Nationalmannschaft

Löw will von einer Siegesparty noch nichts wissen

Bei Titelgewinn soll das Team am Brandenburger Tor feiern

- Joachim Löw will von Feier-Plänen bei einer möglichen Finalteilnahme der deutschen Nationalmannschaft vor dem EM-Halbfinale noch nichts wissen. "Bislang habe ich die Finger da nicht drin", sagte der Bundestrainer. Nur die Abteilung Organisation mit Manager Oliver Bierhoff an der Spitze arbeitet schon vor dem Spiel am Donnerstag gegen Italien am Programm des Teams nach der Rückkehr in die Heimat.

"Natürlich habe ich mich frühzeitig mit verschiedenen Optionen beschäftigt. Neben der favorisierten Fanmeile in Berlin gehören dazu auch der Römerberg in Frankfurt und die Commerzbank-Arena direkt neben der DFB-Zentrale", bestätigte Bierhoff und fuhr fort: "Ich bin überrascht von der aktuellen Diskussion. Wir haben noch keine Entscheidung getroffen." Bierhoff nannte in der "Sport Bild" ausdrücklich das Frankfurter Bundesligastadion als geeigneten Ort. "Ich finde, man kann sich auch bei den Fans bedanken und sich verabschieden, wenn wir das Finale erreichen und den Titel nicht holen sollten. Denn auch dann war die EM ein Erfolg." Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird sich die deutsche Mannschaft im Falle des Titelgewinns am 2. Juli auf der Fanmeile am Brandenburger Tor bedanken - und natürlich feiern lassen.

Einen Schritt nach dem anderen

Die Idee, in Frankfurt mit der Mannschaft zu feiern, war in Berlin auf wenig Gegenliebe gestoßen: "Wir haben auch schon mit dem DFB gesprochen und sind natürlich bereit, alle gewünschten Umbauten vorzunehmen", sagte auf Morgenpost-Anfrage Anja Marx, Sprecherin der Berliner Fanmeile. Nach der WM 2006 und der EM 2008 war die Party vor dem Brandenburger Tor sehr gut angekommen und hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Die hessische Bankenmetropole hätte als Sitz des DFB Pluspunkte gehabt. Außerdem wäre wohl klar, welcher Sponsor in der Arena alle Kosten übernehmen hätte...

Löw interessiert das alles nicht. Er habe den Manager "gebeten, mich damit nicht zu stören", sagte der DFB-Chefcoach deutlich: "Ich habe im ganzen Turnier immer gesagt, dass man nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen darf. Ich freue mich, wenn er mich Freitag anspricht und wir uns dann gemeinsam ein paar Gedanken machen", erklärte der auf den Sport konzentrierte Löw.

Laut Präsident Wolfgang Niersbach ist der DFB bereits mit abschließenden Planungen beschäftigt, falls Philipp Lahm und Co. das Finale von Kiew erreichen. Dann soll es nach der Rückkehr im Laufe des Montags in der Heimat eine große Party geben. "Ich kann vor den Fans nur den Hut ziehen und dankbar sein, dass der Fußball in der Bevölkerung solche Begeisterungsstürme auslöst. Dass ein ganzes Land gemeinsam feiert, das schafft nur der Fußball", sagte der 61-Jährige.

Türkei in der Favoritenrolle

Hoffnungen auf eine weitere Weltmeisterschaft oder Europameisterschaft in Deutschland kann DFB-Chef Niersbach den Fans auf absehbare Zeit nicht machen. "Die WM-Turniere sind vergeben bis 2022. Und für die EM 2020 gibt es die Türkei, die sich fünfmal beworben hat. Sie ist der absolute Favorit." Verändern könne sich die Situation, wenn Istanbul im kommenden Jahr den Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die Olympischen Spiele 2020 erhielte. Dann könne nicht noch die EM im selben Jahr in der Türkei stattfinden. Allerdings hätten auch "Länder wie Italien, Spanien oder England länger kein großes Turnier gehabt", gab Niersbach zu bedenken. Das nächste Fußball-Großereignis, die WM 2014, wird in Brasilien ausgetragen.