Nationalmannschaft

DFB-Team blamiert sich in der Schweiz

Im vorletzten Test vor der EM unterliegt eine schwache deutsche Mannschaft 3:5

- Bei der TSG 1899 Hoffenheim dürfte ein deutscher Ex-Nationalspieler recht zufrieden gewesen sein. Markus Babbel, der zwischen 1995 und 2000 für die Auswahl 51 Ländespiele bestritt und sich nach seinem Trainer-Engagement bei Hertha BSC nun im Kraichgau verdingt, hat möglicherweise den größten Transfercoup des Sommers gelandet. Vor drei Wochen verpflichtete Babbel den in Leverkusen vom Hof gejagten Eren Derdiyok für 5,5 Millionen Euro. Und am Sonnabend bewies der Schweizer, was in ihm steckt. Im Testspiel gegen Deutschland war Derdiyok der beste Mann, traf beim 5:3 (2:1) dreimal und hinterließ einen recht frustrierten Bundestrainer Joachim Löw.

"Wir sind enttäuscht, über das Ergebnis kann man sich nicht freuen", sagte Löw nach dem Spiel. "Nach den sehr intensiven Einheiten wusste ich schon, dass die Frische fehlt. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, um daran zu arbeiten. In diesem Spiel ist so viel passiert, das muss ich jetzt erst mal aufarbeiten." Auch der Kapitän war ein wenig ratlos. "Das ist eigentlich nicht erklärbar", meinte Miroslav Klose nach der Bruchlandung in Basel. "Wir sollten heute nicht nach Ausreden suchen. Klar, die Beine waren schwer und es war heiß... Wir haben es nicht geschafft, die Schweiz unter Druck zu setzen. Und dann ist es für die Abwehr - wenn sie ständig eins gegen eins spielen muss - sehr schwer."

Bayern-Spieler sehr vermisst

Freilich ist der Wert von Länderspielen während der Vorbereitung auf ein großes Turnier überschaubar. Und natürlich fehlte der deutschen Mannschaft im Vergleich mit den Eidgenossen noch das acht Spieler umfassende Bayern-Ensemble. Doch wie sich der Haufen der Verbliebenen in Basel teilweise vorführen ließ, lässt erst einmal nichts Gutes vermuten für die in knapp zwei Wochen beginnende Europameisterschaft in Polen und der Ukraine.

Hinten glich die Abwehr um den im Verein meist souveränen Mats Hummels aus Dortmund und den nach knapp dreimonatiger Verletzungspause zurückgekehrten Per Mertesacker zeitweise einem Betriebsfußballteam nach Feierabend. Und nach vorn blieb vieles Stückwerk. Mit den Bayern-Spielern, die am späten Sonnabend im Trainingslager in Tourrettes/Frankreich eintrafen, und den bereits seit zwei Wochen zusammengezogenen Akteuren muss Löw noch eine Menge proben. "Es hat heute recht wenig funktioniert", gestand Hummels. "Bei jedem Gegentor kann man klare Fehler erkennen, die vermeidbar waren. Man hat einfach gesehen, dass das hier noch keine eingespielte Mannschaft ist. Aber so ist das in Testspielen." Hummels' Abwehrkollege Mertesacker allerdings vermochte der ersten Niederlage gegen die Schweiz in Basel seit dem 5. April 1908 (auch damals gab es ein 3:5) sogar noch Positives abzugewinnen. "Das war ein wertvoller Test. Man hat gesehen, dass noch nicht alles läuft", sagte der Hüne des FC Arsenal. "Aber wir haben zum Glück noch ein bisschen Zeit. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir es in 14 Tagen bei der Europameisterschaft besser machen."

Das Prinzip Hoffnung begleitet die deutsche Mannschaft in der letzten Trainingsphase. Vor allem die Abwehr dürfte Löw derzeit die größten Sorgen bereiten. Bei den Treffern von Derdiyok (jeweils auf Vorlage seines gleichsam aus Leverkusen verabschiedeten Klubkollegen Tranquillo Barnetta) leistete die deutsche Defensive allenfalls Geleitschutz. Beim 1:0 (21.) war Hummels nicht ganz auf der Höhe, das nur zwei Minuten später folgende zweite Tor begünstigten Mertesacker und der Dortmunder Marcel Schmelzer. Als Hummels vor der Pause wenigstens verkürzen konnte (45.), hofften die deutschen Anhänger unter den 27.381 Fans auf eine Wende.

Doch die blieb aus. Nach dem Wechsel traf Derdiyok zum dritten Mal (49.) und versetzte dem deutschen Team den nächsten Schock. André Schürrle (64.) verkürzte zwar nochmals mit einem Fernschuss, aber dann traf Stephan Lichtsteiner per Kopf zum 4:2 (67.). Marc-Andre ter Stegen, der sein Debüt im Tor gab, wirkte in dieser Szene überfordert und könnte nun erst mal zuschauen. Bis Dienstag muss Löw noch vier Spieler seines 27 Profis umfassenden Kaders streichen. Nach dem 2:4 wirkte er am Spielfeldrand erbost und winkte ab. Hinterher wollte er dies aber nicht als direkte Reaktion auf den Fehler von ter Stegen gewertet wissen.

Wenigstens gab es aber auch noch kleine Lichtblicke. Der zur Halbzeit eingewechselte Marco Reus traf zum 3:4 (72.), Julian Draxler hatte die Vorarbeit geleistet und sich mit einem couragierten Auftritt für die EM empfohlen. Auch deshalb konnte der Schalker nach der Partie als einer der wenigen im Lager der Deutschen lächeln. "Wir sollten jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, sondern an unsere Stärke glauben", sagte der Nationalmannschaftsdebütant, der noch hatte mit ansehen müssen, wie der Schweizer Admir Mehmedi den Endstand besorgte (76.).

Deutsche EM-Gegner schwächeln

Dass die Deutschen nicht als einziger EM-Teilnehmer zwei Wochen vor dem Auftakt noch Schwächen zeigen, ist ein kleiner Trost. Gruppengegner Dänemark ließ sich beim 1:3 (0:3) gegen Brasilien in Hamburg phasenweise ähnlich vorführen wie das Löw-Team. Portugal, Kontrahent beim Start, kam gegen Mazedonien nicht über ein 0:0 hinaus. Und die Niederlande, ebenfalls in der deutschen Gruppe, verloren in Amsterdam durch ein Tor in letzter Minute mit 1:2 (1:0) gegen Bulgarien.

Überhaupt könnte sich das Erlebnis in Basel am Ende noch als gutes Omen erweisen. "Wir haben bei der WM 2010 als einzige die Spanier geschlagen, danach wurden sie Weltmeister", sagte Schweiz-Trainer Ottmar Hitzfeld. "Ich bin jetzt davon überzeugt, dass Deutschland Europameister wird."