Hockey

BHC-Männer greifen nach erstem Titel seit 47 Jahren

Finaleinzug durch 4:0 gegen Hamburg. Frauen gescheitert

- Wer über die Zehlendorfer Wilskistraße zur Endrunde um die deutsche Feldhockey-Meisterschaft kam, wurde schon weit vor dem Kassenhäuschen mit einer klaren Ansage begrüßt. "Hier regiert der BHC" stand da auf einem großen Plakat. Blau-rote Luftballons zierten den Straßenrand und verbreiteten blau-weißen Optimismus. Wer allerdings regieren will, schafft das auch im Hockey nicht allein mit Worten; er muss schon mehr Tore schießen als der Gegner. Den Frauen des Klubs misslang dies noch knapp. Trotz guter Leistung verloren sie ihr Halbfinale 2:3 (0:2) gegen den UHC Hamburg. Anders die Männer des Berliner HC: Sie überrannten Europapokalsieger UHC Hamburg mit 4:0 (2:0) und treffen heute (14.30 Uhr) im Endspiel auf Rot-Weiß Köln. Bei den Damen bestreiten UHC Hamburg und Rot-Weiß Köln (11.30 Uhr) das Endspiel.

Es war beeindruckend, wie die Mannschaft von Trainer Friedel Stupp auftrumpfte. 80 Treffer hatten die Hanseaten in der Bundesligasaison erzielt, 15 mehr als der BHC. Doch hatten die Berliner mit nur 32 Gegentoren (Hamburg 54) die mit Abstand sicherste Abwehr. Und aus dieser bärenstarken Defensive heraus zogen sie ein Konterspiel auf, dem der Kontrahent nichts entgegenzusetzen hatte.

Europacupsieger ausgekontert

"Das macht uns diese Saison so stark", jubelte Verteidiger Pilt Arnold, "der UHC hatte nicht viele Chancen." Die Hamburger probierten viel, aber sie fanden nie ein Mittel, sich zwingende Tormöglichkeiten zu erarbeiten. Das machte ihnen ihr Gegner vor. Niklas Cartsburg (18.) auf Vorlage von Felix Wild, Till Scharp (30.), der nach missratener Ecke ein glänzendes Solo von Martin Häner krönte, der überragende Libero selbst (44.) mit verwandelter Ecke und Jonas Gomoll (50.) auf Pass von Cartsburg demontierten das beste Klubteam Europas geradezu. Hamburg hatte seine erste Strafecke in der 58. Minute - auch das spricht Bände.

"Wir haben defensiv unheimlich gut gestanden", lobte Stupp sein Team, "und in den Kontern haben wir getroffen." Es klang einfach, sah vor den 2500 Zuschauern im Zehlendorfer Hockey-Stadion jedoch genau so aus. "Von hinten bis vorn war alles super heute", sagte Häner strahlend, "das war unsere beste Saisonleistung." Am Abend sahen sich die Spieler im Hotel ein Video des anderen Halbfinales zwischen Köln und Mülheim an. Gestern nach ihrem Sieg tanzten sie schon wie Meister vor ihren Fans. Seit 1965 haben die BHC-Männer auf dem Feld keinen Titel mehr gewonnen. Aber diese Zahl war Häner in dem Moment "egal. Ich will jetzt einfach mit dieser tollen Mannschaft Meister werden."

Keller-Treffer fallen zu spät

Zwischen Enttäuschung und Stolz schwankten die Zehlendorfer Frauen. "Ich finde, dass wir gegen die Nationalmannschaft sehr gut mitgehalten haben", sagte ihr Trainer Jamilon Mülders und meinte das hochkarätige UHC-Aufgebot. Vermutlich sieben oder acht der Hamburgerinnen werden bei den Olympischen Spielen in London dabei sein. "Das war unsere beste Saisonleistung", haderte BHC-Nationalspielerin Katharina Otte, "wir haben die erste Halbzeit auf Augenhöhe agiert. Aber wir müssen auch die Tore machen." Möglichkeiten gab es reichlich. Allein zwei Treffer wurden von den Schiedsrichterinnen nicht anerkannt. Der Rest wurde vergeben. Der Favorit zeigte sich da kaltschnäuziger. Das 2:0 zur Pause durch Lisa Hahn (Siebenmeter/8. Minute) und Eileen Hoffmann (20.) war Folge einer fast hundertprozentigen Chancenverwertung. Als direkt nach dem Wechsel das 3:0 durch Lisa Hahn fiel, schien die Partie entschieden.

Zu allem Unglück fiel die beste Berlinerin Natascha Keller fast die komplette erste Hälfte aus. In der siebten Minute hatte sie im Fallen von der Grundlinie den Ball ins UHC-Tor gehämmert - dies war einer der Treffer, denen die Anerkennung verwehrt blieb, weil die Schiedsrichterinnen vorher abgepfiffen hatten. Dabei verrenkte sich die 34-Jährige auch noch den Nacken. Die Massagen des Physiotherapeuten und eine wärmende Salbe wirkten aber Wunder. Denn die Stürmerin ließ den BHC-Anhang noch einmal hoffen. Eine verwandelte Strafecke (60.) und ein für sie typisches Zaubertor (65.) fielen aber etwas zu spät, um noch die Wende herbeizuführen. Keller war traurig: "Es ist unglücklich für uns gelaufen. Trotzdem können wir stolz auf unsere Leistung sein." Auch Mülders sah es so: "Die Mädels haben so gut gespielt wie in der ganzen Saison noch nicht." Nur fürs Regieren hat's noch nicht ganz gereicht.