Karriereende

Tchigir nimmt Abschied im Wasserball-Finale der Frustrierten

Nach Duellen Spandau-Duisburg macht der Torwart Schluss

- Der Plan war ein etwas anderer gewesen. Eigentlich wollte Alexander Tchigir seine Karriere bei den Olympischen Spielen in London beenden. "Das hätte die Zeit noch ein bisschen verlängert, um zwei oder drei Monate", sagt der 44-jährige Schlussmann der Wasserfreunde Spandau, der immer noch als einer der besten Torhüter der Welt gilt. Allein die Qualifikation misslang völlig, und nun ist der Diplom-Sportlehrer "ein bisschen traurig, das wäre ein Traum gewesen". Seine vierten Olympischen Spiele. 1992 in Barcelona trat der gebürtige Moskauer noch für die GUS an, die Gemeinschaft unabhängiger Staaten aus der ehemaligen Sowjetunion, und gewann Bronze. 2004 in Athen reichte es mit dem deutschen Team immerhin zu Platz fünf, 2008 in Peking zu Rang zehn.

Nun zählt er die Tage. "Ich genieße jetzt jedes Training", sagt der Familienvater, "eine schöne Zeit meines Lebens geht zu Ende." Nicht im Kreise der Nationalmannschaft beim Kampf um eine Medaille, aber immerhin mit einem Play-off-Finale um die Deutsche Meisterschaft, wo sich fast alle der Frustrierten wiedertreffen: die meisten auf Berliner Seite, einige aber auch im Team des Herausforderers, des ASC Duisburg. Nicht in Londons Waterpolo Arena, sondern im Duisburger ASCD-Freibad und im Berliner Forumbad. Heute Abend (20 Uhr) steigt das erste Endspiel in Duisburg, am Sonnabend (16 Uhr) und Sonntag (13 Uhr) die nächsten beiden in der Stadt des 31-maligen Meisters. Es wird nach dem Modus "Best of five" gespielt, drei Siege reichen zum Titel.

Zum sechsten Mal in Folge treffen diese beiden Mannschaften in der Endspielserie aufeinander; bisher hatten immer die Spandauer das bessere Ende für sich, wenn auch oft knapp. Vergangenen Sommer endete keine der vier Partien mit mehr als einem Treffer Differenz für eines der beiden Teams. "Duisburg macht es einem nie leicht", sagt Wasserfreunde-Präsident Hagen Stamm und wagt die Prognose: "Sehr viel hängt vom ersten Spiel am Mittwoch ab." Heißt: Gewinnen die Favoriten dort, wird die Aufgabe für die Westdeutschen, die bisher nie Meister wurden, noch einmal schwerer.

Zu sicher fühlen sich die Berliner trotzdem nicht. "Die Duisburger kratzen, kratzen, kratzen", sagt Tchigir, "sie wollen provozieren, reden oft schlecht über uns." Nicht die feine englische Art, aber der sonst oft im Abseits stehenden Sportart tue es gut, trägt er die offen gelebte Feindseligkeit mit Fassung. Seine persönliche Befindlichkeit schiebt der Torhüter in den Hintergrund. Ein Finale sei immer wichtig, egal, ob nun einer der Beteiligten am Ende seiner Karriere stehe. "Das macht doch keinen Unterschied. Wir sind eine Mannschaft, wir wollen gewinnen. Es gibt Spieler bei uns, die jetzt ihren ersten Titel holen wollen."

Und er selbst ist offenbar der einzige, der nach dem Verpassen Olympias wirklich aufhört. Manche anderen Spandauer Routiniers hatten ebenfalls mit diesem Gedanken gespielt, aber nun hätten alle angedeutet, weitermachen zu wollen, sagt Stamm. Auch wenn eine gewonnene Meisterschaft kaum Trost sein kann, in London nur zuschauen zu dürfen. "Das wird alles noch mal hochkommen", glaubt Stamm, der nach der verpassten Qualifikation als Bundestrainer zurückgetreten war, "wenn die Mannschaften einmarschieren, wenn wir die ersten Ergebnisse hören."

Aber es gibt ja schon das nächste Ziel, die WM 2013 in Barcelona. Deutschland ist qualifiziert. Kein Thema mehr für Alexander Tchigir. Der hat jetzt andere Pläne: "Hauptsache, ich bleibe gesund."