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Hertha setzt auf Jos Luhukay

Der Holländer gilt als "kleiner Diktator". Sein Vertrag läuft bis 2014 und gilt auch für die zweite Liga

- Bei Hertha BSC wird auf vielen Ebenen parallel gearbeitet. Während in einigen Zimmern der Geschäftstelle Vereinsjurist Thomas E. Herrich und Star-Anwalt Christoph Schickhardt die Argumentation für die Verhandlungen vor dem DFB-Sportgericht verfassten, wurde auf der anderen Seite des Flurs eine Schlüsselpersonalie entschieden. So schwebte Jos Luhukay (48) aus Düsseldorf kommend in Berlin ein und unterschrieb einen Vertrag als neuer Hertha-Trainer bis Juni 2014. Er gilt für die erste und die Zweite Liga. Hertha-Manager Michael Preetz sagte: "Wir sind sehr froh, dass wir Jos Luhukay für die kommenden zwei Jahre verpflichten konnten."

Die Mannschaft wird im Wiederholungsspiel in der Relegation, falls der DFB so entscheiden würde, vom bisherigen Trainer Otto Rehhagel betreut. Öffentlich wird der Niederländer erst vorgestellt, wenn die Saison 2011/12 beendet ist.

Was das Salär angeht, kommt Luhukay für Hertha günstiger als einige Vorgänger. Dem Vernehmen nach bezieht er ein Jahres-Grundgehalt von deutlich unter einer Million Euro. "Ich freue mich auf die extrem reizvolle Aufgabe bei Hertha BSC und in Berlin. Ich habe Michael Preetz meine Zusage deshalb ganz bewusst für beide Ligen gegeben", sagte er.

Rangnick wollte sich nicht festlegen

Nur wenige Beobachter hatten diese Entwicklung vorhergesehen. Ralf Rangnick, der sich von seinem Burnout erholt hat, wäre die spektakuläre Lösung gewesen. Der ehemalige Schalker Coach, mit dem Hertha mehrfach gesprochen hat, wurde es aber nicht. Er war interessiert an dem Projekt in der Hauptstadt, wollte sich aber über längere Zeit nicht grundsätzlich festlegen. Offenbar sieht Rangnick seine Perspektiven in der Bundesliga, die konnte Hertha ihm jedoch seit längerem nicht garantieren. Deshalb beschäftigte sich der Verein auch mit Andries Jonker (zuletzt beim FC Bayern II) und Franco Foda (zuletzt bei Sturm Graz). Doch als Luhukay vor zwei Wochen auf den Markt kam, ging es relativ rasch. Hertha hat sich damit gegen die spektakuläre und für die sachliche Lösung entschieden.

Manager Preetz begründete gegenüber der Berliner Morgenpost, warum die Wahl auf Luhukay gefallen ist. "Mir hat imponiert, wie Augsburg sich in dieser Saison entwickelt hat und vor allem, wie sie daheim Fußball gespielt haben: Aktiv, dominant. Das brauchen wir auch. Wir müssen zu Hause unbedingt besser werden." Bekanntlich schleppt Hertha seit beinahe drei Spielzeiten eine schwer erklärbare Heimschwäche mit sich herum mit gerade vier Siegen bei 34 Bundesliga-Partien im Olympiastadion seit August 2009. Selbst im Zweitliga-Jahr unter Markus Babbel bot Hertha daheim eher Hausmannskost, die aufsehenerregenden Siege wurden fast alle auswärts eingefahren. Zudem hat Luhukay Vorteile gegenüber Jonker und Foda bei den Themen Kenntnis der ersten und der Zweiten Liga sowie Kenntnis der Spieler, die sich in diesem Markt bewegen.

Wer ist Jos Luhukay? Der Niederländer wirkt in seinem Auftreten nett, aber ein wenig unscheinbar. Davon sollten sich die Hertha-Profis indessen nicht täuschen lassen. Louis van Gaal, der auch "der General" genannt wird, sagt über seinen Landsmann: "Eigentlich ist Jos so wie ich." In Augsburg haben sie ihm den Spitznamen "der kleine Diktator" verpasst. So freundlich Luhukay am TV-Mikrofon rüberkommt, intern führt er das Team nach knallharten Regeln. Sein Ideal ist ein attraktiver Offensivfußball, der auf strikter taktischer Disziplin beruht. Im Alltag gibt er klare Regeln vor. Wer im Trainingslager vor einer Partie eine Minute zu spät zum Frühstück kommt, spielt nicht. Da kennt Luhukay kein Pardon.

Seine sportliche Bilanz: 2008 stieg er mit Borussia Mönchengladbach von der Zweiten in die erste Liga auf. Nachdem er dort entlassen worden war, heuerte er beim damaligen Zweitligisten FC Augsburg an. 2010 scheiterte er in der Relegation am 1. FC Nürnberg, 2011 stieg Augsburg als Zweitliga-Zweiter (hinter Hertha BSC) erstmals in die Bundesliga auf. Trotz einer vergleichsweise günstigen Mannschaft ohne Stars sicherte der 48-Jährige dem FCA, der als klarer Absteiger galt, vorzeitig den Klassenerhalt.

Wegen seiner Konsequenz, die manche auch als undiplomatisch empfinden, ist Luhukay angewiesen auf die Rückendeckung seiner Vorgesetzten. Bei Hertha betrifft das vor allem Manager Preetz und das Präsidium um Präsident Werner Gegenbauer. Ist die nicht gegeben, bleibt der Mann sich auch in eigener Sache treu. In Paderborn und vor zwei Wochen beim FC Augsburg hat er seinen Arbeitgeber trotz laufenden Kontraktes verlassen. Er fühlte sich nicht ausreichend unterstützt. Da zog er die Konsequenzen und gab seinen Vertrag (samt finanzieller Ansprüche) wieder zurück.

Gegenbauer steht zum Manager

Vorbereitet und entschieden hat die Personalie der Manager in Absprache mit dem Präsidium. Preetz steht nach der missglückten Saison mit den Trainer-Wechseln von Babbel zu Skibbe zu Rehhagel und dem (mutmaßlichen) Abstieg im Zentrum der Kritik. Ungeachtet dessen hat sich Präsident Gegenbauer nach der Chaos-Partie in Düsseldorf einmal mehr zum Manager bekannt: "Ich gehöre nicht zu den Leuten, die nach dem Spiel etwas anderes sagen als vorher. Ich vertraue Michael Preetz."

Man darf gespannt sein, wie die Personalie Luhukay für den Manager aufgenommen wird. In der Öffentlichkeit wird er manchmal als Mann mit wenig Konturen wahrgenommen. In der Fußball-Branche indessen genießt Luhukay hohe Wertschätzung. So hatten sich auch der 1. FC Köln und der 1. FC Kaiserslautern um ihn bemüht. Die Pfälzer hätten für ihn sogar den erst vor acht Wochen verpflichteten Krassimir Balakov entlassen. Luhukay jedoch setzt auf die Karte Hertha und Preetz. Bis zur Mitgliederversammlung samt Neuwahl des Präsidiums am 29. Mai wird die Diskussion um den Manager anhalten.