Hockey

Nach 47 Jahren hat das Warten ein Ende

2:1 gegen Köln: Männer des Berliner HC sichern sich ersten Hockey-Titel auf dem Feld seit 1965

- Sie hatten versucht, dieses Gefühl beiseite zu schieben, die Erwartungen, den Druck. 47 vergebliche Anläufe hatten Männerteams des Berliner HC seit 1965 hinter sich. Immer wieder waren sie beim Bemühen gescheitert, deutscher Feldhockeymeister zu werden. Das spürten sie dann doch. "Wir haben in den vergangenen Tagen das eine oder andere Mal gehört, wir seien würdig für diesen Titel", erzählte Martin Häner. Und unter den 2500 hoffnungsvollen Zuschauern im Zehlendorfer Hockeystadion waren neben einigen wenigen Meistern von 1965 viel mehr ehemalige Spieler, die es nicht geschafft hatten. Gestern konnten sie endlich feiern, alle gemeinsam. Der BHC bezwang in einem hochklassigen Finale Rot-Weiß Köln 2:1 (1:1). Der 23-jährige Häner wurde zum besten Spieler der Endrunde gewählt. Rot-Weiß musste sich damit trösten, dass die Frauen des Klubs durch ein 1:0 (0:0) gegen den UHC Hamburg immerhin einen Titel für den Verein eroberten.

Hohes Lob vom Bundestrainer

"Der BHC ist verdienter Meister", lobte Bundestrainer Markus Weise den Sieger, "sie haben bei der Endrunde zwei starke Auftritte hingelegt, eine starke Mannschaftsleistung gezeigt und auch in der Kölner Druckphase vernünftig verteidigt." Die Westdeutschen waren als Favorit ins Endspiel gegangen, haben sieben Olympiasieger von Peking in ihren Reihen - ihr Kontrahent keinen. Und sie hatten den besseren Start. "Man hat die Erwartung gespürt", sagte BHC-Trainer Friedel Stupp, der zuvor schon dreimal Meister mit den Frauen des Klubs geworden war, "das haben wir in der ersten Halbzeit gemerkt. Und es war unser erstes Endspiel. Da fehlten uns so zehn, fünfzehn Prozent."

Folgerichtig ging Köln durch Daniel Montag (20.) in Führung. Aber der BHC zeigte sich nur kurz beeindruckt. Seine Fans skandierten schon frech in Richtung der Rot-Weißen "Ihr seid nur ein Karnevals-Verein, Karnevals-Verein", da verwandelten die Gastgeber prompt ihre erste Strafecke. Wie im Training: Hereingabe Richard Braun, Schlenzer Häner, und vom Schläger des in diesen Schuss laufenden Till Führer sprang der Ball unhaltbar für Rot-Weiß-Torhüter Max Weinhold zum 1:1 in den Kölner Kasten (28.). Man nennt das im Hockey einen Stecher, und dieser Stich traf die bis dahin besseren Rot-Weißen sehr tief. "Es war, als wäre in diesem Moment ein Knoten geplatzt", jubelte Stupp. Von nun an dominierte sein Team.

Dass das Tor zum 2:1 durch Anton Ebeling (50.), herrlich herausgespielt über Häner und Braun, schon die Entscheidung bedeuten würde, hätte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand gedacht. Der Siegtorschütze schluchzte nach dem Spiel so fassungslos wie viele seiner Mitspieler. "Wahnsinn. Wir haben so für diesen Erfolg gearbeitet. Jetzt haben wir uns für eine unheimlich geile Saison belohnt", sagte der 20-Jährige, einer von etlichen Junioren-Nationalspielern beim BHC.

Nur zwei Niederlagen in 24 Spielen

Das Halbfinale hatten sie mit 4:0 gegen den EHL-Champion UHC Hamburg gewonnen. Von ihren 22 Bundesligapartien verloren die Zehlendorfer nur zwei, gingen mit großem Vorsprung als Tabellenerster ins Final Four. Sie hatten vor allem von ihrer stabilen Abwehr profitiert, mit Weltmeister Uli Bubolz im Tor, dem herausragenden Häner als Schaltzentrale. Aber vielleicht ist es unfair, einzelne herauszuheben. Eben weil dieser BHC mannschaftlich geschlossener auftrat als die Konkurrenz, ist er nun Deutscher Meister. Einer mit Perspektive, denn das Gros der Spieler ist erst 25 Jahre alt oder jünger. Neben Häner (23) gehören Pilt Arnold (23) und Martin Zwicker (25) zum Nationalkader; nach den Olympischen Spielen in London dürfte es nicht mehr lange dauern, bis auch Felix Wild (21) oder der erst 19-jährige Jonas Gomoll von Bundestrainer Weise erste Einladungen erhalten.

Nach dem 2:1 durch Ebeling hatten die Berliner sogar gute Möglichkeiten, das 3:1 zu erzielen, Gomoll etwa traf mit der Rückhand den Innenpfosten des Kölner Tores; von dort klatschte der Ball zurück ins Feld (56.). Erst in den letzten zehn Minuten kamen die Gäste noch einmal zu Chancen, sogar zu einem Treffer. Aber da war ein Kölner Fuß im Spiel, das Tor wurde nicht anerkannt. So blieb es beim aus Berliner Sicht krönenden Abschluss einer sehr gelungenen Veranstaltung. Umso mehr, als der BHC, nostalgisch beinahe, noch immer ein Verein ist, in dem anders als in Köln, Hamburg oder Mannheim die Stars ohne Gage spielen. Häner zum Beispiel könnte bei der Konkurrenz ein mittleres fünfstelliges Gehalt kassieren. Aber er will es nicht: "Weil dieser Verein einmalig ist." Worte, die der Klubpräsident natürlich gern hört. "Es ist wunderschön", sagte Michael Stiebitz nach dem Triumph, "dass es im Sport noch möglich ist, Träume zu erfüllen." Und dann begann ein rauschendes Fest. Das Feiern haben sie in den vergangenen 47 Jahren an der Wilskistraße in Zehlendorf nämlich nicht verlernt.