Britta Steffen und Paul Biedermann

Gold und Silber für das Traumpaar

Titeljagd von Schwimmerin Britta Steffen und Freund Paul Biedermann verläuft bei EM gut - Sarah Poewe gewinnt Gold

- Ihre Silbermedaille hat Britta Steffen schon ein paar Sekunden nach der Siegerehrung verschenkt. Sie will das Edelmetall auch gar nicht wieder haben. Nicht aus Frust über die Farbe, auch nicht aus Ärger über ihre Leistung, die sie zuvor über 100 Meter Freistil bei den Europameisterschaften geboten hatte. Ihr war ganz einfach danach, einem besonderen Menschen eine Freude zu machen. Kai Steinbrunn heißt der Glückliche, dem sie in Debrecen/Ungarn ihre Medaille in die Hand drückte und sagte: "Das ist zwar kein Gold, was du verdient hättest, aber ich habe nur Silber." Sorgen muss sich Steffens Freund Paul Biedermann aber nicht machen.

Der Weltrekordhalter aus Halle hätte Mittwochabend sogar Gold verschenken können, nachdem er über 200 Meter Freistil seinen Titel verteidigt hatte. Es war bereits sein zweiter Sieg bei dieser EM. Der Berliner Tim Wallburger verpasste in dem Rennen Platz drei um nur drei Hundertstel. Biedermanns Gold blieb nicht das einzige am dritten Tag der Meisterschaften: Die Wuppertalerin Sarah Poewe schwamm die 100 Meter Brust überraschend stark und siegte ebenfalls. Die vierte Medaille für das deutsche Team innerhalb von 25 Minuten räumte Daniela Schreiber ab, die über 100 Meter Freistil kurz nach Steffen anschlug. Ein erfolgreicher Tag also für den Deutschen Schwimm-Verband und für das Vorzeigepaar des deutschen Sports. Die Rennen zeigten aber auch, woran es noch hapert auf dem Weg zu den Olympischen Spielen, und so war Steffen mit Silber am Ende fast glücklicher als Biedermann.

Aber zurück zu Steffens silbern glänzendem Geschenk. Da gab es Erklärungsbedarf, denn so manch einer könnte ihr die Szene als Arroganz und Ignoranz auslegen. "Es klingt vielleicht abgehoben, es ist aber nicht so gemeint", fing die Doppelolympiasiegerin an. "Wenn man so viel gewonnen hat, lässt das Gefühl, dass es etwas Besonderes ist, schon ein bisschen nach. Ich habe festgestellt, dass Menschen, die sehr mitfiebern, sich total über ein Andenken freuen." 2006 begann sie damit, Medaillen an liebgewonnene Personen zu verteilen - nicht jedoch die WM- und Olympiaplaketten. Die hütet sie bei sich zu Hause. Kai Steinbrunn nun ist ein gewichtiger Mann aus Hamburg, der oft in Berlin als Hallensprecher arbeitet - so wie jetzt bei der EM. "Er ist so ein toller Typ. Er kümmert sich um uns, macht und tut", sagte die 28-Jährige. Steinbrunn machte Steffens Aktion "sprachlos", wie er sagte. Und das komme nicht allzu oft vor.

Die Berlinerin plauderte nach ihrer Siegerehrung und der ungewöhnlichen Geste munter drauf los. Eine Enttäuschung war die Niederlage gegen die junge Schwedin Sarah Sjöström (18) keinesfalls. Und dass sie in 54,15 Sekunden fünf Zehntelsekunden langsamer als bei den Deutsche Meisterschaften schwamm, ist längst kein Grund zur Sorge. In Berlin war Steffen ausgeruht an den Start gegangen, um die Olympianorm zu schaffen. Das glückte - die EM bestreitet sie deshalb aus vollem Training heraus, um in London auf den Punkt fit zu sein.

"Wenn du vorbereitet bist, kommst du bombig durch ein Rennen und kannst am Ende noch die Arme und Beine ordentlich bewegen. Wenn du nicht erholt bist, stirbst du die letzten 20 Meter und alles fängt an zu brennen und zu ziepen", sagte sie. Steffen war deshalb guten Mutes, als sie feststellte, immerhin "nicht ganz so früh gestorben" zu sein. "Die Zeit war zwar nicht der Knaller, aber es ist nicht mehr drin in dieser Situation", sagte sie. "Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und zu den Spielen noch was draufpacken werde." Das wird auch Sjöström können, die ebenfalls aus vollem Training schwamm und gleich nach dem Rennen ins Höhentrainingslager reiste.

Eingestimmt hatte sich Steffen auf ihr Rennen mit dem Lauf von Paul Biedermann, den sie über einen Bildschirm im Warteraum beobachtet hatte. Ob sie nervös gewesen sei? "Nö, ich wusste, dass er es kann", sagte sie. Mit der Titelverteidigung klappte es dann auch, doch die 1:46,27 Minuten fand Biedermann nicht prickelnd. Die Meinung des Österreichers Markus Rogan teilte der Deutsche jedenfalls nicht. Der klopfte ihm im Vorbeigehen auf die Schulter und sagte mit einem Grinsen im Gesicht: "Tu nicht so, Paul. Du bist doch locker geschwommen."

Nein, locker hatte es auf den letzten Metern nicht mehr ausgesehen. Und genau damit haderte Biedermann. "Die letzten 25 Meter habe ich gehackt wie blöd. Ich bin noch nicht so fit, wie ich sein sollte", sagte er. Besser machen kann er es Samstag in der 4x200-Staffel.