Handball

"Die Füchse sind der Überraschungsgast"

Iker Romero will mit den Berlinern im Final Four der Champions League dem THW Kiel das Tripel verderben. Halbfinale am Sonnabend

- Sein rechter Arm ist sein Kapital, gern schützt Iker Romero daher die empfindliche Muskulatur mit einer Manschette. Dennoch ist das blauschwarze Kreuz zu sehen, das auf der Innenseite tätowiert ist. Der Glaube spielt eine zentrale Rolle im Leben des Spaniers in Diensten der Füchse Berlin, jedes Mal vor Betreten des Handballfeldes bekreuzigt sich der Rückraumspieler dreimal, und sein Vertrauen in die eigene Stärke hat etwas Unerschütterliches und Kraftvolles. Auch deshalb blickt er zwar freudig erregt, aber zugleich auch gelassen auf das Final Four in der Champions League, bei dem die Füchse am Sonnabend in Köln im ersten Halbfinale auf den deutschen Rekordmeister THW Kiel treffen (15.15 Uhr, live bei Eurosport).

"Ein Halbfinale in der Champions League macht mich nicht nervös, da müssen schon andere Dinge kommen", sagt er und lacht laut auf, "alles ist möglich. Auch Kiel kann mal verlieren. Wir müssen nur daran glauben - an uns selbst glauben und alles geben. Wir wollen die Tage in Köln richtig genießen." Zudem stehen sich Romeros ehemaliger Verein BM Atletico Madrid und AG Kopenhagen im zweiten Semifinale gegenüber.

Erfahrung in der Königsklasse

Es ist freilich nicht nur sein tiefer Glaube, der ihm diesen Mut verleiht. In seiner Zeit als Handballprofi hat der 31-Jährige bereits viele große Siege errungen, darunter auch zwei Mal in der Champions League mit dem FC Barcelona. Romero ist der einzige Handballspieler, der sich bislang für alle drei Endrunden-Turniere in der Königsklasse qualifizieren konnte. Und er ist am Wochenende der einzige Spieler, der 2011 im Finale stand und es gewann. "Das heißt, wir haben einen riesigen Erfahrungsvorteil. Am besten wäre, wir würden nur mit Romeros antreten", sagt Berlins Geschäftsführer Bob Hanning. Als "Marketinggag" hatten einige Experten vor dem Saisonstart die Verpflichtung Romeros bezeichnet und den früheren Weltmeister schon als Auslaufmodell abgetan. Jene Fachleute haben ihre Meinung längst revidiert. Romero hat bewiesen, wie wertvoll er für die Füchse ist. "Er ist bei uns der Mann für die besonderen Momente", schwärmt Hanning. Der frühere National-Linksaußen Stefan Kretzschmar ist voll des Lobes: "Er ist ein sympathischer Typ und bereichert die Liga."

Allein in den beiden Viertelfinal-Partien gegen Ademar Leon warf Romero 14 Tore, Romero trug somit entscheidend dazu bei, dass der Hauptstadtklub den Elf-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel wettmachte und das viel beschworene Wunder von Berlin schaffte. "Niemand hat gedacht, dass wir das noch gegen Leon packen", sagt Romero und vergleicht den Einzug in die Endrunde der Champions League mit einer Wassermelone. "Sie schmeckt sehr, sehr süß."

Nun also stehen die Füchse im Final Four. Das darf gemeinhin als Sensation angesehen werden, spielen sie doch zum ersten Mal überhaupt in der Champions League mit. "Wir sind auf einer tollen Party der Gast, mit dem niemand gerechnet hat, dass er dabei ist. Wir sind der Überraschungsgast", sagt Romero in seinem ihm eigenen Sprachengemisch aus Deutsch, Englisch und Spanisch und fuchtelt dabei mit den Armen in der Luft herum. Stillsitzen ist seine Sache nicht. Aber er ist ja auch Spanier mit südländischem Temperament. Und als dieser fühlt er sich in der Metropole Berlin "so richtig wohl". "Was sollte nach Barcelona auch noch kommen?", fragt er und schiebt die Antwort gleich hinterher: "Na klar, Berlin. Hier herrscht internationaler Flair." Ein paar Wochen hat er zu Beginn zum Einleben schon gebraucht, war ja auch alles neu für ihn, immerhin sind die Füchse sein erster Handballverein außerhalb der spanischen Heimat. Aber die Fans haben ihn sofort ins Herz geschlossen. "Iker ist einfach ein guter Typ, den jeder mögen muss", sagt Hanning über den Weinkenner, der mit der Familie eine Kellerei in der spanischen Provinz Rioja besitzt und edle Tropfen zu schätzen weiß.

Liebling der Füchse-Fans

In kürzester Zeit ist Romero zum Liebling der Anhänger und zu einer Integrationsfigur im Berliner Handball geworden. Trainer Dagur Sigurdsson erklärt das mit der Wesensart des Spaniers. "Allein seine Präsenz und wie er mit den Mitspielern umgeht und ihnen Mut zuspricht, ist beeindruckend. Solche Typen können ganz viel erreichen", erklärt der Coach der Berliner, die als Tabellendritter der Bundesliga erneut auf Champions-League-Kurs liegen. "Iker hat auf der ganzen Welt Freunde. Ich kenne keinen, der nicht mit ihm auskommt."

Im Halbfinale gegen den Deutschen Meister und Pokalsieger Kiel, der seine überragende Saison mit dem Tripel krönen will, sind die Füchse klarer Außenseiter. Iker Romero aber sieht für seine Mannschaft durchaus eine Chance, "weil wir mit den Füchsen etwas Großes erreichen können. Wir müssen uns aber zu einhundert Prozent auf das Spiel gegen Kiel fokussieren", sagt er und wird mit einem Mal ernst: "Es sollte uns nicht genug sein, im Final Four zu stehen."