Anpfiff

Zamperonis Lächeln

Sven Flohr über ein wenig mehr Gelassenheit

Schon Charles Dickens wusste, dass gute Laune auf die Menschen übertragbar ist. "Nichts in der Welt ist so ansteckend wie Gelächter und gute Laune", stellte der große englische Schriftsteller einst fest. Tatsächlich neigt unser Gehirn dazu, positive Emotionen nachzuahmen. Das fanden britische Neurologen in einer Studie heraus. Allein das Geräusch eines Gelächters löse in der Großhirnrinde den Reflex aus, das Gegenüber aufs Mitlachen zumindest vorzubereiten.

Die Antithese zu den Ergebnissen der Engländer wurde am Donnerstagabend in der Halbzeitpause des Spiels zwischen Deutschland und Italien geliefert. Die ARD setzte einen interessanten Sprecher für die Nachrichtensendung ein: Ingo Zamperoni, Vorname und Mutter aus Deutschland, Nachname und Vater aus Bella Italia. "Möge der Bessere gewinnen", gab Zamperoni den Zuschauern am Ende der Sendung in beiden Sprachen mit auf den Weg - da stand es aber bereits 2:0 für Italien. Zamperoni lächelte bei diesen Sätzen ein Lächeln, das vor den Bildschirmen wiederum kein Lächeln erzeugte. Etliche Zuseher vermuteten vielmehr einen glasklaren Italien-Fan, der sich über das von Balotelli gebeutelte deutsche Fußballvolk lustig mache. Die ARD-Chefredaktion erhielt daraufhin nach eigenen Angaben "waschkörbeweise" erboste Reaktionen wie: "Das war eine Unverschämtheit, diesen Mann einzusetzen". Oder: "Man sollte Zamperoni bitteschön ermahnen, dass er im deutschen Fernsehen tätig ist."

Die ARD stellte sich hinter ihren Nachrichtenmann. Richtig so. Den Kritikern wollen wir den emotionalen Zeitpunkt zugutehalten. Ihnen sei geraten: Einfach mal zurücklächeln.