Schwimmen

Phelps meidet bei Olympia das Duell der Giganten

Sieben Goldchancen, aber kein Start über 200 m Freistil

Es wäre ungerecht, Michael Phelps zu unterstellen, er würde kneifen. Schließlich muss er keinem mehr etwas beweisen - seine 14 olympischen Goldmedaillen sind kaum zu toppen, außer von ihm selbst. Und doch bleibt festzustellen: Der erfolgreichste Schwimmer der Historie geht der größten Herausforderung, die ihn bei den Spielen im Sommer in London erwartet hätte, aus dem Weg. Das Rennen der Giganten über 200 Meter Freistil findet ohne ihn, den Gigantischsten, statt. Ein Rennen der Superlative bleibt es.

Die erste Olympia-Enttäuschung ist aber perfekt, noch bevor die Spiele in London am 27. Juli eröffnet werden. Denn die 200 Meter Freistil der Männer sind das Rennen, auf das zumindest die Schwimmwelt seit Monaten hinfiebert. Stellvertretend für Phelps spielte sein Trainer Bob Bowman am Ende der amerikanischen Olympia-Ausscheidungsrennen in Omaha/Nebraska den Buhmann und verkündete die Nachricht via Twitter. Damit wird es in London auch kein Einzelrennen geben, in dem der 14-malige Olympiasieger Phelps auf den deutschen Topschwimmer Paul Biedermann trifft.

Der Superstar aus den USA verzichtet nicht nur darauf, seinen Sieg von 2008 auf dieser Strecke zu wiederholen, sondern auch auf einen möglichen Achtfach-Triumph wie damals in Peking. "Ich glaube, das ist einfach cleverer. So habe ich die größte Chance, gut zu schwimmen", begründete Phelps in der Zeitung "Baltimore Sun", und sein Coach sagte: "Diese Änderung wird es ihm ermöglichen, mehr Energie auf die Staffeln zu verwenden." Denn vom Viel- zum Wenigstarter wird Phelps keinesfalls mutieren. Mit sieben Starts (100 und 200 Meter Schmetterling, 200 und 400 Meter Lagen sowie drei Staffeln) bleibt sein Programm kräftezehrend. Ähnlich oft und chancenreich werden nur seine Teamkollegen Ryan Lochte und Teeniestar Melissa Franklin (17) antreten.

Gewiss, Staffeln haben bei Olympischen Spielen eine besondere Faszination und da ist es unpassend für Phelps, dass der Endlauf über 4x100 Meter Freistil ebenso wie die Vorläufe und Halbfinals über 200 Meter Freistil am 29. Juli ausgetragen wird. Zumal der 27-Jährige alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt. Dennoch: Kein Finale wird dieses Mal höher gehandelt als jenes über 200 Meter Freistil. Ein Sieg in diesem Jahrhundertrennen wäre Phelps' endgültige Krönung gewesen. Gleichzeitig jedoch hätte Phelps sich über die 200 Meter Freistil der Gefahr ausgesetzt, eine Medaille zu verpassen.

Da wäre Ryan Lochte, Phelps Rivale um die Vorherrschaft im Schwimmen und Weltmeister über 200 Meter Freistil. Dann Weltrekordhalter Paul Biedermann. Das französische Supertalent Yannick Agnel, der die schnellsten Zeiten des Jahres schwamm. Nicht zu vergessen 400-Meter-Weltmeister und Olympiasieger Park Tae-Hwan (Südkorea) und Chinas 20 Jahre alter Shootingstar Sun Yang. Bowman müht sich deshalb klarzustellen: "Michael könnte dieses Rennen gewinnen, aber wir haben gesehen, wie müde er nach seinem harten Trials-Programm war. Und wir versuchen, sicherzustellen, dass er für die Staffeln da ist." Immerhin besteht die Chance, dass sich Biedermann und Phelps hier als Startschwimmer duellieren.