Schwimmen

Für Britta Steffen können die Olympischen Spiele kommen

Berlinerin freut sich nach drei EM-Titeln auf London

- In der Sonne Teneriffas wollen sie noch ein bisschen am Gesamtkunstwerk herumpuzzeln. "Es sind noch ein paar Bausteine zu richten und dann zusammenzusetzen. Am Ende erst muss das Mosaik passen", sagte Norbert Warnatzsch, Trainer von Schwimmstar Britta Steffen, und blinzelte dabei zufrieden lächelnd in die Sonne Debrecens. Dort bei den Europameisterschaften in Ungarn gewann seine Vorzeigeathletin Gold über 50 Meter Freistil, Silber über die doppelte Distanz und zweimal Staffel-Gold.

Dass noch nicht alles in den Rennen perfekt lief und die letzten Meter meist viel zu arg schmerzten, gehörte zum Plan. Denn passen muss das Mosaik erst "am Ende", also bei den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August). Die Europameisterschaften haben aber gezeigt: Die Doppelolympiasiegerin von Peking ist auf dem richtigen Weg, um in England um die Medaillen mitkämpfen zu können. "Ich bin froh und stolz, dass das alles so gut geklappt hat", sagt die 28 Jahre alte Berlinerin. "Ich bin auf jeden Fall total motiviert und glaube, dass ich wieder das Niveau habe, vorne mitzuschwimmen."

Das war bei den Weltmeisterschaften 2011 in Shanghai/China noch ganz anders gewesen. Dort war sie hinterher gepaddelt, früher abgereist und hatte sich durch die Aktion Ärger mit dem Verband eingehandelt. Vorbei und vergessen. "Britta grübelt jetzt nicht mehr großartig darüber nach", sagt Warnatzsch. Nach den gelungenen Deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen, wo sie sich über 100 Meter Freistil auf Platz vier der Weltjahresbestenliste verbessern konnte, haben die Ergebnisse von Ungarn auch die letzten Zweifel beseitigt. Besonders der Abschlusstag der Titelkämpfe hatte es in sich: Erst siegte Steffen über 50 Meter Freistil und erzielte in 24,37 Sekunden die viertbeste Zeit des Jahres. Dann kraulte sie in der siegreichen 4x100-Meter-Lagen-Staffel grandiose 52,74 Sekunden. Und das, obwohl Steffen ihre Rennen aus dem vollen Training heraus absolvierte. "Damit hätte ich nicht gerechnet", sagt die 28-Jährige über die besten Zeiten seit ihren Weltrekorden 2009. Selbst während der Titelkämpfe war sie eisern in den Wettkampfpausen ins Wasser gesprungen, anstatt sich für Topzeiten auszuruhen.

Olympia-Favoritin ist eine andere

Dass sie im Finale über 100 Meter Freistil zu EM-Beginn deutlich gegen die Schwedin Sarah Sjöström verloren hatte, vermieste ihr auch deshalb zu keinem Zeitpunkt die Laune. Auch die erst 18 Jahre alte Sjöström war aus dem Training heraus angetreten, doch Steffens Trainer sieht das gelassen. Ob der Rückstand aufzuholen sei? "Ja", sagt Warnatzsch ohne zu zögern. Die junge Schwedin ist jedoch nur eine von mehreren starken Gegnerinnen, mit denen sich Steffen in London messen muss. Die Bürde der Favoritin jedenfalls trägt derzeit nicht die Berlinerin, sondern die Niederländerin Ranomi Kromowidjojo. Die bisher schnellste Frau dieses Olympiajahres hatte auf die Europameisterschaften in Ungarn verzichtet. Von Olympia-Gold will Deutschlands beste Schwimmerin deshalb auch gar nicht sprechen, sondern stapelt lieber tief. "Wenn eine Medaille herauskäme, wäre das der absolute Hammer", sagt sie.

Den letzten Schliff wird sie sich zusammen mit Benjamin Starke und Tim Wallburger, ihren Vereinskollegen von der SG Neukölln, ab dem 11. Juni auf Teneriffa holen. Vier Wochen Trainingslager bei Sonnenschein - beste Voraussetzungen, um das Puzzle für London zusammenzufügen. "Was bis jetzt gewesen ist, ist gut und schön, aber erst das Olympiafinale wird entscheiden", sagt Warnatzsch, "und da bin ich optimistisch."