Ukraine

Andrej Schewtschenko will sich seinen letzten Traum erfüllen

Ukraines Stürmerstar fehlt ein Erfolg mit dem Nationalteam

- Alle Hoffnungen ruhen auf Andrej Schewtschenko. Der Stürmerstar soll an diesem Montag gegen Schweden an glorreiche Zeiten anknüpfen und mit einem Sieg den EM-Start von Co-Gastgeber Ukraine krönen. Einst wechselte der pfeilschnelle Fußballer nach erfolgreichen Jahren beim AC Mailand für eine Rekordsumme von 50 Millionen Euro zum FC Chelsea. Bei seiner Rückkehr zu seinem Stammverein Dynamo Kiew wurde er 2009 wie ein Messias empfangen. Für den 35-Jährigen wird die EM im eigenen Land der letzte große Auftritt sein. Daher fiebert er dem Spiel gegen Schweden - und vor allem dem Duell gegen Stürmerkollege Zlatan Ibrahimovic - entgegen.

Schwedische Medien bescheinigen Ibrahimovic eine bestechende Form. Fünf Tore erzielte der 30-Jährige in der EM-Qualifikation, und beim AC Mailand traf er in 32 Spielen 28 Mal. Dagegen ist der Ukrainer zwar Rekordtorschütze der Nationalelf, aber Verletzungen haben Europas Fußballer des Jahres 2004 aus dem Tritt gebracht. Trotzdem kündigt er an: "Wir haben Potenzial, den Favoriten den Kampf anzusagen." Die ganze Ex-Sowjetrepublik träume vom Gewinn des Silberpokals. Leicht wird das nicht: Außer Schweden hat die Ukraine noch England und Frankreich in der Gruppe.

"Während meiner Karriere sind fast alle meine Wünsche in Erfüllung gegangen", sagte Schewtschenko vor kurzem im ukrainischen Fernsehen. Nun wolle er alles tun für einen Erfolg bei der EM. "Ich werde das Letzte aus meinem Körper herausholen und alle Kraft auf dem Platz lassen." Doch während früher öffentliche Kritik an "Schewa" fast tabu war, wird sie vor dem Turnier laut. "Der Schewtschenko von heute ist nicht mehr der Andrej von früher", schrieb etwa das Magazin "Komanda". Die Leitfigur von Dynamo Kiew trug nur mit sechs Saisontoren zur Vizemeisterschaft bei. Doch gerade in Kiew will Schewtschenko noch einmal angreifen.

Zu Hause schmücken mit Dynamo, Mailand und Chelsea gewonnene Pokale seine Regale, aber Triumphe mit der Nationalmannschaft sind rar. Höhepunkt war das Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft in Deutschland, als die Ukraine am späteren Titelträger Italien scheiterte. Ansonsten blieb bei renommierten Turnieren nur die Zuschauerrolle. Für eine EM qualifizierte sich die Ex-Sowjetrepublik jetzt erstmals - automatisch, als Co-Gastgeber. Dagegen ist Schweden längst Stammgast bei WM und EM. Von einem Vorteil will Trainer Erik Hamren aber nichts hören. "Die Ukraine tritt vor Heimpublikum an, sie ist gegen uns Favorit", betont er.

Überhaupt könne man sich von Ukrainern manches abschauen, meinte der Coach und verwies auf ein einheimisches Folklore-Ensemble, das die Schweden in ihrem Trainingslager bei Kiew begrüßt hatte. Besonders die schnellen Schritte der lokalen Tänzer hätten es ihm angetan, unterstrich Hamren. "Ich hoffe, meine Spieler haben genau hingeschaut. Da konnte man nämlich etwas lernen."