Weltfußballer

Der Verhinderte geht wieder leer aus

Cristiano Ronaldo bleibt mit Portugal ein großer Sieg verwehrt

- Es sollte sein Meisterstück werden bei diesem Turnier, seine endgültige Krönung: Als fünfter und letzter Schütze Portugals für das Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Spanien hatte sich Cristiano Ronaldo eintragen lassen. Der abschließende Schuss ins Glück, sein finaler Jubel bei gleichzeitiger Trauer der benachbarten Titelverteidiger, diese Bilder sollten hängenbleiben vom ansonsten weitgehend wenig erinnerungswürdigen Halbfinale in Donezk.

Doch dann traf Mannschaftskollege Bruno Alves nur die Querlatte und Spaniens Cesc Fabregas mit etwas Glück zum Sieg der Spanier. Cristiano Ronaldo stand am Mittelkreis und starrte entgeistert auf die Jubeltraube in Rot. Dann stürmte er als Erster in die Katakomben. In Moment seiner größten Niederlage bei diesem Turnier blieb ihm nur die Rolle des Zuschauers, das machte dieses 2:4 im Elfmeterschießen (0:0 nach Verlängerung) besonders bitter für den bisher besten Spieler dieser EM. "Das ist nicht fair und immer frustrierend, auf eine solche Weise zu verlieren", sagte der 27-Jährige, als er seine Sprache wiedergefunden hatte: "Das ist Schicksal." Und das hatte es während der drei Wochen in Polen und der Ukraine nicht immer gut mit ihm gemeint.

Nach zwei enttäuschenden Auftritten zu Beginn gegen Deutschland und Dänemark war er in der Heimat schon zum Sündenbock für ein mögliches Scheitern in der Vorrunde gemacht worden. Dann bezwang er die Niederlande und Viertelfinalgegner Tschechien fast im Alleingang, und die Stimmung wendete sich. Nach der Niederlage gegen Spanien druckte die Sportzeitung "A Bola" ein riesiges Mannschaftsfoto und darunter in fetten Lettern: "Portugals Stolz." Dieser Meinung schien auch Trainer Paulo Bento zu sein. "Wir verlassen den Platz mit erhobenem Haupt", sagte er auf dem Weg zum Mannschaftsbus. Die 120 Minuten zuvor hatte sein Team, das extrem gut auf die Passkombinationen der Spanier eingestellt war, den Seriensiegern der vergangenen vier Jahre gut Paroli geboten. Anders als im WM-Achtelfinale 2010, als eine ängstliche portugiesische Elf sang- und klanglos 0:1 ausgeschieden war, kamen Ronaldo, Nani und Co. Iker Casillas, Spaniens Torwart, mehrmals gefährlich nahe. Zählbares sprang jedoch nicht dabei heraus.

Damit bleibt den Südeuropäern nicht nur das zweite EM-Finale nach 2004 verwehrt, sondern ihrem Kapitän wohl auch die Kür zum Weltfußballer. Es gab keine Gesprächsrunde im Teamquartier in Opalenica und erst recht keine Pressekonferenz in den EM-Stadien, die ohne die Frage nach dem "Ballon d'or" auskam, der goldenen Kugel für den besten Spieler des Planeten. Sein ewiges Duell mit Barcelonas Lionel Messi, der in den vergangenen drei Jahren triumphiert hatte, überstrahlte diese EM - obwohl der Argentinier Messi gar nicht mitspielte. Alle Teamkollegen antworteten pflichtschuldig: "Für mich ist Cristiano Ronaldo der Beste von allen." Und Ronaldo selbst sagte wenig bescheiden: "Ich bin in einer sehr guten Position, Weltfußballer zu werden." Allein: Diese Position hat sich seit der schwülen Nacht von Donezk nicht verbessert.

60 Tore in 55 Pflichtspielen für Real Madrid sowie der Gewinn der Meisterschaft sind beeindruckende Marken. Für höchste Ehren braucht es jedoch mindestens einen großen Pokal. Und den haben weder Ronaldo noch Messi in diesem Jahr erbeuten können.