Kachunga sorgt bei Hertha für gute Laune

Im Stürmerroulette des Zweitligisten hat der Zugang aus Mönchengladbach die Nase vorn

- Der Trainer hat gute Laune. Mit einem Lächeln erfüllt Jos Luhukay derzeit jeden Fotowunsch, mit Geduld und Ausdauer. Wenn der Coach von Hertha BSC die Szenerie verlässt, grüßt er freundlich mit einem "Bis die Tage" in die Runde. Ein Verhalten, das als Ausdruck des Entspanntseins angesehen werden darf. Nicht dass beim Bundesliga-Absteiger nach eineinhalb Wochen Vorbereitung auf die Zweitliga-Saison schon alles Gold ist, was glänzt. Doch der Eindruck, den die Herthaner im zweiten Testspiel gegen den FC Midtjylland (2:1) hinterlassen haben, zeigt: Luhukays Mannschaft befindet sich auf dem richtigen Weg.

Wenige Meter von Luhukay entfernt steht Elias Kachunga. Und man mag es als Zufall bezeichnen, dass der 20-Jährige ein ähnlich entspanntes Verhalten an den Tag legt wie sein Übungsleiter. Immer wieder huscht auch dem Profi ein Lächeln über das Gesicht. "Ja, das war ein Supertest für mich", sagt Kachunga. Ein kurzer Blick zu Boden, dann der kleine, aber doch wichtige Nachsatz: "Aber man darf nicht vergessen, wir sind alle erst in der zweiten Woche. Da kann noch nicht alles klappen." Die Worte des zweifachen Torschützen gegen den Dritten der dänischen Meisterschaft klingen weit weniger wie eine Drohung, dafür viel mehr wie ein Versprechen. An sich selbst, an den Trainer und an die Fans.

Auf Leihbasis ist Kachunga von Borussia Mönchengladbach nach Berlin gekommen. Und schon jetzt wird deutlich, dass er nicht unwesentlich zum derzeitigen Gemütszustand seines Trainers beigetragen hat. Schnell, wachsam und torgefährlich - so präsentierte er sich in den 90 Testminuten gegen Midtjylland. "Man sieht, dass er Verantwortung übernimmt, trotz seines ja noch jungen Alters. Und er war ein ständiger Unruheherd", sagte Luhukay. Genau solche Spieler sind notwendig, soll wie schon 2011 am Saisonende der direkte Wiederaufstieg gelingen. Akteure mit Präsenz auf dem Platz, die sich in den wichtigen Momenten etwas zutrauen. So wie Kachunga, der bei seinem zweiten Treffer gegen die Dänen zunächst im Strafraum gefoult wurde und dann den fälligen Strafstoß auch noch selbst verwandelte. Das für ein Testspiel doch relativ harte Einsteigen gegen ihn nimmt der Offensivmann sogar gelassen hin. "In der Zweiten Liga wird es doch dann genau so auf die Knochen geben", signalisiert Kachunga schon jetzt Kampfbereitschaft.

Keine Frage: Während Adrian Ramos wegen seines Trainingsstarts erst am Montag zwangsläufig noch Rückstand hat und Marco Djuricin zwar viel Engagement zeigt, jedoch oft noch zu unglücklich agiert, darf sich Elias Kachunga als lachender Dritter fühlen. Dies bestätigt auch der Trainer, wenn auch nur indirekt. "Marco hätte in einigen Situationen Elias noch besser anspielen müssen. Einige Male war er noch zu zögerlich", erklärte Luhukay. Außerdem hätte Djuricin schon am vergangenen Freitag beim 3:0 im ersten Test gegen den Berliner SC "drei, vier oder fünf Tore machen müssen", so der Coach. In diesem Punkt nimmt Kachunga seinen derzeitigen Sturmpartner sogar in Schutz. "Wir müssen uns ja auch erst noch aneinander gewöhnen. Doch man merkt schon, dass es von Training zu Training immer besser läuft und die Laufwege auch immer besser werden."

Geht es nach Luhukay, dann wird Elias Kachunga demnächst noch mehr Chancen bekommen, um vor des Gegners Tor zu vollenden. "Wenn wir uns zutrauen, offensiver zu verteidigen, dann werden wir merken, dass mehr möglich ist", erklärte der Hertha-Trainer. Bei zügigerem Umschalten auf Offensive können sich die Berliner Kachungas Schnelligkeit dann zu Nutze machen. Bereits am Dienstag bietet sich im dritten Test gegen Oberligist Viktoria 89 (18 Uhr, Bosestraße) die nächste Gelegenheit dazu. Sollte Elias Kachunga ("Jeder Sieg gibt wieder ein wenig mehr Selbstvertrauen") erneut überzeugen und vielleicht auch wieder treffen - die gute Laune seines Trainers dürfte dann sogar noch zunehmen.