Düsseldorf

Für Edelfan Campino ist Herthas Protest "unanständig"

Es ist eine Freude mit Verzögerung.

- Oder, wie es Edelfan Campino ausdrückte, eine Freude mit einer "gewissen Verunsicherung". Der Sänger der "Toten Hosen" benötigte jedenfalls etwas Zeit, um sich darüber freuen zu können, dass es seine Düsseldorfer Fortuna nach 15-jähriger Abstinenz mit zeitweiliger Viertklassigkeit wieder zurück in die Bundesliga geschafft hat. Der Protest der Berliner werde aber letztlich nichts daran ändern, glaubt Campino. Zumal es ohnehin "unanständig" sei, wie der Sänger der Punkrock-Band, der am Dienstag im Stadion mitgezittert hatte, betonte: "Das ist die letzte Kugel, die ein um die Existenz spielender Verein spielt."

Diese Sichtweise teilt Campino mit der überwiegenden Mehrheit der Düsseldorfer Fans. Zumal auch die Begründung von Herthas Anwalt Christoph Schickhardt aus deren Sicht völlig überzogen wirkt. "Wenn man Anwälte losschickt, die behaupten, man habe Todesangst spüren können, ist das eine Verunsicherung auf einem gefährlichen Niveau", sagte Campino. Mit einem Wiederholungsspiel rechnet man in Düsseldorf nicht. Norbert Meier gab der Mannschaft trainingsfrei. "Ich freue mich auf eine geile Zeit in der Bundesliga", sagte der Trainer, der sich mit den Spielern im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte. Vor dem Ratshaus hatten sich spontan etwa 2000 Fans eingefunden. Die Aufstiegshelden wirkten übermüdet nach einer durchfeierten Nacht, die in der Nobeldisko "Nachtresidenz" geendet hatte. "Das Schönste ist, dass mich nun niemand mehr auf den Aufstieg ansprechen kann", sagte Meier: "Schließlich gibt es ja keine Liga mehr, in die wir noch aufsteigen könnten."

Die große Aufstiegsfeier soll jedoch erst im August stattfinden. Der ursprüngliche Plan, bereits am kommenden Sonnabend mit den Fans auf dem Marktplatz vor dem Rathaus zu feiern, wurde überraschend verworfen. Angeblich aus "organisatorischen und zeitlichen" Gründen, wie der Verein mitteilte. Mit der Entscheidung des DFB-Sportgerichtes, die für heute erwartet wird, hätte dies nichts zu tun. An der Abschlussfahrt nach Mallorca aber hält der Klub vorerst fest.