Portugal - Niederlande 2:1

Ronaldo trifft, Holland trauert

Portugals Superstar erzielt beide Tore, während der WM-Zweite ohne einen Punktgewinn nach Hause fahren muss

- Es waren zwar noch gut 15 Minuten zu spielen, aber das war den Betreuern und Ersatzspielern auf der portugiesischen Bank herzlich egal. Sie legten einen Sprint über 40 Meter hin. Denn dort jubelte der Mann des Abends: Cristiano Ronaldo. Kurz zuvor hatte er den Endstand zum 2:1 (1:1) im dritten Vorrundenspiel gegen die Niederlande besorgt. Schon der Ausgleich war sein Verdienst. Es waren seine ersten beiden Turniertore. Dass er so überschwänglich jubelte, hatte auch viel damit zu tun, was er sich im Vorfeld alles anhören musste. Er sei nicht in Form, hieß es, so wie bei vielen großen Spielen. Am Sonntagabend nun schoss er seine Mannschaft als Gruppenzweiter ins Viertelfinale der EM - und schickte die als einer der Turnierfavoriten gestarteten Niederländer mit der dritten Niederlage in Folge nach Hause.

Der niederländische Mittelfeldspieler Rafael van der Vaart brachte es auf den Punkt: "Bei dieser Europameisterschaft waren wir einfach nicht gut genug für die nächste Runde. Wir haben dreimal verloren, da hat man das Weiterkommen auch nicht verdient. Dafür hätten wir besser spielen müssen." Und fügte frustriert hinzu: "Das ist eine Schande. Jeder von uns muss jetzt in den Spiegel blicken." Dagegen war der Portugiese Miguel Veloso überglücklich: "Das ist für jeden einzelnen Spieler eine Belohnung."

Trainer Bert van Marwijk hatte im Vorfeld getönt: "Wir haben noch einen Strohhalm. Aber wir wissen auch, dass wir noch zwei Tore schießen müssen. Darauf wird unsere Taktik ausgerichtet sein." Immer wieder stand van Marwijk in der Kritik. Dass er stur an seiner WM-Elf von 2010 festhielt, an seinem Kapitän und Schwiegersohn Mark van Bommel im defensiven Mittelfeld und an Robin van Persie als alleiniger Spitze. Das alles hatte man ihm in der Heimat um die Ohren gehauen. Und die einzelnen Bankdrücker hatten auch in recht deutlicher Art und Weise über ihre Situation geklagt.

"Es ist sehr schwierig in dieser Mannschaft. Es gibt eine Menge großer Egos, seit der WM sind sie noch größer geworden", sagte selbst einer wie Arjen Robben. Gegen Portugal nun änderte van Marwijk seine Startelf gleich auf drei Positionen gegenüber dem Deutschlandspiel: Van der Vaart durfte für van Bommel beginnen und übernahm auch gleich dessen Kapitänsbinde. In der Offensive beantworte van Marwijk die Frage Klaas-Jan Huntelaar oder van Persie mit: beide. Er ließ dafür Ibrahim Afellay außen vor. Und in der Innenverteidigung sollte es diesmal Ron Vlaar an der Seite von Joris Mathijsen statt des gegen Deutschland so desolat agierenden John Heitinga richten.

Niederländer starten sehr gut

Die Niederländer jedenfalls begannen gleich äußerst druckvoll, aber das hatten sie auch bei den ersten beiden Vorrundenspielen getan. Und die Portugiesen? Sie taten erst einmal gar nichts und wurden dafür nach elf Minuten bestraft: Eine schöne Kombination über van Persie, Robben und van der Vaart - der zog aus 20 Metern ganz unbedrängt ab und hämmerte den Ball zum 1:0 ins linke Eck. Das frühe Tor sorgte auch für Aktivität bei den Portugiesen. Sie fanden nun ins Spiel, auch weil die niederländische Abwehr sich selbst mit aberwitzigen Abspielfehlern immer wieder selbst in Bedrängnis brachte. In der 16. Minute ließ sich Robben den Ball abnehmen, Ronaldo zog aus 15 Metern ab, traf aber nur den Außenpfosten.

Mehr als ein paar Entlastungsangriffe kamen nicht mehr von den Niederländern. Und bei den Portugiesen setzte sich immer mehr Cristiano Ronaldo in Szene. In der 24. Minute verhinderte Torwart Stekelenburg mit einer glänzenden Reaktion noch Schlimmeres. Nur vier Minuten später aber konnte auch er nichts mehr ausrichten. Der niederländische Außenverteidiger Jetro Willems leistete sich nun seinen Fauxpas, Portugals Joao Pereira bediente Ronaldo mit einem wunderschönen Pass, der ließ Stekelenburg keine Chance und schob zum Ausgleich ein. Es war sein erster Treffer im Turnier.

Schockstarre nach dem Ausgleich

Die Niederländer verfielen danach in eine kollektive Schockstarre. Auch das fiel schon in den ersten beiden Partien auf, auf Gegentore finden die Niederländer keine Antwort, als wäre ihnen all die Energie der Anfangsphase geraubt worden.

Portugal blieb am Drücker und erarbeitete sich noch vor der Pause zahlreiche Möglichkeiten. Immer wieder war es Ronaldo. In der 33. Minute versuchte er es aus 30 Metern, in der 35. köpfte er nach einem Eckball nur knapp vorbei.

Nach der Pause mühten sich die Niederländer zwar, auch weil die Portugiesen sich anfangs zurücknahmen. Zwingendes jedoch brachten sie nicht zustande. Und so gab es die größte Möglichkeit dann auf Seiten der Portugiesen, als Ronaldo bei einem Konter Nani bediente, dessen Schuss Stekelenburg gerade noch abwehren konnte (73.). Nur eine Minute später beendete Ronaldo dann aber jegliche Hoffnungen der Niederländer. Erneut war es ein Konter, erneut vollendete der Superstar.

Bei den Niederländern riss eine Serie: Erstmals seit ihrem Triumph 1988 scheiterten sie bei einer EM schon in der Gruppenphase. Entsprechend kleinlaut war Bert van Marwijk, dessen Job trotz seines bis 2016 verlängerten Vertrages stark gefährdet ist: "Ich übernehme die Verantwortung. Wir hatten insgesamt nicht die Form, unsere Chancen zu nutzen und haben zu einfache Gegentore kassiert. Wir haben zu viele Fehler gemacht. Nicht nur die Spieler - ich auch.