Olympische Spiele

Mit Britta Steffen wird auch in London zu rechnen sein

Berlinerin schafft die Olympianorm und sichert sich den Titel über 100 Meter Freistil. Ihr Freund Paul Biedermann tritt weniger souverän auf

- Es war ein gewiefter Schachzug, den Britta Steffen sich da überlegt hatte. Samstagabend gipfelte er darin, dass sie ihren Trainer Norbert Warnatzsch, ihre beiden Managerinnen und so manche Schwimmkollegin überglücklich herzte. Ein paar Minuten später bahnte sich Sportdirektor Lutz Buschkow den Weg zu seiner Topathletin, um ihr zu ihrem Erfolg zu gratulieren. Und noch eine kleine Weile später, als Steffen eigentlich längst keine Zeit mehr hatte, fand sie noch Zeit für Autogrammwünsche. Es war alles so leicht. Oder mit Steffens Worten: "Die pure Freude. Alles ist gut. Die Olympia-Qualifikation steht."

Die Berlinerin hat ein eindeutiges Zeichen hinaus in die Schwimmwelt geschickt: Im Olympiajahr ist wieder mit ihr zu rechnen. Bei den Deutschen Meisterschaften in ihrer Heimatstadt sicherte sie sich nicht nur den Titel über 100 Meter Freistil, sondern hievte sich auch auf Platz vier der Weltjahresbestenliste. "Sie ist wieder in der Weltspitze dabei. Nach den ganzen Problemen der Vorjahre ist es ein Schritt in die richtige Richtung", sagte ihr Trainer Norbert Warnatzsch am Beckenrand. Nach langen Verletzungspausen und ihrem Desaster bei den Weltmeisterschaften 2011 in Shanghai, wo sie erst hinterherschwamm und dann vorzeitig abreiste, ist die Erleichterung groß.

Beschwingt durch die Halle spaziert

Steffen hatte bereits zu Beginn der Meisterschaften bewiesen, wie stark sie wieder durchs Wasser krault. Als Startschwimmerin der SG Neukölln hatte sie Donnerstagabend in 53,65 Sekunden eine Spitzenzeit hingelegt und war an ihrem freien Freitag entspannt und beschwingt durch die Halle spaziert. "Ich bin jetzt gelöst, man sieht es an meiner Laune", sagte sie. Ihr Start bei den vergleichsweise wenig beachteten Staffelrennen war ein perfekter Auftakt. Ein bisschen "Bammel" habe sie vor den Meisterschaften, hatte Steffen zuvor zugegeben. Wie alle anderen musste auch sie hier noch die Olympia-Normen erfüllen, und das ließ selbst solch eine erfahrene Athletin nicht kalt. Also hatte sie beschlossen, ihre Form vor den Einzelrennen zu testen - "damit der Stress weg ist", wie sie später sagte. Völlig unerwartet und deshalb ohne Druck von außen und nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit war sie ins Wasser gesprungen. Die Zuschauerränge waren spärlich gefüllt gewesen und die Fernsehkameras noch gar nicht in der Halle. Die Normzeit des Deutschen Schwimmverbandes war erfüllt - auch wenn Steffen das erst noch im Einzelrennen bestätigen musste. Mit der nötigen Selbstsicherheit und dadurch einer gewissen Lockerheit geriet das Vorhaben dann am Sonnabendabend auch zu keiner Zeit in Gefahr. 53,68 blinkte am Ende auf der Anzeigetafel auf. Zweimal unter der Schallmauer von 54 Sekunden - das wird die Konkurrenz zur Kenntnis nehmen. "Dass ich zweimal unter der Zeit geblieben bin, gibt Sicherheit und auch einen positiven Ausblick", kommentierte Steffen ihre Ergebnisse.

Ihre Laune stand ein bisschen im Gegensatz zu der ihres Freundes Paul Biedermann. Der Weltrekordhalter aus Halle blickte zwar nicht total verärgert drein, aber "die pure Freude" war ihm keinesfalls anzusehen, als er nach seinen 400 Meter Freistil aus dem Becken stieg. Als neuer Deutscher Meister, keine Frage, aber mit der Zeit von 3:47,98 Sekunden blieb er knapp hinter der vom Verband geforderten Olympia-Norm. Auf den letzten Metern des Rennens hatten ihn wie am Vortag über die halbe Distanz die Kräfte verlassen. Über 200 Meter hatte er jedoch die Norm erfüllt. "Es war ein ziemlich hartes Rennen, mehr war nicht drin", sagt er zu den 400 Metern. Bei den Europameisterschaften in Debrecen/Ungarn, die bereits am 21. Mai starten, will er es besser machen. Die Norm kann er auch dort noch nachweisen.

Andere deutsche Schwimmer machten es Sonnabend besser als der WM-Dritte von 2011. Benjamin Starke zum Beispiel - der Berliner war im Vorlauf über 100 Meter Schmetterling in 51,95 Sekunden auf Rang drei der Weltjahresbestenliste vorgeprescht. Im Finale schwamm er zwar einen Tick langsamer und musste Steffen Deibler den Vortritt lassen, aber für die Spiele in London kann er planen. Drei andere Schwimmer begnügten sich nicht nur mit der Olympia-Norm, sondern packten gleich noch einen deutschen Rekord drauf. Den Anfang machte Jenny Mensing, die zwar in Wiesbaden wohnt und trainiert, deren Heimat aber Berlin ist. In 2:08,30 Minuten unterbot sie im Finale über 200 Meter Rücken noch einmal die von ihr erst am Morgen aufgestellte Bestmarke. "Ich wusste, dass ich gegen die Uhr schwimmen muss, aber dass es so schnell wird, hätte ich nicht gedacht", sagte sie. Über die gleiche Strecke schwamm auch Jan-Philip Glania Rekord (1:55,87). Markus Deibler schließlich wollte dem im letzten Finale des Tages nicht nachstehen und unterbot über 200 Meter Lagen in 1:57,82 Minuten seine eigene Bestmarke.

Heute folgen die 50 Meter Freistil

Bevor die deutschen Schwimmer aber an die Europameisterschaften denken können, stehen noch zwei weitere Tage bei den nationalen Titelkämpfen auf dem Programm der meisten. Steffen wird diesen Sonntag über 50 Meter Freistil versuchen, auch auf der ganz kurzen Sprintstrecke für ein Ausrufezeichen zu sorgen.