Kroatien Tabellenführer

Doppelpack von Mandzukic schockt Trapattonis Iren

Kroatien sichert sich ohne Probleme Tabellenführung

- Das erste Duell des Tages hatten die Iren gewonnen, da war das Gruppenspiel gegen Kroatien noch gar nicht angepfiffen. Zehntausende hatten die Wirte in Posens Innenstadt mit ihrem Bierdurst an den Rand der Verzweiflung gebracht. Am späten Nachmittag mussten die Ersten von ihnen kapitulieren: Ihre Fässer waren leer. Es sollte der einzige irische Sieg an diesem Tag bleiben. Auf dem Rasen setzten sich die Kroaten mit 3:1 (2:1) gegen die Steinzeit-Fußballer von der Insel durch.

Schon nach drei Minuten gab Mario Mandzukic den Partykiller für die Iren, die mit großer Euphorie ihrer ersten EM-Endrunde seit 24 Jahren entgegengefiebert hatten. Eine Flanke von Kapitän Darijo Srna landete auf Umwegen bei dem wechselwilligen Wolfsburger, der mit einem wuchtigen Kopfball aus acht Metern abschloss. Plötzlich gaben die 6000 kroatischen Fans den Ton in der für fast 150 Millionen Euro runderneuerten Arena an.

Die Iren, im vollen Bewusstsein ihrer engen spielerischen Grenzen, hielten sich stoisch an das, was Trainer Giovanni Trapattoni ihnen mit auf den Weg gegeben hatte: weite Bälle auf die Stürmer Robbie Keane und Kevin Doyle zu schlagen - und auf die eigene Kopfballstärke nach Standardsituationen zu vertrauen. Als glückliche Fügung erwies sich dabei, dass Kroatiens Schlussmann Stipe Pletikosa seine Mühe hatte mit der Orientierung im eigenen Strafraum. Aber wahrscheinlich hatte Trainerfuchs Trapattoni, der mit 73 Jahren und 85 Tagen zum ältesten Coach in der EM-Geschichte aufstieg, genau darauf spekuliert.

Letztlich war es mit Sean St. Ledger einer der zahlreichen Abwehrhünen, der nach einer Freistoß-Flanke von Aiden McGeady zum zwischenzeitlichen Ausgleich traf. Der Profi von Leicester City sprang höher als der Leih-Leverkusener Vedran Corluka und nickte aus kurzer Distanz zum 1:1 ein (19.). Die gut und gerne 15.000 Iren auf den Rängen konnten ihr Glück kaum fassen und hüllten die Partie in die bisher prickelndste Atmosphäre dieses Turniers.

Und zwar exakt 24 Minuten lang. Dann nutzte Nikica Jelavic einen Lapsus des irischen Außenverteidigers Stephen Ward zur erneuten Führung. Der Schussversuch des hochgelobten aber blassen Spielmachers Luka Modric blieb noch im grünen Leiberwall hängen. Als Ward den abprallenden Ball klären wollte, legte er ihn Jelavic maßgerecht vor. Der hatte zuvor im passiven Abseits gestanden und hob den Ball allen Protesten zum Trotz elegant über Shay Given hinweg ins Tor (43.).

Der persönliche Tiefpunkt sollte dem irischen Schlussmann allerdings noch bevorstehen. Erneut war es Mandzukic, der auf seinen Kasten köpfte. Diesmal landete der Ball jedoch zunächst am Pfosten - ehe er von dort zunächst an Givens Hinterkopf und dann zum 1:3 in die Maschen prallte. Damit war die Partie entschieden. Das sah wohl auch der schwache niederländische Referee Björn Kuipers so; zumindest verweigerte er Irland einen klaren Elfmeter nach Foul an Keane und verhinderte damit, dass noch einmal Spannung aufkam. Kroatiens Sieg kann dennoch als gerecht bezeichnet werden.