Kommentar

Den Fußball in der Mitte zerteilt

Lars Wallrodt über eine halbherzige Entscheidung

Die Fifa ist ein wahrhaft magischer Verein. Der Weltfußballverband versteht sich wie sonst kaum jemand auf Worthexerei. Gerade haben die Hüter des Balls wieder eine Kostprobe ihres Könnens gegeben. Ein "Entweder-Oder" hat Präsident Sepp Blatter in seinen Zylinder geworden, zweimal seinen Zauberstab darüber kreisen lassen, und herausgekommen ist ein "Sowohl-als-auch-aber-das-nur-manchmal". Applaus!

Eigentlich wollte die Regelkommission der Fifa ja entscheiden, ob die Torlinientechnologie eingeführt wird oder nicht. Und wenn ja, ob es einen Zauber-Chip im Ball sein soll oder ein magisches Auge, das den Schiedsrichter ab sofort entmündigt. Herausgekommen ist ein Kompromiss, dem an Halbherzigkeit und Zauderei kaum beizukommen ist.

Ja, es wird zukünftig technische Hilfen für die Unparteiischen geben. Nein, sie werden nicht flächendeckend eingeführt, jedenfalls vorerst nicht, sondern bei der Klub-WM, dem Confed-Cup 2013 und der WM 2014 getestet. Und, nein, die hohen Herren haben sich nicht für eine der beiden Technologien entschieden, sondern einfach beide genommen.

Damit hat die Fifa den Fußball in der Mitte zerteilt. Bei ausgewählten Premium-Events gelten ab sofort andere Maßstäbe als in der Bundesliga oder der Champions League. Wenn die Technik so nachweislich fehlerfrei ist, hat sie diesen Start nicht verdient.