Pferdesport

Beerbaum verpasst den Sprung nach London

Springreiter schreibt nach schwachem CHIO-Start siebte Olympiateilnahme ab. Sonderfall Totilas

Präsenz zeigen ist nie verkehrt. Auch im Krankheitsfall. Zwar muss Matthias Alexander Rath derzeit in Kronberg das Bett hüten und hat daher auch seinen Start mit Ausnahmehengst Totilas beim CHIO in Aachen absagen müssen, dennoch können die Anhänger beim Weltfest des Pferdesports Devotionalien des edlen Rappen erwerben. Es gibt wie im Vorjahr einen Verkaufsstand nur für Totilas-Produkte, und das Sortiment hält ein paar Schnäppchen bereit. So gab es am Dienstag 40 Prozent Rabatt auf das Polo-Shirt für Herren, und auf seiner Facebook-Seite verspricht der Hengst höchstselbst, dass es während des CHIO Tag für Tag neue Preisnachlässe geben wird.

Mit einem rauschenden Fest wurde am Dienstag der Concours Hippique International Officiel, kurz CHIO, in der Aachener Soers eröffnet. Dabei rissen die 200 Samba-Tänzer mit ihren bunten karnevalistischen Kostümen aus der Partner-Stadt Rio de Janeiro die Zuschauer mit. Dem feierlichen Auftakt folgt bis zum Sonntag großer Sport. Der CHIO ist für Reiter und Pferde die Generalprobe für die Olympischen Spiele (ab 27. Juli), nach der letzten Sichtung werden am Wochenende die Tickets für London in den drei Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit vergeben.

Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum brach die Qualifikation für London aber schon gestern ab. 15 Strafpunkte mit Gotha im Eröffnungsspringen zeigten dem Routinier an, dass seine Stute nicht in der nötigen Verfassung ist. "Damit ist für mich auch klar, dass ich nicht mehr für die Teilnahme an den Olympischen Spielen zur Verfügung stehe", sagte der erfolgreichste Springreiter der vergangenen 20 Jahre.

Beerbaum will Gotha nun beim CHIO nur noch in kleineren Springen einsetzen, ein zweites Toppferd für Olympia hat er nicht. Für Beerbaum wäre es die siebte Olympia-Teilnahme gewesen. Vor dem 48-jährigen Riesenbecker hatte schon Mannschaftsweltmeister Carsten-Otto Nagel freiwillig auf London verzichtet, da seine Stute Corradina nach einer Zahnerkrankung nicht rechtzeitig fit wurde. "Das ist sehr bitter für uns und eine klare Schwächung", sagte Bundestrainer Otto Becker.

Sorgen plagt die deutschen Reiter auch im Dressurlager, obwohl Totilas richtig gut in Form ist. Das teuerste Dressurpferd der Welt hat sich nach einer völlig verkorksten Wintersaison mit erstklassigen Leistungen im Frühjahr zurückgemeldet. Dann aber erkrankte Matthias Alexander Rath Mitte Juni am Pfeifferschen Drüsenfieber. Der CHIO findet ohne das Duo statt, sein Start in London gerät mehr und mehr in Gefahr.

"Für den Jungen, die Mannschaft und für den Verband wäre es sehr schade, wenn es nicht klappen würde", sagt Reiter-Präsident Breido Graf zu Rantzau. "Wir hoffen bis zuletzt, dass es Matthias noch schafft." Der Vorsitzende des Dressurausschusses, Klaus Roeser, sagt gar: "Das Fehlen des Paares in London wäre eine Katastrophe." Am Freitag nun reist Roeser mit Bundestrainer Jonny Hilberath sowie einem Mediziner nach Kronberg, wo sie Rath und Totilas final sichten wollen. "Wir wollen uns einen Eindruck machen, wie fit er dann ist", sagt Roeser. Die Entscheidung über die vier Olympia-Paare soll am Sonntag nach den letzten Ritten in Aachen fallen.

Bei der Nominierung werden Reiter und Verbandsobere ganz genau hinschauen, denn sie birgt eine gewisse Brisanz. Immerhin werden die Paare vom Dressurausschuss bestimmt, und dem Gremium gehören zwei Männer an, die wirtschaftlich sehr eng mit Totilas-Besitzer Paul Schockemöhle verbunden sind. So ist der Vorsitzende Roeser bei Schockemöhle als Geschäftsführer angestellt, Ullrich Kasselmann ist ein Geschäftspartner Schockemöhles in Sachen Pferdehandel. Bundestrainer Hilberath ist sich aber sicher, dass am Ende eine objektive Entscheidung getroffen wird. "Man ist sich der Problematik bewusst, deshalb wird man darauf achten, sachlich zu sein."