Mitgliederversammlung

Die Morgenpost fragte Hertha-Mitglieder: Und wen wählen Sie?

Am Dienstagabend wählen die Mitglieder von Hertha BSC das neue Präsidium.

- Die Morgenpost befragte einige der Wahlberechtigten vorab nach ihrer Meinung zu den wichtigsten Punkten:

Heinz Warneke (Hertha-Präsident von 1972-74): Ich wähle Werner Gegenbauer, weil Hertha BSC keinen besseren Mann für das Amt als Präsident bekommen kann. Gegenbauer ist ein erfolgreicher Unternehmer, Ehrenpräsident der IHK und in Politik und Wirtschaft hervorragend vernetzt. Ich finde es auch richtig, dass er an Manager Michael Preetz festhält. Was Hertha jetzt braucht, ist eine langfristige Planung und Philosophie. Die Autorität dafür muss vom Präsidenten und vom Manager kommen.

Petra Woosmann (Mitglied): Ich stimme gegen Werner Gegenbauer, weil er mit für den unglücklichen Zustand unserer Hertha verantwortlich ist, indem er an Michael Preetz auf Teufel komm' raus festhält. Ich sehe dies als großes Problem, denn ich finde Herrn Gegenbauer in seiner sonstigen Art gut für den Verein. Ich hoffe, dass er bald merkt, dass Preetz zwar ein super Spieler war, aber ein lausiger Manager ist.

Dirk Greiser (ehemaliger Profi und ehemaliger Aufsichtsrat): Werner Gegenbauer ist der richtige Mann für Hertha BSC. Der Präsident schenkt den Mitgliedern reinen Wein ein, dass er sich nicht in der wichtigsten Personalie in der ersten Sitzung des neuen Gremiums überstimmen lassen will. Ich halte es für verfehlt, Manager Michael Preetz für alles allein verantwortlich zu machen.

Daniel Simon (Mitglied): Gegenbauer identifiziert sich stark mit dem Verein und hat bisher vieles richtig gemacht. Dass Gegenbauer sein Amt mit dem vom Michael Preetz verbindet, finde ich riskant, aber ich denke, auch der Manager sollte weitermachen. Er ist sicher nicht unschuldig an der Misere, meiner Meinung nach dient er aber hauptsächlich als Sündenbock.

Manfred Kuk (Mitglied): Herr Gegenbauer ist als Persönlichkeit und mit seinen Verbindungen als Präsident unverzichtbar. Herr Preetz sollte weitermachen, weil er nicht allein schuld ist. Hauptschuldiger ist die faule Mannschaft. Für mich hat Preetz eine letzte Bewährungszeit.

Steffen Kohlmeier (Mitglied): Gegenbauer ist ein Glücksfall für den Verein. Er hat persönlich viel Geld hinein gesteckt und mit seinen Verbindungen den Verein am Leben erhalten. Ob es ein anderer als Preetz unter den Voraussetzungen besser gemacht hätte? Glaube ich nicht.

Karl-Heinz Granitza (ehemaliger Hertha-Torjäger): Werner Gegenbauer hat bei Hertha Großes geleistet, deshalb bin ich nicht gegen ihn, sondern für ihn. Allerdings muss er auch aufwachen. Es spricht nicht für die Souveränität eines Präsidenten, wenn er sein Amt mit dem des Managers verknüpft. Damit drängt er die Mitglieder in eine Ecke. Es sollte einen Neuanfang geben - ohne Michael Preetz. So kann es nicht weitergehen. Er hatte vier Jahre Zeit, derweil ist Hertha eine Fahrstuhlmannschaft geworden. Preetz hat sein Amt nicht fleißig und intelligent genug ausgefüllt.

Stefan Nürnberg (Mitglied): Ich stimme für Werner Gegenbauer, weil er mit seinen Kontakten der Beste für das Amt ist. Dass er seine Tätigkeit mit dem vom Michael Preetz verbindet, finde ich richtig. Wenn ich ihn wähle, weiß ich auch, wer der Manager wird. Preetz sollte weitermachen, seine Entscheidungen lassen sich mit dem Kenntnisstand zum jeweiligen Zeitpunkt nachvollziehen.

Daniel Liebke (Mitglied): Gegenbauer hat ein sehr gutes Netzwerk innerhalb und außerhalb Berlins. Die Aussage, dass Preetz zurzeit der richtige Mann ist, vielleicht aber in sechs Monaten nicht mehr, zeigt doch, dass Preetz unter Beobachtung steht. Ich würde empfehlen, für die Kommunikation einen Fachmann einzustellen.

Markus Lübon (Mitglied): Eigentlich würde ich für Werner Gegenbauer stimmen, weil ich keinen Ersatz für seine Position sehe. Dass Herr Gegenbauer sein Amt mit dem vom Michael Preetz verbindet, finde ich unmöglich, er schreibt mir die Kandidaten quasi vor. Meine Stimme habe ich unter solchen absurden Bedingungen verloren. Daher folgt in den nächsten Tagen mein Austritt.

Rene Stolzenburg (Mitglied): Ich glaube, dass Gegenbauer noch viel bewirken und bewegen kann. Das bedeutet nicht, dass ich alles gut finde, was er in der ersten Amtsperiode getan hat. Bis jetzt ist Herr Gegenbauer leider den Beweis schuldig geblieben, dass sich diese Nibelungentreue zu Michael Preetz wirklich auszahlt. Der hat bewiesen, dass er eine Mannschaft zusammenstellen kann, die um den Aufstieg aus der Zweiten Liga erfolgreich mitspielen kann. Allerdings sollte ihm nach einem Wiederaufstieg ein Korrektiv zur Seite gestellt werden. Denn mit der Zusammenstellung einer Mannschaft für die Bundesliga ist er zum wiederholten Male gescheitert. Das hatte strukturelle Gründe.

Burkhard Stein (Mitglied): Wir können alles gebrauchen, nur keinen führungslosen Klub in den Krisenzeiten. Dann sehe ich die Existenz unserer Hertha ernsthaft gefährdet. Die öffentlichen Attacken gegen Michael Preetz halte ich für völlig überzogen, sie stellen nur eine Ablenkung dar von den eigentlichen Protagonisten, die den Karre in den Sand gesetzt haben, nämlich den Herren Spielern.