Motorsport

Die Formel 1 geht in Monte Carlo auf Rekordjagd

Noch nie gab es sechs Sieger in den ersten sechs Rennen

- Der 70. Grand Prix von Monaco treibt die Faszination Formel 1 auf die Spitze. Nach dem verrückten ersten Saisonviertel könnte die Königsklasse mit einem sechsten Sieger im sechsten Rennen sogar eine Marke für die Geschichtsbücher setzen. "In Monaco besitzen mindestens zehn Fahrer Siegchancen", sagt Mercedes-Hoffnung Nico Rosberg. Eine Wette wagt nach der bisherigen Achterbahn niemand mehr. Auch Titelverteidiger und Vorjahressieger Sebastian Vettel nicht. Der Red-Bull-Pilot kommt gemeinsam mit Fernando Alonso (Spanien) im Ferrari als WM-Führender (beide 61 Punkte) an die Cote d'Azur, Favorit ist er deswegen aber nicht.

Noch nie seit dem WM-Start am 13. Mai 1950 in Silverstone gab es sechs verschiedene Gewinner in den ersten sechs Saisonläufen. Fünf Sieger gab es zuletzt 1983. Nelson Piquet siegte in Brasilien, John Watson beim Großen Preis der USA-West und Alain Prost in Frankreich. In San Marino war Patrick Tambay der Schnellste, in Monaco dann Keke Rosberg.

Höllisch eng und voller Tücken

2012 aber erscheint alles möglich. Wenn wie zuletzt in Spanien sogar ein Nobody wie Pastor Maldonado (Venezuela) im Williams triumphieren kann, darf sich fast jeder Sieges-Hoffnungen machen. Gerade in Monaco kommt ein Sieg fast einem WM-Titel gleich. "In Monte Carlo will jeder Fahrer mal gewinnen", sagt McLaren-Star Jenson Button. Der Brite ist einer von sieben Piloten im aktuellen Feld, die schon mindestens einmal als Sieger in die Fürstenloge durften. Neben dem Red-Bull-Duo Vettel und Mark Webber, die in den beiden Vorjahren zuerst im Ziel waren, gelang das Kunststück auch schon Lewis Hamilton (England, McLaren), Kimi Räikkönen (Finnland, Lotus) und Alonso.

Michael Schumacher fehlt mit fünf Monaco-Erfolgen sogar nur ein weiterer Sieg zur Bestmarke von Ayrton Senna. Doch der 43-Jährige muss zur Strafe für den jüngsten Crash mit Bruno Senna fünf Plätze weiter hinten starten. Die Vorfreude will sich der Mercedes-Mann dadurch nicht nehmen lassen: "Das Fahren dort macht so wahnsinnig viel Spaß."

Dabei ist der Stadtkurs eigentlich das Gegenteil der modernen Formel 1: Höllisch eng und voller Tücken. Aber auf das Kronjuwel im Rennkalender mag niemand ernsthaft verzichten. Nirgendwo schillert die Formel 1 so wie am Yachthafen von Monte Carlo, nirgendwo sind die Partys exklusiver und die Reichen und Schönen in größerer Zahl am Pistenrand. Sainte Devote, Tunnel, Schwimmbad oder Rascasse - die Wegmarken der nur 3,340 Kilometer langen Strecke lassen Herzen höher schlagen. 78-Mal müssen die Piloten daran vorbei, dann steht der Sieger fest. Der sechste der Saison?