Formel 1

Vettel verliert beim Reifenpoker

Nur Startplatz sieben heute in Barcelona. Hamilton ans Ende verbannt, Sensation durch Maldonado

- Sebastian Vettel steht bei der Europa-Premiere der Formel 1 heute in Barcelona nur auf dem siebten Startplatz. Der Weltmeister verzichtete im letzten Abschnitt des Qualifyings für den Großen Preis von Spanien (14 Uhr bei RTL und Sky) in seinem Red Bull auf eine schnelle Runde. Seine dritte Poleposition in diesem Jahr schien Lewis Hamilton im McLaren sicher zu haben. Doch er darf heute nur vom Ende des Feldes starten. Weil der Brite nach seiner letzten gezeiteten Runde sein Auto auf Anweisung seines Teams auf der Strecke abgestellt hatte und nicht wie im Reglement gefordert bis in den Parc ferme in der Boxengasse gefahren war, schlossen ihn die Rennkommissare aus dem Qualifying aus. Damit muss McLaren die Feier der 150. Poleposition der Teamgeschichte vertagen.

Startplatz eins hat nun völlig überraschend der Venezolaner Pastor Maldonado im Williams vor Lokalmatador Fernando Alonso im Ferrari. Nico Rosberg fuhr im Mercedes auf Rang sechs. Sein Teamkollege Michael Schumacher startet als Achter. Allerdings verzichtete der Rekordweltmeister ebenso wie Vettel auf eine schnelle Runde im letzten Qualifikations-Abschnitt. "Mal sehen, was passiert und wer die klarere Sprache spricht", kommentierte Schumacher den deutschen Starterpulk. "Wichtig wird sein, gut durch die ersten Kurven zu kommen", meinte Vorjahressieger Vettel. Der 24-Jährige führte aus: "Wenn wir den Speed gehabt hätten, dann hätten wir auch versucht, auf die Poleposition zu fahren. Aber das war nicht drin, deshalb haben wir überlegt, Reifen zu sparen. Wir haben noch drei frische Sätze harte Reifen, für das Rennen ist noch alles drin."

Lauda fordert Regeländerung

Schumacher setzte auf eine ähnliche Taktik und erklärte den Hintergrund. "Wenn man Reifen sparen und dabei keinen Platz verlieren will, fährt man nur eine Runde ohne Zeit. Dann geht es im Zweifelsfall nach den Startnummern", meinte der 43-Jährige, der wie Vettel die Wahl hat, mit den weichen oder den harten Reifen loszufahren. Die ersten sechs Fahrer müssen mit den Reifen ins Rennen starten, mit denen sie im letzten Qualifying-Durchgang ihre gezeitete Runde gefahren waren.

Eine Ausnahme gibt es nur bei einem Start im Regen. Für den dreimaligen Weltmeister und RTL-Experten Niki Lauda gehört "diese blödsinnige Regel schon bis zum Rennen in Monaco in vierzehn Tagen abgeschafft". Unabhängig vom Reifenpoker war Williams-Fahrer Maldonado die Sensation des Trainings. Die mögliche Überraschung hatte sich schon am Morgen mit einem zweiten Platz im freien Training angekündigt. Fünftbester im ersten Qualifikations-Segment, Schnellster im zweiten, nun Erster, als es um die Wurst ging - eine tadellose Vorstellung des Venezolaners. Maldonado: "Wir verstehen endlich die Reifen und haben es verstanden, den Wagen für die Charakteristik dieser Walzen weiterzuentwickeln. Das Ergebnis seht ihr hier. Ich kann morgen kaum erwarten, denn der Wagen geht auch im Dauerlauf wie die Feuerwehr!" Für Williams ist es das erste Highlight seit der Poleposition von Nico Hülkenberg in Interlagos (Brasilien) 2010.

Eine der Kernfragen vor dem Rennen: Wie stark ist Ferrari in Barcelona, ausgerechnet zum Heimrennen von Fernando Alonso und nach einem Saisonstart, der trotz des Sieges in Malaysia enttäuschend gewesen ist? Fernando Alonso sagte gegenüber dem Fachmagazin Speedweek: "An den ersten vier Renn-Wochenenden hätte ich nicht von einem Platz in Startreihe eins träumen können, und hier sitze ich nun als Zweitschnellster. Das bedeutet für mich - wir haben einen Schritt nach vorne getan. Fürs Rennen muss ich die Erwartungen aber dämpfen. Die Reihenfolge in dieser Qualifikation entspricht nicht dem, was wir morgen erleben werden." Für den zweimaligen Weltmeister ist das Ergebnis aber noch kein Grund zur Euphorie. "Natürlich freue ich mich, vor meinem Publikum hier unter den besten Drei sein zu dürfen. Aber ich streue mir keinen Sand in die Augen - hinter uns stehen einige Leute, die potenziell schneller sind als wir. Ich will aggressiv, aber nicht verrückt starten und dann versuchen, so gut es geht zu punkten."

Gute-Laune-Alonso

Auf die Frage, ob das auch einen Podestplatz mit einschließe, schmunzelt Alonso: "Das ist Formel 1. Da ist alles möglich. Aber ihr müsst auf dem Teppich blieben. Heute freue ich mich, aber Punkte gibt es erst morgen, und ihr wisst, dass ich kein Träumer bin. Wir haben von den Verhältnissen profitiert, die beiden Lotus sind hinter uns, beide Red-Bull-Racing-Renner, beide McLaren. Damit hatte ich gestern nicht gerechnet." Am anderen Ende der Ferrari-Wohlfühl-Skala befindet sich Felipe Massa: Platz 16.

Nico Hülkenberg musste sich im Force India mit dem 13. Platz begnügen. Eine böse Überraschung erlebten Jenson Button und Mark Webber. McLaren-Pilot Button kam nicht über den zehnten Rang hinaus. Noch einen Platz schlechter als der Brite war der Australier.

Für Timo Glock aus Wersau gab es einmal mehr kein Erfolgserlebnis. Der 30-Jährige landete in seinem technisch unterlegenen Marussia nur auf dem 21. Platz. Zudem verlor Glock diesmal auch das Duell mit seinem Teamkollegen Charles Pic (Frankreich), der einen Rang vor ihm steht. Entsprechend enttäuscht war Glock: "Das war weit weg von dem, was ich mir erhofft habe. Alles in allem war es deutlicher zurück und eben auch hinter dem Teamkollegen." Schlechter erging es Narain Karthikeyan (HRT). Der Inder verfehlte die Qualifikationszeit um fast drei Sekunden und muss im Rennen zuschauen.