Portugal

Pfiffe für Ronaldo nach der Blamage gegen die Türkei

Deutschlands Auftaktgegner verbreitet Durchhalteparolen

- Diese ganze Weltuntergangsszenerie wollte Paulo Bento dann doch nicht mitmachen. Jetzt alles schwarz zu malen, das sei nun wirklich nicht richtig, monierte Portugals Nationaltrainer und bemühte zum Trotz Kontrastvokabular. "Wir haben toll gespielt, nur im Abschluss versagt." Das Ergebnis spiegele überhaupt nicht den Spielverlauf wider. Ach was, "es ist total unfair". Und überhaupt, referierte er munter weiter, "für die Fehler, die wir gemacht haben, sind wir zu hart bestraft worden". Zum Schluss sei eben auch noch Pech dazugekommen.

1:3 (0:1) hat Portugal das letzte Testspiel vor der Europameisterschaft gegen die Türkei verloren. Und im Gegensatz zu Trainer Bento ging die heimische Presse weit weniger zimperlich mit der Situation um. "Diese Abwehr ist ein Schreck", schlagzeilte das Sportblatt "Record", und "Diario de Noticias" rief gar so kurz vor dem EM-Auftaktspiel am Sonnabend gegen Deutschland den Notstand aus: "Schlechtes Spiel, noch schlechteres Ergebnis und eine Krise".

Dabei waren sie mit so vielen Erwartungen in die Partie in Lissabon gegangen. Bento wollte seine vermeintliche Startelf testen, Cristiano Ronaldo, Nani, Raul Meireles, Joao Moutinho, Pepe, all seine Stars hatte er aufgeboten. Doch letztlich blieb nur das ernüchternde Fazit: Die Offensive trifft nicht, dem vermeintlich spielentscheidenden Ronaldo versagen vom Elfmeterpunkt die Nerven, und die Defensive ist auch für noch Slapstick-Einlangen gut.

"Wenn man verliert, ist es normal zu sagen, alles ist schlecht. Aber das ist nicht wahr", sagte Bento. Die ersten 20 Minuten des Türkeispiels nannte er gar "außergewöhnlich", weil die Seinen so drückend überlegen waren. Allein sie machten kein Tor. Stattdessen konterte der Gegner und legte all die Schwächen offen, die Bento in den kommenden Tagen noch eilig beheben will. Dem 0:1 durch Umut Bulut ging ein beherzter, aber auch kaum bedrängter Sololauf von Sercan Sararer voraus, Buluts zweiter Treffer nach der Pause leitete Portugals Innenverteidiger Bruno Alves mit einem Fehlpass ein. Und den unrühmlichen Schlusspunkt setzte Real Madrids Verteidiger Pepe kurz vor Schluss, als er aus eineinhalb Metern von Ricardo Costa angeschossen wurde und der Ball ins eigene Netz trudelte.

Dass auch noch Ronaldo mit einem schwach geschossenen Elfmeter am türkischen Torwart Volkan Demirel scheiterte, passte zu diesem Abend. "Uns sind heute viele Fehler unterlaufen, die man einfach nicht machen kann, ich habe einen Elfer vergeben und die Elf dadurch verunsichert", sagte ein reumütiger Ronaldo, der aber anschließend gleich einen ganzen Kanon an Durchhalteparolen zum Besten gab. "Natürlich bin ich zuversichtlich, dass bei der Europameisterschaft alles gut wird. Wir müssen nur die Köpfe wieder hochbekommen."

In diesem Jahr noch ohne Sieg

Vom Publikum in Lissabon jedenfalls wurden sie mit reichlich Pfiffen bedacht. "Das ist normal", sagte Meireles, "die Portugiesen sind ein wenig ungeduldig, wenn ihnen das Ergebnis nicht gefällt." Bei der EM, versprach er, würden die Fans aber wieder Grund zum Jubeln haben. Doch die Bilanz 2012 spricht gegen seine These. In diesem Jahr ist Portugals Auswahl noch ohne Sieg, erst die Nullnummer im Februar gegen EM-Gastgeber Polen, dann das zweite torlose Spiel gegen Mazedonien vor einer Woche und nun die Blamage gegen die Türkei.

Zumindest in Sachen Nani gaben die Verantwortlichen gestern Entwarnung. Gegen die Türkei musste der Torschütze zum 1:2 verletzt vom Platz. "Wir sind optimistisch, was seine Genesung angeht", ließ die medizinische Abteilung am Morgen danach verlauten. Was er vom Spiel gegen Deutschland erwarte, wurde Ronaldo gefragt. "Deutschland spielt fantastisch", antwortete er. "Aber wir werden bereit sein." Seit Samstagnacht sind die Zweifel daran groß.