Anpfiff

Feines Gespür, Herr Löw!

Lars Wallrodt über Bauchgefühl und taktische Finesse

Reus, klar, der hatte großen Anteil am Sieg gegen die Griechen. Und natürlich Khedira, ohnehin der beste deutsche Spieler bei dieser EM. Ja, auch Klose und Lahm. Alle gut, alles prima. Sie haben das Geduldsspiel gegen die Mauer-Griechen entschieden mit ihren Toren, angetrieben von einem starken Özil. Doch der wahre Sieger des zweiten Viertelfinales heißt Joachim Löw. Nicht auf einer, nicht auf zwei oder drei - nein, gleich auf vier Positionen veränderte der Bundestrainer die Startformation des Dänemark-Spiels. Nach drei siegreichen Partien in der "Todesgruppe B" würfelte er das Team durcheinander. Da musste so mancher Experte erst einmal schlucken. "Ich hatte das Gefühl, dass heute der Tag der Veränderungen ist", sagte er anschließend und wirkte so cool, als ob er nur entschieden hätte, das weiße Hemd statt des blauen anzuziehen.

Löw hat ein sehr feines Gespür - für seine Mannschaft und den Gegner. Seine Entscheidungen entpuppten sich als richtig, weil gegen die defensiven Griechen so flinke und technisch versierte Spieler wie Reus und Schürrle die nötige Bewegung ins deutsche Spiel brachten. Und weil mit Klose vorne jemand im Sturmzentrum spielte, der sich viel öfter ins Mittelfeld zurück fallen lässt als Gomez.

Was aber am meisten imponiert, ist, dass Löw entscheidet, ohne sich von großen Namen beeindrucken zu lassen. Podolski (jüngst in den 100-Länderspiele-Klub aufgestiegen) und Müller (WM-Torschützenkönig 2010) sind Schwergewichte, die auf die Bank zu setzen man sich erst mal trauen muss. Löw aber ordnet dem Erfolg alles unter. Das könnte letztendlich der entscheidende Faktor des Erfolgs sein.