 8000 verkauften Dauerkarten - gestern gingen die letzten 100 Tickets über den Ladentisch - ist die Alte Försterei schon jetzt zur Hälfte gefüllt, bei jedem Spiel. Wegen des Tribünenbaus stehen insgesamt nur rund 16.000 Plätze zur Verfügung, weshalb Union auch erstmals eine Grenze für Dauerkarten gesetzt hat.

Die Gründe für den Run auf Union-Saisontickets sind unterschiedlich. Klubsprecher Christian Arbeit glaubt, "dass viele Fans wegen der geringeren Kapazität einfach Sorge hatten, dass sie für bestimmte Spiele keine Tickets an den Tageskassen mehr bekommen". Für Uwe Neuhaus ist auch das sportliche Abschneiden in der vergangenen Saison ein Faktor. "Platz sieben, die Baustelle - das trägt alles dazu bei, dass die Masse euphorisch ist, schon jetzt Spaß auf Fußball hat und sich ein Ticket sichern will."

Dass sich der 1. FC Union die Option offen hält, um auch die letzten beiden Kurven im Stadion in Zukunft noch mit Fans zu füllen, ist folglich nachvollziehbar. Und niemand sollte dann enttäuscht sein, wenn das "Lebensgefühl Union" (Zingler) dann noch mehr Anhängern vermittelt werden kann.