Amateurfußball

Die dritte Macht

Wie Regionalligist BAK im Berliner Fußball den Platz hinter Hertha BSC und dem 1. FC Union erreicht hat

- Blau-weiße Hertha, du bist unser Sportverein - so heißt es in einer altehrwürdigen Hymne des zumindest in Charlottenburg immer noch gefühlten Bundesligisten. Doch "unser" heißt nicht "unser aller". Womit beim durchaus neutralen Fan des kickenden Gewerbes durchaus die Frage aufkommen wird: Hertha BSC - und dann?

Sicher, da ist der 1. FC Union. Jener Köpenicker Klub, der die beste Zweitliga-Saison unter Trainer Uwe Neuhaus hinter sich hat. Der sich seit Jahren nicht unbedingt als Konkurrent, eher als Gegenpart zur Profiwelt a la Hertha versteht. Motto: Fußball pur. Der Klub, der in Liga zwei in der Saison 2012/13 in zwei Spielen seinen Stadtmeistertitel verteidigen will.

Und dann? Was kommt nach Hertha und Union? Namhafte Konkurrenten wie Tennis Borussia (Berlin-Liga), der BFC Dynamo (Oberliga) oder Türkiyemspor haben entweder immer noch mit den Folgen eines Absturzes zu kämpfen, stehen sich selbst im Weg oder mussten in die Insolvenz gehen und sind damit vom Spielbetrieb abgemeldet.

Doch ein Verein hat sich heimlich, still und leise zur Nummer 3 in Berlin gemausert, von dem man dies im ersten Moment nicht erwartet hatte: der Berliner Athletik Klub 07, kurz: BAK. Der Regionalligist, bei dem "alle an einem Strang ziehen", wie BAK-Manager Fikret Ceylan sagt, "jeder arbeitet für den anderen mit." Nur so schaffte der Klub im vergangenen Jahr den Aufstieg in die Viertklassigkeit. Das Team von Trainer Jens Härtel erreichte auf Anhieb einen ausgezeichneten siebten Platz, zehn Punkte vor dem Lokalrivalen Hertha BSC II (Rang 14). Morgen (15 Uhr, Jahn-Sportpark) kann der Klub die Saison mit einem Sieg im Berliner Pokalfinale gegen den Berlin-Ligisten SC Gatow krönen und sich somit auch für die erste Runde des DFB-Pokals qualifizieren.

Schon 2010 im DFB-Pokal

Sucht man nach den Gründen für die Stärke des Kiezklubs, landet man schlussendlich immer beim 2010 zum BAK gekommenen Manager Fikret Ceylan. Mehr als 25 Jahre leitete der türkisch-stämmige Gastronom die Geschicke bei Türkiyemspor. Mitverantwortlich für mehrere Aufstiege und die nur knapp verpasste Qualifikation für die Zweite Liga, machte Ceylan sich weit über Kreuzberg hinaus einen Namen. Als es 2010 zum Bruch mit dem neu gewählten Vorstand kam, verließ der Geschäftsmann seinen Verein und heuerte ausgerechnet beim Konkurrenten im Wedding an. Der hieß damals noch Berlin Ankaraspor Kulübü 07, wegen des 2006 geschlossenen Kooperationsvertrags mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor. Als die Türken ihr Engagement nach nur einer Saison einstellten, war die finanzielle Situation unverändert schlecht. 2010 sollte eine Fusion mit dem Berliner Oberligisten Club Italia endlich für finanzielle Sicherheit sorgen. Abgewendet wurde der Zusammenschluss nur durch den Sieg im Berliner Pokal (1:0 gegen BFC Dynamo) und die damit verbundenen Einnahmen aus dem DFB-Pokal (1:2 in Runde eins gegen Bundesligist Mainz 05).

"Als ich 2010 hier angefangen habe, war der Verein eine Lachnummer", sagt Ceylan über seine Anfänge bei den Weddingern. "Man hat hier sehr viel investiert, sowohl wirtschaftlich als auch organisatorisch alles versucht, und trotzdem hat man nichts erreicht." Mit dem 53-Jährigen, der neben einigen Spielern auch einen Teil seines Teams von Türkiyemspor mit zum BAK brachte, einigte man sich auf einen Vertrag über zwei Jahre. In dieser Zeit sollte er dafür sorgen, dass der Verein das Ziel Aufstieg erreichen kann: "Wir haben das Team umgebaut und vor allem in die Jugendarbeit investiert, um den Aufstieg in die Regionalliga 2012 auch wirklich schaffen zu können. Dass es sogar schon im ersten Jahr geklappt hat, ist natürlich umso schöner", sagt Ceylan rückblickend.

Durch die Unterstützung vom Berliner Senat und privaten Spendern ist es außerdem gelungen, die Finanzen beim Regionalligisten endlich unter Kontrolle zu bringen "In dieser Saison sieht es wirtschaftlich sehr gut aus. Durch Sponsoren und Einnahmen aus dem Pokal sind wir sogar im Plus", erklärt Ceylan. Angesichts der turbulenten Vergangenheit des Vereins ist das ein großer Schritt.

Wenn Fikret Ceylan über die sportliche Zukunft des BAK spricht, wird er nachdenklich. Zu viele Unsicherheiten gebe es, um momentan über die Dritte Liga oder sogar mehr zu sprechen: "Die Dritte Liga ist bislang nicht in Reichweite. Dazu stimmt das Umfeld noch nicht. Nehmen wir als Beispiel die Trainingsplätze - das sind eher Kartoffeläcker." Immerhin soll die Haupttribüne in der Heimspielstätte Poststadion dieses Jahr fertiggestellt werden. Aber, so Ceylan, "die finanziellen Mittel vom Senat sind auch begrenzt".

Ob Ceylan mit dem BAK noch mehr erreichen wird, weiß er momentan noch nicht: "Ich habe hier noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2012, den erfülle ich erst mal. Ob ich darüber hinaus weitermache, ist noch unklar. Der Vorstand will zwar verlängern, aber vielleicht übernehme ich auch einen anderen Verein und führe den in die Regionalliga. Das wäre etwas, was mir sehr viel Spaß machen würde."