Basketball

Unglaublicher Höhenflug der Ulmer Spatzen ins Finale

Basketball: Heute beginnt die Endspielserie gegen Titelverteidiger Bamberg. Die neue Halle hat in Schwaben einen Boom ausgelöst

- So schnell werden sie sich diesmal nicht ergeben. So wie vor 14 Jahren, als die Ulmer zum ersten Mal im Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft standen. Damals hatten sie gegen das übermächtige Alba Berlin keine Chance - und die Fans trugen bereits vor dem dritten Play-off-Finalspiel T-Shirts mit der Aufschrift "Ulm - Vizemeister 1998". Heute gilt der Satz von Per Günther, dem Spielgestalter von Ratiopharm Ulm, ausgesprochen nach dem 3:0 im Halbfinale gegen Würzburg: "Das war ein toller Teilerfolg, aber jetzt wollen wir mehr."

Sie wollen mehr, sie wollen den Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg stürzen, der zuletzt zweimal hintereinander das Double gewann und sich auch in diesem Jahr schon wieder den Pokal geholt hat. Heute (15.15, Sport1) beginnt die "Best of five"-Serie in Bamberg.

"Bamberg dreimal zu besiegen, das ist unmöglich", sagt Thomas Stoll, Ulms Geschäftsführer. Doch nach einer kurzen Pause fährt er fort: "Aber es hieß ja auch, dass es unmöglich ist, dass wir ins Play-off kommen. Danach schien es unmöglich, dass wir das Finale erreichen..." Was ihn lächelnd zu dem Schluss kommen lässt: "Dem Team ist alles zuzutrauen."

Weil die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath (37) schier Unglaubliches geleistet hat. Zweiter hinter Bamberg nach der Punkterunde, im Viertelfinale ganz locker 3:0 gegen Braunschweig, danach der Coup gegen Würzburg. Ein junger Trainer, der zu Saisonbeginn kam und zum "Trainer des Jahres" in der Liga gewählt wurde. Zumeist unbekannte Spieler, von denen Center-Koloss John Bryant (125 Kilogramm) zum "wertvollsten Spieler der Saison" (MVP) gekürt wurde. Ulm ist die Überraschungsmannschaft des Jahres. "Wir haben in der Saison nicht den Einbruch erlebt, den uns viele vorausgesagt hatten, sondern unsere Leistung immer mehr stabilisiert", analysiert Leibenath unaufgeregt. "Für uns alle ist es ein unglaublicher Erfolg." Nach Abstieg 2001 und Wiederaufstieg 2006 ging es in Ulm zumeist nur darum, nicht abzusteigen. Vor zwei Jahren 13., nach der vergangenen Saison 14., dazu "die schlechteste Halle in der Bundesliga", wie Stoll zugibt. Die Kuhberghalle, ein Anachronismus, 3000 Zuschauer ließen sich in den muffigen Bau ohne Komfort quetschen. Aufbruchstimmung kam da lange nicht auf.

Doch dann wurde der lange Kampf um eine größere Halle gewonnen. Am 20. Dezember 2011 fand nach 19 Monaten Bauzeit endlich die Eröffnung der neuen Arena statt. 6000 Besucher fasst diese moderne Multifunktionshalle, die zwar im benachbarten, zu Bayern gehörenden Neu-Ulm steht, für die das Land Baden-Württemberg allerdings zwei Drittel der 28 Millionen Euro Baukosten übernommen hat. Ein Bundesländer-übergreifendes Projekt. Der Boom begann: Alle 18 Heimspiele der "Spatzen" waren seither ausverkauft. "Es ist eine verrückte Geschickte", sagt Stoll. "Wir wussten, dass die Begeisterung hier groß ist, aber der sportliche Erfolg hat alles natürlich noch befeuert", erklärt der Geschäftsführer.

Stoll sieht die Sache realistisch: "Der Erfolg ist auch eine Bürde." Natürlich steigen die Erwartungen und die Begehrlichkeiten; der Marktwert der meisten Spieler hat sich stark erhöht. "Wenn wir das Team zusammenhalten wollen, müssen wir mehr Geld in die Hand nehmen", weiß Stoll. Ulm hat in dieser Saison bereits den Etat von 1,7 auf 3,2 Millionen Euro erhöht. Bamberg, Berlin, München, Quakenbrück und Oldenburg haben jedoch mehr als das Doppelte zur Verfügung. "Eine Vier vor dem Komma für das nächste Jahr wäre perfekt, aber das sehe nicht", ist Stoll eher pessimistisch. Abwarten: In Ulm scheint momentan nichts unmöglich zu sein.