Bayern München

Holländer raten Robben zum Bayern-Abschied

Das Chelsea-Drama wirkt nach. Unabhängig der Pfiffe planen die Münchener mit dem Stürmer

- Endlich Urlaub für die Profis des FC Bayern. Kein Innenpfosten mehr, kein Drogba, kein Ball. Diego Contento und Rafinha haben bis zum ersten Training am 3. Juli Zeit zum Reisen und Faulenzen. Für die acht deutschen Nationalspieler der Münchner sind die Ferien schon Sonnabend beendet. Dann reisen sie ins Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft nach Frankreich. Abschalten im Schnelldurchgang.

Nach dem 4:5 im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea müsse jeder schauen, "wie er das loskriegt. Ein bisschen Zeit werden wir noch brauchen", so Mittelfeldspieler Toni Kroos. Es ist das eingetreten, was Bundestrainer Joachim Löw befürchtet hat: Die Niederlage hat die Nationalspieler deprimiert zurückgelassen. Nach dem 3:2 im Kompensationsspiel gegen die Niederlande am Dienstagabend zeigte sich: Es ist noch schlimmer als gedacht.

Bastian Schweinsteiger war wegen einer Wadenprellung nicht zum Einsatz gekommen und verließ wortlos das Stadion. Er hatte gegen Chelsea den letzten Elfmeter der Bayern verschossen. Und - wie erst jetzt bekannt wurde - sich in der Partie eine Muskelquetschung zugezogen und trotzdem weitergespielt. "Je mehr Abstand du gewinnst, umso schwieriger ist es", sagte Thomas Müller. Am Sonntag nach dem Debakel seien alle noch entgeistert gewesen, er hätte alle Stunde den Kopf geschüttelt, Montag alle drei Stunden. Jetzt weicht die Fassungslosigkeit etwas noch Schlimmerem - dem Frust. "Wenn du dir das ganze Szenario noch mal überlegst, bist du extrem negativ drauf."

Die Auswirkungen der Niederlage sind enorm. Wie ein Kater nach einer durchzechten Nacht verschwinden die Gedanken an diese Niederlage nur langsam, bei Fans und Spielern, das macht vielen das Leben schwer. Vor allem Arjen Robben. Der Offensivstar der Bayern bekommt derzeit die ganze Wut und Enttäuschung der Fans ab. Als der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk ihn am Dienstag in der 76. Minute einwechselte, buhten ihn einige Bayern-Fans aus. Als er dann an den Ball kam, pfiffen viele Zuschauer. Und setzten das bis zum Spielende fort. Sie machen Robben als Schuldigen für die enttäuschende Saison aus: Er hatte sowohl im entscheidenden Bundesligaspiel gegen Dortmund (0:1) als auch im Finale gegen Chelsea einen Elfmeter vergeben. Einige Fans versuchten, mit Sprechchören für Robben dagegen zu halten, doch die Pfiffe waren lauter. Nach dem Spiel umarmte Schweinsteiger seinen Kollegen. Da waren sie unter sich, die beiden, die der Fußball-Blues am schlimmsten erwischt hat.

Robbens Nationalmannschaftskollege Mark van Bommel spielte bis vor einem Jahr selbst für den deutschen Rekordmeister und sagte: "Es ist eine Schande, dass Arjen ausgepfiffen wurde." An Robbens Stelle würde er sich die Rückkehr nach München nach der Europameisterschaft genau überlegen.

Robben hat seinen Vertrag gerade bis 2015 verlängert. Ein Fehler - meinen einige Nationalmannschaftskollegen. Wesley Sneijder attackierte gar die Bayern-Führung um Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Es war schon die Tage zuvor zu sehen, dass keiner aus dem Klub ihn geschützt hat. So vergraulen sie ihn. Wenn es nach mir geht, kommt er im Sommer zu mir zu Inter Mailand." Robben reagierte professionell und ging nach Abpfiff vor die Fankurve, dafür gab es Applaus. Nach dem Spiel wollte er sich nicht äußern.

Am Mittwoch entschuldigten sich nach Angaben des FC Bayern zahlreiche Fans im Namen des Publikums. Am Freitag reist Robben zur niederländischen Nationalmannschaft. Bert van Marwijk verlegte das Training auf den Nachmittag, damit Arjen Robben mehr Zeit zur Erholung bleibt. Zeit zum Nachdenken wird er sich nehmen.