Anpfiff

Blanker Horror auf grünem Rasen

Jürn Kruse über einen Platz, der nicht gewässert wurde

Korrektes Tippen von Fußballergebnissen während dieser EM wäre so simpel: Die Spieler müssten nur genügend Zeit haben, schon vor dem Spiel, bestenfalls nach dem Warmmachen, ihre Meinung zum Rasen kundzutun. Hätten wir nur vorher erfahren, dass auf Spaniens Mittelfeldstar Andres Iniesta in Danzig "ein Desaster" und "blanker Horror" zukommen würde, wir hätten in der Tipprunde das sichere drei, vier oder fünf zu null für die Iberer bestimmt noch revidiert.

Am Ende ging das Spiel gegen Italien 1:1 aus. Enttäuschend für die Spanier, die schnell einen Schuldigen zur Hand hatten: den Rasen, den grünen Horror, das Desaster. Iniestas Kollege Xavi versuchte sich nach der Partie als Greenkeeper: "Der hätte gewässert werden müssen." So aber seien Ballkontrolle, Passen und Dribblings unmöglich gewesen. Die Spanier dachten am Montag gar darüber nach, offiziell Beschwerde beim europäischen Fußballverband Uefa einzulegen.

Das Problem ist nur, dass immer zwei Mannschaften auf das selbe Geläuf müssen, und die zweite, die italienische, hatte überhaupt kein Interesse an spanischer Ballkontrolle, spanischen Pässen und spanischen Dribblings - und wusste all diese Finessen schon lange vor dem Anpfiff zu unterbinden. Das zumindest behauptet Grzegorz Lato, der Präsident des polnischen Fußballverbandes. Einem Radiosender erklärte Lato den Rasenärger so: "Das Problem ist, dass du das Einverständnis beider Mannschaften benötigst, um vor dem Spiel zu wässern. Die Spanier wollten ihn bewässert haben, die Italiener waren dagegen." Sie hätten ihm klipp und klar gesagt, dass sie durch einen langsameren Platz das Passspiel der Spanier stoppen wollten. Daraufhin wurde die Sprinkleranlage 75 Minuten vor Spielbeginn eingefahren.

Hätten wir das bloß gewusst!