Gespräch zum Holocaust

Graumann rüffelt DFB und Bierhoff

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, kritisiert den Deutschen Fußballbund (DFB) und vor allem den Manager der Fußballnationalmannschaft, Oliver Bierhoff.

Dessen Vorschlag, den Holocaust bei der Fußball-EM in Polen bei einem Kamingespräch zu thematisieren, sei eine "kolossale Gefühllosigkeit und Geschmacklosigkeit" gewesen, sagte Graumann beim Gemeindetag des Zentralrats in Hamburg. Die Äußerung sei unerträglich vor dem Hintergrund, "dass in Auschwitz Menschen, zum Beispiel meine Großeltern, vergast, verbrannt und durch den Kamin gejagt wurden". Den Besuch einer DFB-Delegation mit nur wenigen Nationalspielern in der Gedenkstätte von Auschwitz wertete Graumann als verpasste Chance. "Wenn die komplette Nationalmannschaft gekommen wäre, hätte man damit Hunderttausende junger Menschen erreicht, mehr als mit tausend Gedenkreden", sagte er. Nur Kapitän Philipp Lahm sowie die beiden in Polen geborenen Spieler Lukas Podolski und Miroslav Klose waren am Freitag mit der Delegation um Präsident Wolfgang Niersbach, Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw nach Auschwitz gekommen. Die englische Nationalmannschaft besuche dagegen die Gedenkstätte geschlossen. Scharfe Kritik äußerte Graumann auch am Internationalen Olympischen Komitee. Das IOC hatte den Vorschlag zurückgewiesen, der israelischen Sportler, die bei den Olympischen Spielen vor 40 Jahren in München ermordet worden waren, während der Eröffnungsfeier der Spiele in London mit einer Schweigeminute zu gedenken. Graumann nannte diese Ablehnung "gefühlskalt und unmenschlich".