Pokalfinale

Kagawa verabschiedet sich mit einer Galavorstellung

- Diese Dienstreise dürfte sich gelohnt haben. Nicht nur, dass Sir Alex Ferguson ein turbulentes DFB-Pokalfinale sah - der Manager von Manchester United wird sich nach dem 5:2 (3:1)-Triumph von Borussia Dortmund auch darin bestärkt fühlen, dass Shinji Kagawa eine wesentliche Verstärkung für sein Premier-League-Team sein könnte.

Nach dem, was Ferguson mit stoischem Gesichtsausdruck kauend von der Haupttribüne des Olympiastadions aus mitverfolgte, dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass er schon bald ein Angebot für Kagawa abgeben wird, deutlich gestiegen sein. Und weil Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits vor Wochen für diesen Fall Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte, scheint es so, als ob der Galaauftritt von Kagawa gestern der letzte im Trikot des BVB gewesen sein könnte.

Sollte es tatsächlich so kommen, hätte sich der japanische Publikumsliebling allerdings mit einem sehr wertvollen Geschenk verabschiedet. Denn mit seinem Tor zum 1:0 nach nur drei Minuten, seinem millimetergenauen Zuspiel auf Robert Lewandowski kurz vor der Pause und seinem öffnenden Pass auf Kevin Großkreutz, der Lewandowski dann das 4:1 auflegte, wurde er zu einer der entscheidenden Figuren beim dritten Pokalsieg des Traditionsvereins."Ich werde mich nach dem Finale zu meiner Zukunft erklären", hatte der 23-jährige Edeltechniker vor einer Woche gesagt und so Hoffnungen geweckt, er würde möglicherweise doch in Dortmund bleiben. Was hatten Jürgen Klopp und Michael Zorc nicht alles versucht, um Kagawa zu bewegen, seinen im Juni 2013 auslaufenden Vertrag zu verlängern - bislang allerdings erfolglos. "Er hat einen Traum. Und der beinhaltet, der erste japanische Profi zu werden, der sich in der englischen Premier League durchsetzen wird", erklärte Zorc.

Der Dortmunder Sportdirektor, der Kagawa vor zwei Jahren vom japanischen Zweitligisten Osaka nach Dortmund geholt hatte, versuchte in vielen Gesprächen, ihn davon zu überzeugen, diesen Schritt ja auch noch zu einem späteren Zeitpunkt gehen zu können. Auch Berater Thomas Kroth, ein exzellenter Kenner der fernöstlichen Fußballszene, soll seinem Schützling geraten haben, zunächst doch noch in Dortmund zu bleiben. Doch es scheint, als ob ihre Überzeugungskraft nicht ausreicht. Und weil der BVB befürchtet, ohne Ablöse auszugehen, wenn Kagawa seinen Vertrag nicht verlängert, könnte ein rascher Abschied bevorstehen.

Die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls groß, dass sich Kagawa heute bei dem geplanten Triumphzug mit der Mannschaft durch die Dortmunder Innenstadt zum letzten Mal den BVB-Fans präsentieren wird. Die erfolgreiche Mannschaft dürfte daran nicht zerbrechen. In der vergangenen Saison konnte der Abgang von Nuri Sahin, der dem Lockruf von Real Madrid gefolgt war, durch Ilkay Gündogan kompensiert werden. Und auch diesmal würde mit Marco Reus, der bereits im Januar von Borussia Mönchengladbach verpflichtet worden war, der Nachfolger für Kagawa bereits feststehen.

Vermissen würden sie ihren Shinji dennoch. Steht er doch wie kein Zweiter für das Dortmunder Fußballmärchen: Aus den Niederungen der zweiten japanischen Liga kommend hat es Kagawa auf Anhieb zum Stammspieler in einer der stärksten europäischen Ligen gebracht und in nur zwei Jahren zwei Meisterschaften und einmal den DFB-Pokal gewinnen können. Das allein wäre schon traumhaft - doch Kagawa hat offenbar noch andere Träume.