Handball

Ein Tier für die Füchse

Handballteam verpflichtet norwegischen Abwehrrecken Lund. Bei den Rhein-Neckar Löwen fühlte er sich nicht mehr wohl

- Jetzt kann Bob Hanning beruhigt am Donnerstag seine geplante Atlantik-Schiffsreise antreten. Den Urlaub hat sich der Geschäftsführer der Handball-Füchse sicher verdient. Denn kurz vor seinem Erholungstrip hat er noch den letzten Pflock für die kommende Saison eingerammt. Gestern gab der Bundesligist und Champions-League-Teilnehmer die Verpflichtung des norwegischen Nationalspielers Börge Lund bekannt. Der 33-Jährige wechselt von den Rhein-Neckar Löwen nach Berlin, wo er einen Zweijahresvertrag unterschrieb.

Der namhafte Norweger, der bisher knapp 200 Spiele für sein Land bestritt, soll vor allem in der Abwehr und auf der Spielmacherposition für Entlastung sorgen. "Er ist körperlich ein Tier", so Hannings griffige Beschreibung des 1,96 Meter großen und 94 Kilogramm schweren Zugangs. "Er kann vor allem sehr gut in der Abwehr spielen, das war uns wichtig, damit wir Alternativen haben, wenn sich wirklich mal jemand verletzt." In der vergangenen Saison wurden die Füchse, von Alexander Petersson einmal abgesehen, von schwerwiegenden Verletzungen verschont. Zudem sei der Neue "ein klassischer Spielmacher, aber er kann auch auf der halblinken Rückraumposition eingesetzt werden".

"Uns ist noch einmal ein Coup gelungen", freut sich Hanning. Er sieht sich bestätigt in seiner Meinung: "Nach Kiel sind wir in Deutschland die interessanteste Adresse geworden." Schließlich sind die Berliner nun zum zweiten Mal hintereinander in der kommenden Spielzeit in der Champions League dabei, nachdem sie es in der Saison 2011/2012 sogar bis ins Final Four geschafft hatten. Dieser schier unglaubliche Durchmarsch innerhalb kurzer Zeit hat auch Lund verwundert: "Diese Entwicklung ist nicht normal. Es dauert normalerweise länger, eine solche Mannschaft zu formen." Aber man sehe, "wie weit man mit guter Arbeit kommen kann und dass es nicht immer nur um den höchsten Etat geht."

Lund hat der Weg der Füchse - und sicher auch deren Angebot - jedenfalls so imponiert, dass er sich zum Wechsel nach Berlin entschloss. "Ich möchte in erster Linie dabei helfen, dass sich die Mannschaft und die Füchse weiterentwickeln." Sein Traum werde immer sein, "um einen Titel mitzuspielen".

Seit 2006 spielt Lund in der Bundesliga, war erst in Nordhorn, dann drei Jahre lang beim THW Kiel. Dort gewann er dreimal den nationalen Titel, einmal den DHB-Pokal und einmal die Champions League. Zuletzt stand er zwei Jahre lang für die Löwen auf dem Parkett.

Eigentlich lief der Vertrag des Norwegers dort noch bis zum Sommer 2013. "Er hat sich offenbar nicht mehr wohl gefühlt", berichtet Hanning. Zum einen hat bei den in Mannheim beheimateten Löwen ein Großreinemachen begonnen. Nach dem Verpassen der Champions League wird ein neues Team gebaut. In dem ja auch künftig Ex-Fuchs Petersson stehen wird. Zum anderen sind die finanziellen Möglichkeiten geringer geworden nach dem Abgang von Mäzen Jesper Nielsen, der sich in Zukunft schwerpunktmäßig bei AB Kopenhagen engagieren wird.

Ein zweiter Faktor könnte aber auch eine Rolle gespielt haben. So lassen sich jedenfalls Lunds Worte interpretieren: "Ich sehe in Berlin eine Mannschaft, wo die Rollen klar definiert sind, dadurch ist es auch eine Mannschaft mit Sicherheit. Es ist ein Team mit vielen Weltklassespielern, aber ohne Stars, die sich wichtiger nehmen als die Mannschaft." Was bei den Löwen mit ihren vielen Häuptlingen wohl eher nicht der Fall war.

Bei den Berlinern sind nun die Personalplanungen beendet. Am 17. Juli fliegt Trainer Dagur Sigurdsson mit dem Kader ins Trainingslager in seine isländische Heimat. Dabei ist der erste spektakuläre Zugang Konstantin Igropulo (vom FC Barcelona) - und nun auch Börge Lund. Saisonstart ist am 26. August gegen Minden.