Marco Reus

Glanz-Premiere: Nicht schlecht, Herr Specht!

Marco Reus macht seinem Spitznamen alle Ehre

- Der neue deutsche Held ist ein brasilianischer Specht. "Woodyinho" nennt sich Marco Reus, in Anlehnung an den Vogel aus der US-Zeichentrickserie "Woody Woodpecker." Seine Kollegen von Borussia Mönchengladbach haben den 23-Jährigen auf die Idee zu dem Spitznamen gebracht, unter dem er auch beim Internetportal Twitter über sein Leben berichtet. Seine Frisur und seine Kopfbewegungen ähneln der des Vogels, und als Fan von Ronaldinho hat Reus vier Buchstaben rangehängt.

Seit Freitagabend ist Reus bekannter als Woodpecker. Im Viertelfinale gegen Griechenland (4:2) war er einer der besten Deutschen. Es war sein erstes Spiel bei einem großen Turnier, sein Treffer zum Endstand sein zweites Tor im siebten Länderspiel. Ein Schuss voller Entschlossenheit. Er drosch den Ball so hart unter die Latte, dass er einen Krampf in der Wade bekam. "Ist aber wieder alles gut", so Reus am Tag danach.

Seine Art begeistert Bundestrainer Joachim Löw: schlagfertig, humorvoll, selbstbewusst. In der Vorrunde kam Reus allerdings nicht zum Einsatz. Er, der Spieler dieser Bundesligasaison. "Ungewohnt" sei es auf der Ersatzbank gewesen.

Am Freitagmittag hatte ihm Löw gesagt, dass er spielt. Einer der größten Tage in seiner Karriere sei das gewesen, so Reus. Es war nicht nur das Tor, es war seine Interpretation des modernen deutschen Fußballs. Eine Bereicherung - und wohl derzeit auch der bessere Thomas Müller. Der Bayernprofi spielte sich bei der WM 2010 zum Jungstar, jetzt könnte Reus es ihm nachmachen.

Reus ist in der Nationalelf angekommen. Buchstäblich. Vor der EM musste er fünf Einladungen zu Länderspielen verletzt oder krank absagen. Im vergangenen Oktober war es endlich so weit, erster Einsatz gegen die Türkei. Debütanten müssen in der Nationalelf traditionell eine Rede halten. Reus war nach zwei Minuten fertig. "Ich war froh, als ich das hinter mir hatte. So etwas liegt mir nicht", erzählt er.

Vater Thomas und Mutter Manuela haben ihn und seine zwei älteren Schwestern in der Heimat Dortmund zu Bescheidenheit und Ehrgeiz erzogen, sie saßen gegen Griechenland auf der Tribüne.

Nach der EM geht es zurück zur Borussia, die Dortmunder haben ihn für rund 17 Millionen Euro gekauft. Reus steht für die neue Generation, eine Stärke ist die Vielseitigkeit. Löw kann ihn im Mittelfeld und Sturm einsetzen, gegen Griechenland tauschten Reus und Spielgestalter Mesut Özil immer wieder ihre Positionen. Der Bundestrainer erkennt aber auch Schwächen. Als Reus eine große Chance ausließ, tobte Löw an der Seitenlinie. "Ich habe das später im Fernsehen gesehen", sagte Reus. Er arbeite daran, sich zu verbessern, er sei ja jung. Bei der Weltmeisterschaft 2006 jubelte er Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger noch beim Public Viewing auf der Fanmeile in Dortmund zu. Jetzt sagt Reus: "Der EM-Titel geht nur über uns." Dieser fußballverrückte Specht hat Großes vor.