Kriminalität

WM-Ticket-Affäre: Eventim bestätigt Ermittlungen

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Judith Luig

Firma soll sich unlautere Vorteile verschafft haben

- Das Rätselraten um 70.000 Schwarzmarkt-Tickets der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geht weiter. Gestern hat die Firma Eventim Stellung zu den Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft genommen. Der Ticketverkäufer wird unter anderem verdächtigt, sich unlautere Vorteile bei der Vergabe des Exklusivvertrags für die 3,2 Millionen Eintrittskarten der WM in Deutschland verschafft zu haben.

Dazu erklärte ein Sprecher: "Das Unternehmen ist nach wie vor überzeugt, sich bei der Auftragsvergabe vor mehr als acht Jahren korrekt verhalten zu haben." Zu dem ursprünglich angekündigten persönlichen Statement jedoch war Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandschef von Eventim, am Freitag nicht mehr bereit. Stattdessen versandte sein Pressesprecher ein Schreiben. Darin bestätigte Eventim den Bericht der Berliner Morgenpost, dass Beamte der Staatsanwaltschaft München die Geschäftsräume in Bremen Ende April erneut durchsucht hatten. Von konkreten Verdächtigungen distanzierte sich das Unternehmen. "CTS Eventim ist in den Fokus der Ermittlungen geraten, weil Anfang 2004 ein ehemaliger Mitarbeiter aus einer Tochtergesellschaft des Konzerns zum Organisationskomitee der WM 2006 wechselte", heißt es in dem Schreiben. Um den Sachverhalt zu klären, habe Eventim inzwischen Anwälte mit einer Innenrevision beauftragt. Zu den ebenfalls von der Staatsanwaltschaft geprüften Vorwürfen des unrechtmäßigen Verkaufs von 70.000 Tickets während der WM steht in dem Schreiben nichts. Der Ticketverkauf von Eventim läuft hauptsächlich über Internetportale.

Durchsuchungen beim DFB

Verdächtigt wird von der Staatsanwaltschaft auch ein ehemaliger DFB-Mitarbeiter. Auch hier gab es Durchsuchungen in den Geschäftsräumen in Frankfurt. Zu den Vorwürfen sagte Mediendirektor Ralf Köttker fast dasselbe, was der Verband schon bei ersten Durchsuchung im September 2010 gesagt hatte: "Es handelt sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren, in das der DFB als Zeuge einbezogen ist. Wir haben ein großes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung und arbeiten deshalb selbstverständlich eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen."

Die WM in Deutschland war für den Ticketvermarkter CTS Eventim sehr lukrativ. "Das erste Halbjahr 2006 ist für uns das erfolgreichste seit dem Börsengang im Februar 2000", hatte Klaus-Peter Schulenberg seinerzeit erklärt. Der Konzern habe seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf 186,8 Millionen Euro steigern können.

Eventim ist auch Konzertveranstalter und betreibt verschiedene Bühnen. Erst vor ein paar Tagen erwarb das Unternehmen gemeinsam mit einem US-Veranstalter für 40 Millionen Euro die legendäre Konzerthalle Hammersmith Apollo in London. Die letzten Börsenmeldungen des notierten Unternehmens waren, dass die Aktie weiter zulegt. "Ein sicheres Ticket" urteilte das Handelsblatt Anfang Juni. Jetzt wird die Staatsanwaltschaft München feststellen müssen, ob es auch in jedem Fall immer ein legales Ticket gewesen ist.