Nationalmannschaft

Es kann nur einen geben

Wer wird gegen Italien stürmen: Serie-A-Legionär Klose oder Bayern-Angreifer Gomez?

- Dieses verrückte Internet, zu allem muss es seinen Senf dazu geben. Nun also auch zur Stürmerdiskussion bei der deutschen Nationalmannschaft. Unter " www.gomezbutton.de" gibt es eine Seite, auf der nur ein großer roter Knopf zu sehen ist. Auf den sollen die Fans des Münchner Angreifers bei jedem Tor ihres Lieblings klicken, dann erklingt eine Frauenstimme, die zu billigem Discobeat "Mario Gomez, Mario Gomez" in den Äther jauchzt. Bereits zehntausend Facebook-Usern gefällt das.

Die Gegenprobe hat ergeben: Einen Klose-Button gibt es nicht im World Wide Web. Dafür aber beim Bundestrainer. Vor dem Viertelfinale gegen Griechenland hat Joachim Löw ihn gedrückt, und prompt sprintete, köpfte und ballerte Miroslav Klose los wie von der Kette gelassen. Eine Reaktion, die Löw erwartet hatte. Er hat den Klose-Knopf schließlich schon dutzende Male gedrückt - exakt 57 seiner 120 Länderspiele absolvierte der Angreifer von Lazio Rom unter dem amtierenden Bundestrainer.

Mario Gomez saß derweil auf der Bank und sah aus, als ob man ihm den Stecker rausgezogen hätte. Dreimal hatte er in den ersten beiden Partien getroffen und so der deutschen Mannschaft zwei Siege gesichert. Gegen Dänemark im letzten Vorrundenspiel blieb er torlos. "Ich gehe trotzdem davon aus, dass ich gegen Griechenland spiele", sagte er vorher. Damit lag Gomez falsch.

"Mario war etwas enttäuscht. Er hatte in diesem Moment zu 100 Prozent erwartet, dass er spielt. Aber er hat es akzeptiert, dass er nicht spielt", sagt Joachim Löw im Morgenpost-Interview. Er habe mit Klose einen "Kombinationsspieler" bringen wollen, das sei er "mehr noch als Gomez". Er orientiere sich daran, was für Spielertypen er hat und wie die zum Gegner passen. Namen sind Löw dabei egal. Schon jetzt überlegt er: "Welche Schwächen hat Italien? Und wer von uns kann die am besten ausnutzen?" Gomez? Klose? Mesut Özil hat es gut auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass Löw doch in einer wunderbaren Position sei: "Er hat zwei Weltklassestürmer. Das wünscht sich doch jeder Trainer."

Neben der fußballerischen Klasse gehört allerdings noch ein weiterer Faktor dazu: Klose und Gomez akzeptieren, dass nur einer von ihnen spielen kann. In der Vorrunde jubelte Klose tapfer mit, als Gomez traf, und sagte: "Er hat mich bei der EM 2008 und bei der WM 2010 von der Bank aus unterstützt. Jetzt versuche ich ihn zu unterstützen." Als Gomez dann im Viertelfinale seinen Platz räumen müsste, revanchierte er sich: "Zwischen Miro und mir gibt es keine Rivalität. Wir sind beide Topstürmer und wollen beide spielen." Und überhaupt, dass er gegen Griechenland auf der Bank gesessen habe, sei kein Rückschritt und auch kein Weltuntergang. Klose und Gomez pflegen einen betont harmonischen Umgang. "Ärger bei Auswechselungen ist bei uns nicht zu sehen", sagt Gomez. "Darauf können wir stolz sein." Und: "Bisher hat der Trainer alles richtig gemacht. Das Allerwichtigste ist, dass wir nach Kiew fahren und das Finale gewinnen."

Kleinigkeiten entscheiden

Vor dem Tor zum Endspiel am kommenden Sonntag allerdings stehen die Italiener, und das mit breiter Brust, nachdem sie England in einem furiosen Spiel im Elfmeterschießen aus dem EM-Turnier befördert haben. "Jetzt ist Deutschland dran", titelte die "Gazzetta dello Sport", und der "Corriere dello Sport" schrieb: "Deutschland, du musst jetzt Angst haben!" Miroslav Klose allerdings sah am Dienstag nicht so aus, als ob er die Blätter seiner Wahlheimat gelesen hätte. Von Angst war jedenfalls nichts zu spüren.

"Italien kann kommen, wir sind sehr gut vorbereitet", sagte er auf einer Pressekonferenz, "wenn wir zu unserem Spiel finden, sind wir schwer zu schlagen." Natürlich wurde er auch zum Zweikampf mit Gomez befragt: "Ich gehe davon aus, dass ich spiele. Jedenfalls bereite ich mich so vor", sagte er. Joachim Löw, merkte Klose noch an, habe großes Glück, den Stürmer aufstellen zu können, bei dem er das bessere Gefühl habe.

Es ist ja mittlerweile schon eine schier unendliche Geschichte zwischen den beiden Torjägern. Einst beim FC Bayern, nun nur noch in der Nationalmannschaft. Klose mit seinen 64 Toren in 120 Länderspielen. Nur noch vier Treffer fehlen ihm zum Rekord von Gerd Müller, den viele für uneinholbar hielten. Kloses Quote von 0,53 Toren pro Spiel jedenfalls ist äußerst beeindruckend. Doch die von Gomez ist auch nicht viel schlechter: 25 Tore in 56 Einsätze macht eine Quote von 0,47.

Es werden auch diesmal Kleinigkeiten den Ausschlag geben, wenn Löw sich irgendwann im Laufe des Mittwochs festlegen wird. Vielleicht ist es Kloses Erfahrung mit den Italienern, die ihm das entscheidende Plus beschert. Schließlich hat er ein Jahr mit Lazio Rom in der Serie A hinter sich, und mittlerweile spricht er respektabel Italienisch. Seine neuen Sprachkenntnisse will er wie all seine anderen Fähigkeiten natürlich voll in den Dienst der Mannschaft stellen: "Ich werde genau zuhören, was die auf dem Spielfeld so reden. Und es dann an meine Mitspieler weitertragen."