EM 2012

Bei den Franzosen geht schon wieder die Angst um

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Equipe Tricolore fürchtet Desaster wie in Südafrika

- Sieg oder Südafrika: Die Angst vor einem Desaster in Glutofen von Donezk drückt bei den Franzosen auf die Stimmung. Ein drohendes EM-Aus, der Streit mit den Medien und Spekulationen um die Zukunft von Trainer Laurent Blanc stören die Konzentration auf das Wesentliche. Denn für die Equipe Tricolore wird es schon im zweiten Gruppenspiel am Freitag gegen Gastgeber Ukraine (18 Uhr/ live im ZDF) eng.

Ideal wäre ein überzeugender Sieg, sonst drohen Verhältnisse wie bei der WM 2010 in Südafrika, als die Franzosen das Bild eines zerstrittenen Haufens abgaben. Verbandspräsident Noel Le Graet hat seine Reisepläne schon kurzfristig geändert und seinen Aufenthalt im Trainingsquartier spontan verlängert. "Ich wollte hier präsent sein, weil wir eine schwierige Phase durchmachen. Ich bin aber nicht da, um die Spieler zu überwachen. Ich bleibe im Hintergrund", sagt der 71-Jährige.

Ein Rumoren ist in der Heimat bereits vernehmbar. Und das nicht nur wegen der Affäre um Samri Nasri, der nach seinem Ausgleichstreffer gegen England (1:1) mit eindeutigen Gesten in Richtung Pressetribüne seine Privatfehde mit der großen Sportzeitung "L'Equipe" demonstrierte. Die Medien sind nicht zimperlich, im Mittelpunkt der Kritik steht die Aufforderung an Frankreichs "einzige Weltklassespieler", Franck Ribery von Bayern München und Karim Benzema von Real Madrid, "sich endlich zu zeigen" und ihre Offensivqualitäten auszuspielen.

Kritik an Ribery und Benzema

Die Franzosen können auf eine stolze Serie von 22 Spielen ohne Niederlage unter Blanc verweisen, doch was nützt das bei der EM? Besonders der erfahrene Ribery (61 Länderspiele/10 Tore), der sich mit insgesamt drei Treffern in drei Testspielen in Hochform präsentierte, würde nicht genug Einfluss auf das Spiel nehmen und Benzema sich zu weit zurückfallen lassen, bemängeln die Journalisten. Trainer Blanc wirkte irritiert und fragte zurück: "Habt ihr mal gesehen, wie Benzema bei Real spielt? Genau so."

Auch mit dem Klima haben die Franzosen Probleme. "Wir haben gegen England alles versucht, aber es war sehr heiß, und sie haben uns kaum Luft zum Atmen gelassen", meinte Ribery. Für Freitag sind erneut 33 Grad angesagt. Und auch die Ukrainer, Mannschaft und Zuschauer, werden den Franzosen gehörig einheizen. Mit einem weiteren Sieg hätte die "Sbrina" das Viertelfinale erreicht. Trainer Oleg Blochin versucht allerdings die Euphorie nach dem Auftaktsieg gegen Schweden (2:1) zu bremsen: "Noch ist nichts erreicht."

Sein Kollege Blanc bemüht sich um Harmonie und Ruhe im EM-Quartier, wenngleich es Spekulationen um seine Zukunft gibt. Denn sein Vertrag mit dem Verband endet nach dem Turnier. Der Ex-Nationalspieler hatte schon vor zwei Monaten Interesse an einer Tätigkeit bei einem Klub angedeutet. Dazu Verbands-Boss Le Graet: "Diese Frage habe ich mir noch nicht gestellt. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis. Er ist sehr nett, lebendig und hat einen sehr positiven Siegeswillen. Aber man muss auch die Ergebnisse sehen. Wir setzen uns nach der EM zusammen, egal was passiert." Das könnte eher als erwartete der Fall sein.

( sid )