Xavi

Die Rückkehr der kongenialen Zauberflöhe vom FC Barcelona

Im Finale ist Routinier Xavi mit seinen Pässen der entscheidende Mann

- Andres Iniesta ist ein schmächtiger Mann, und dennoch konnte es einem in den vergangenen drei Wochen der Europameisterschaft so vorkommen, als stemme der 1,69 Meter kleine Mittelfeldspieler den gesamten spanischen Erfolgsdruck allein auf seinen schmalen Schultern. Denn der 28-Jährige schien lange Zeit der einzige im Team des Welt- und Europameisters zu sein, der seine glänzende Form der WM vor zwei Jahren konservieren konnte. Müde wirkte der Rest seiner Kollegen in der "Seleccion" in der wenig glanzvollen Gruppenphase des Turniers. Besonders an einem Mann manifestierte sich das spanische Phlegma: an Xavi, Iniestas kongenialem Partner aus dem Maschinenraum des FC Barcelona.

Der 32-Jährige wirkte über weite Strecken müde und überspielt, sodass ihn sein Trainer Vicente del Bosque im engen Halbfinale gegen Portugal sogar noch vor der Verlängerung ausgewechselt hatte.

Nach seinem furiosen Auftritt beim 4:0-Finalsieg gegen bisweilen überforderte Italiener muss dieses Urteil allerdings revidiert werden. Gegen die Squadra Azzurra gelang Xavi, was man ihm in diesem Turnier und nach einer durchwachsenen Saison mit den Katalanen kaum noch zugetraut hatte: Er fand zu alter Stärke zurück.

An der Seite seines Kumpels Iniesta sezierte der Spielmacher die bis dato so sicheren italienischen Abwehrreihen. So bereitete er das 2:0 von Jordi Alba vor mit einem dieser typischen, messerscharfen Xavi-Pässe durch drei Gegenspieler hindurch und legte auch das dritte Tor von Fernando Torres so liebevoll auf, dass dieser nur noch einzuschieben brauchte. Und auch Andres Iniesta stand seinem Kollegen in nichts nach und leitete das befreiende 1:0 von David Silva mit einem ebenso genialen Pass in die Schnittstelle der italienischen Viererkette ein. Wenn es vor dem EM-Finale selbst in Spanien vereinzelt leichte Zweifel an der immer noch bestehenden Überlegenheit des filigranen Kurzpassstils "Tika-Taka" gegeben haben sollte, so erbrachte das Duett der spanischen Zauberflöhe Xavi (ebenfalls nur 1,69 Meter groß) und Iniesta an diesem lauen Sommerabend in Kiew den Gegenbeweis.

Nach dem erneuten EM-Triumph sind Xavi und Andres Iniesta nun das erfolgreichste Mittelfeld-Duo im Weltfußball überhaupt: Gemeinsam gewannen sie fünf spanische Meisterschaften und drei Champions-League-Titel mit Barcelona sowie einen Welt- und nunmehr zwei Europameistertitel mit der Nationalelf.