Personalien

Hertha hat keine Lust auf ein Schlachtfest

Präsident Gegenbauer stellt sich erneut vor seinen Manager. Preetz räumt Fehler ein, einen Rücktritt aber schließt er aus

- Einen turbulenten Abend erlebten 608 Mitglieder bei der Veranstaltung "Hertha im Dialog" unterm Funkturm. Im Mittelpunkt der Kritik stand Michael Preetz. Der Manager erklärte, dass er die Verantwortung für den zweiten Abstieg in seiner dreijährigen Amtszeit übernehme. Gleichzeitig lehnte Preetz jedoch ab, zurückzutreten. "Ich stelle mich der Verantwortung und der Kritik. Ich stehe mit ganzer Kraft bereit, um den schwierigen Weg bei Hertha BSC weiterzugehen." Auch Präsident Werner Gegenbauer stellte sich erneut vor Preetz. Mit Blick auf die Mitgliederversammlung samt Neuwahl des Präsidiums am Dienstag nach Pfingsten sagte Gegenbauer den Kritikern: "Was Sie wollen, ist ein Schlachtfest. Das kommt mit mir nicht in Frage."

Heute steht bereits der nächste wichtige Termin an. Hertha BSC verhandelt ab 12.30 Uhr vor dem DFB-Bundesgericht um die Frage, ob die Wertung des Relegations-Rückspiels gegen Fortuna Düsseldorf (2:2) aufgehoben wird. Der Ausgang dieses Verfahrens ist immens wichtig: Entweder steigt Hertha in die Zweite Liga ab oder bleibt Bundesligist. Manager Preetz sagte: "Wir sind mit der Urteilsbegründung des DFB-Sportgerichtes überhaupt nicht einverstanden. Wir sehen gute Gründe dagegen vorgehen. Wir kämpfen darum, dass durchgesetzt wird, was Recht ist: Es ist unstrittig, dass die letzten Minuten des Spiels irregulär waren. Wir sehen gute Chancen für Hertha BSC."

Die Berufungsverhandlung in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main leitet Goetz Eilers als Vorsitzender Richter des Bundesgerichts. Hertha will Verfahrensfehler in der ersten Instanz nachweisen. Im Sportgerichts-Verfahren hatte Richter Hans E. Lorenz keine TV-Bilder zugelassen. "Es gibt Videobeweise, die zeigen, dass die Umstände klar zu einer Schwächung geführt haben", sagte Herthas Anwalt Christoph Schickhardt. Fortuna Düsseldorf geht mit einem mulmigen Gefühl in die nächste Verhandlung. "Eine Berufung ist kein Scheingefecht", sagte Finanzvorstand Paul Jäger.

Bei "Hertha im Dialog" standen zunächst die Trainer im Mittelpunkt, genauer gesagt, die Trennungen von Markus Babbel und Michael Skibbe. Preetz sagte: "Wir haben die Kontinuität auf der Trainer-Position nicht hinbekommen." Enttäuscht zeigte sich der Manager von Babbel. "Es reicht nicht aus, sich eine Hertha-Fahne auf den Arm zu tätowieren. Da hat jemand ein Sprungbrett gesucht, um Hertha in die Bundesliga zu führen. Um dann zu einem anderen Verein zu springen. Es hat bei ihm aber zu keiner Zeit den Schulterschluss mit Hertha gegeben." Die Reaktion im Saal war zwiespältig. Es gab Buh-Rufe im Publikum und Pfiffe für Preetz, so etwas hatte es lange nicht gegeben.

Der Manager wirkte etwas irritiert, fing sich aber und verteidigte die Entlassung von Babbel kurz vor Weihnachten: "Wenn jemand seinen direkten Vorgesetzten und auch den Präsidenten derart attackiert, ist eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich." Zuvor hatte Finanzchef Ingo Schiller erklärt, dass Hertha Babbel bereits unmittelbar nach dem Aufstieg im Mai 2011 ein Angebot für eine Vertragsverlängerung gemacht hat.

Im Anschluss hatte der Manager einen schweren Stand bei der Personalie Skibbe. "Ich bin verantwortlich dafür, dass es nicht geklappt hat. Auch ich bin fürchterlich enttäuscht über den Verlauf der Rückrunde. Wir haben in den Heimspielen gegen Wolfsburg, Freiburg und Lautern die Punkte nicht gemacht, die wir benötigt hätten. Wir hatten zu viele Auftritte, wo die Mannschaft nicht als Mannschaft aufgetreten ist."

Doch Preetz kam nicht aus der Defensivposition heraus. Dass die Außendarstellung des Klubs in den vergangenen Monaten äußerst desolat war, musste er ebenso einräumen wie Probleme mit dem Nachwuchs. "Wir müssen die Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis verbessern. Wir müssen sehen, dass die Jungs schneller durchkommen. Was uns fehlt, ist ein Kracher wie Mario Götze in Dortmund." Hertha wird in der Zweiten Liga deutlich sparen müssen. Preetz sagte, dass "überall die Kosten reduziert werden. Aber nicht im Nachwuchsbereich. Dort werden wir eher investieren."

In der Fragestunde stand Werner Gegenbauer im Mittelpunkt. Diverse Mitglieder fragten, warum der Präsident sein Schicksal mit Michael Preetz verknüpft. Gegenbauer erklärte, dass er Preetz trotz der schlechten sportlichen Bilanz für den richtigen Mann halte. Er unterstützte den Manager in der Frage der Babbel-Entlassung "Ich war nahe dran. Die Thematik Babbel war nicht die Schuld von Michael Preetz."

Der Präsident sagte: "Unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Das Zusammenspiel von Sport und Finanzen muss funktionieren. In dieser Saison war das nicht der Fall. Aber ich kann das Gequatsche von Berlin und der einzigen Hauptstadt ohne Erstligisten nicht mehr hören. Es geht in dieser Besetzung in der Geschäftsführung - und nicht anders." Emotional wurde es beim Thema Gerüchte. So kursiert im Internet die (falsche) Behauptung, der Präsident stehe zu Preetz, weil der Manager mit einer Gegenbauer-Tochter liiert sei. "Irgendwann ist der Topf voll", zürnte Gegenbauer, "entweder hört das mit den Seuchengerüchten auf, oder es wird nicht mit vernünftigen Leuten weitergehen."

Die Argumentation des Präsidenten war angekommen, doch ein Mitglied stöhnte: "Herr Gegenbauer, ich mag Sie, Sie sind wichtig für Hertha. Aber warum machen Sie es mir so schwer, Sie zu wählen?" Gegenbauer schmunzelte: "Ich mache das nicht aus Bockigkeit, sondern weil ich glaube, dass es Sinn macht, in dieser personellen Situation weiterzumachen." Wer genau hinhörte, konnte jedoch entnehmen, dass der Präsident Preetz damit eine allerletzte Chance gibt. Seine Position zum Manager stehe, sagte Gegenbauer, "aber ob das auch in einem halben Jahr noch so ist, sei dahingestellt."