Basketball

LeBron James führt Miami ins Finale gegen Oklahoma

Der "King" ist in absoluter Topform und will nun endlich NBA-Meister werden

- Auf dem Weg zu seinem größten Triumph überließ "King James" mal wieder nichts dem Zufall. Fast im Alleingang führte LeBron James die Miami Heat nach einem spektakulären Comeback ins Finale der Basketball-Profiliga NBA. 31 Punkte, 12 Rebounds: Der sechsmalige Allstar und dreimalige MVP war beim 101:88 gegen die Boston Celtics im entscheidenden siebten Spiel erneut der Mann des Abends. Doch das interessierte den 27-Jährigen wenig. James lechzt nur noch nach dem Ring - der greifbaren Dokumentation seiner ersten Meisterschaft.

"Er war der absolute Wahnsinn", schwärmte Heat-Coach Erik Spoelstra: "Er spielt auf einem historischen Level im Play-off." Die Zahlen untermalen diese Behauptung eindrucksvoll. James, der Mann, dem jahrelang Schwäche in den entscheidenden Momenten nachgesagt wurde, verbuchte in fünf Spielen des Western-Conference-Finales jeweils mehr als 30 Punkte und zehn Rebounds. Ohne Zweifel, das beeindruckende Comeback Miamis nach dem 2:3-Rückstand in der "Best-of-seven"-Serie ist vor allem dem Ausnahmespieler zu verdanken.

Doch dieser wollte wie immer nichts von einer Ein-Mann-Show wissen. "Das gesamte Team war heute im Einklang. Wir wollten unseren Fans einen großen Sieg bescheren, das haben wir geschafft. Jetzt freuen wir uns auf die nächste Herausforderung", sagte James, dem insbesondere Dwyane Wade (23 Punkte) und Chris Bosh (19) zur Seite standen. Die letzten 30 Punkte in dem lange Zeit offenen Duell erzielten allesamt die "Big Three" der Heat.

Die brauchte allerdings eine Weile, um in Fahrt zu kommen. 20.114 Zuschauer in der American Airlines Arena sahen eine starke Anfangsphase der Celtics, die gegen Ende der ersten Halbzeit sogar mit elf Punkten führten. Boston lag auch zum Anfang des letzten Viertels noch knapp in Front, doch dann drehten die Heat-Stars auf. Mit einem spektakulären Dunking brachte James Miami acht Minuten vor Ende in Führung, die das Team aus Florida dann auch nicht mehr aus der Hand gab.

Dass Rekordmeister Boston im Schlussabschnitt ein 15:28 hinnehmen musste, hatte wohl vor allem mit dem Alter seiner Führungsspieler zu tun. Ray Allen, Kevin Garnett (beide 36) und Paul Pierce (34) sind deutlich in die Jahre gekommen. Allein der 26-jährige Rajon Rondo glänzte mit einem erneuten Triple Double (22 Punkte, 14 Assists, 10 Rebounds). "Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder eine Gruppe wie diese haben werde", sagte Celtics-Coach Doc Rivers. "Ich liebe sie, sie sind phänomenal." Nach dem vorzeitig verpassten 18. Titel stehen die Celtics allerdings vor einer ungewissen Zukunft.

Endspiel-Start am Dienstag

Diese Probleme werden James wenig kümmern. Am Dienstag steht das erste Finalspiel bei den Oklahoma City Thunder an. Nach den Finalniederlagen 2007 mit den Cleveland Cavaliers gegen die San Antonio Spurs und 2011 mit Miami gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks beginnt für ihn der dritte Anlauf auf den begehrten Titel. Und für die Fans wird es ein Duell der Giganten: "King James" (27) gegen Oklahomas Kevin Durant (23), dem besten Scorer der Liga in der regulären Saison. Eines steht fest: Nur mit einem Ring kann Olympiasieger James seine beeindruckende Karriere veredeln. Und keinesfalls soll Youngster Durant, der zum ersten Mal im Finale steht, ihm im Rennen um die Championship zuvor kommen.

Dass er für den Triumph erneut die Unterstützung seiner Mitspieler braucht, weiß James nach acht Jahren in der besten Liga der Welt ganz genau. Daher schwor Miamis Leader sein Team bereits nach dem Spiel gegen Boston auf den finalen Showdown ein. "Nur mit einem starken Kollektiv können wir die Meisterschaft gewinnen", sagte James. Im dritten Versuch soll, nein, muss endlich der Ring her!

In der vergangenen Saison war James vor allem in der Finalserie gegen Dallas weit unter seinen Möglichkeiten geblieben und hatte die Kritiker auf den Plan gerufen. Nach seinen Glanzleistungen, erst in Boston in Spiel sechs und dann beim Showdown in Miami, wurde James regelrecht mit Lob überschüttet. Nicht nur von der Presse, sondern auch von den Teamkollegen.

Auch Celtics-Coach Rivers stimmte in die Lobgesänge ein. "Ihm sind einige fantastische Würfe gelungen. Wenn jemand ein solches Sperrfeuer auf dich abgibt, kostet das viel Energie." Den Journalisten redete Rivers anschließend ins Gewissen. "Ich hoffe, ihr hört jetzt auf zu behaupten, dass LeBron in großen Spielen nicht da ist."